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30.04.2011

09:06 Uhr

Libyen

Gaddafi spricht von Waffenstillstand

Die Nato bombardiert weiter Ziele in Tripolis, an der tunesischen Grenze spielen sich Dramen ab – nun kommt Machthaber Gaddafi mit einem neuen diplomatischen Vorschlag.

Auch an der libysch-tunesischen Grenze gab es zuletzt Kämpfe. Quelle: dpa

Auch an der libysch-tunesischen Grenze gab es zuletzt Kämpfe.

TripolisNach wochenlangen westlichen Luftangriffen und festgefahrenen Bodenkämpfen wirbt der libysche Machthaber Muammar Gaddafi für eine diplomatische Lösung. „Libyen ist für einen Waffenstillstand bereit, der aber nicht einseitig sein kann“, sagte Gaddafi in einer am Samstag ausgestrahlten Fernsehansprache. Einen Gang ins Exil lehnt er indes ab. „Niemand kann mir vorschreiben, mein Land zu verlassen, und niemand kann mir untersagen, für mein Land zu kämpfen“, erklärte Gaddafi. Zudem verlange er Verhandlungen mit der Nato. Libyen könne seine eigenen Probleme lösen, sobald die Luftangriffe der Allianz eingestellt würden.

Nach Wochen mit schnellen Landgewinnen und Rückschlägen auf Seiten der Gaddafi-Truppen und der Aufständischen ist es zu einer Pattsituation gekommen. Weder Rebellen noch Regierungstruppen können einen entscheidenden Durchbruch erzielen. Die Nato, die mit Luftangriffen Zivilisten schützen soll, beobachtet die Entwicklung mit Unruhe. Die Rebellen fordern ein stärkeres Eingreifen. Kritiker monieren, die Allianz überschreite das UN-Mandat und wolle Gaddafi töten.

Unterdessen spielen sich menschliche Dramen an der umkämpften Grenze zwischen Libyen und Tunesien ab: Verzweifelte Flüchtlinge aus afrikanischen Staaten hoffen auf Zuflucht in Europa oder Nordamerika. Krieg und leere Geschäfte treiben massenweise Libyer nach Tunesien. Schon auf der Straße in Tunesien zur libyschen Grenze mehren sich die Anzeichen der Not im Nachbarland. Am Rand haben Händler Plastikkanister mit gelbem und roséfarbenem Benzin neben versprengten Dromedar- und Ziegenherden gestapelt. Libyer decken sich hier mit dem ein, was es bei ihnen wegen des Kriegs nicht mehr gibt.

Plötzlich tauchen im tunesischen Wüstensand Lager mit grünen, weißen und braunen Zelten auf. Hier harren verzweifelte Menschen aus dem Niger, dem Sudan, Somalia und Äthiopien aus, die in Todesangst Tripolis und andere libysche Städte verlassen haben. „Ich fliehe vor dem Krieg“, sagt Bachir Sabaly. Gerade hat er in einer Gruppe junger Männer zu Fuß die Grenze bei Ras Ajdir passiert. Statt einem – wenn auch spärlichen – Auskommen im Reich von Muammar al-Gaddafi hat der junge Senegalese nur noch eine Tragetasche mit Habseligkeiten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.04.2011, 10:11 Uhr

ES wird Zeit, dass hier verhandelt wird, um weitere Leben zu schonen. Zumal noch immer nicht geklärt ist, wen die Nato hier unterstützt, und auch aus Sicht des Völkerrechts die Sturz von Gadaffi durch die Nato ist gedeckt ist. http://bit.ly/h9mZti

Ralko

30.04.2011, 15:14 Uhr

Die Zeit der schmierigen Folterknechte und Diktatoren sowie ihrer überaus willigen Apologeten und Helfer aus dem Westen läut aus. Gut so.

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