Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2011

18:00 Uhr

Libyen

Gaddafi-Truppen weiter auf dem Vormarsch

Mit massiven Angriffen treiben Gaddafis Truppen die Aufständischen weiter in die Enge. Derweil findet die internationale Gemeinschaft keine gemeinsame Linie. Westerwelle warnt vor deutschem Dauereinsatz in Nordafrika

In Libyen gewinnen die Gaddafi-Anhänger zunehmend die Überhand. Quelle: dpa

In Libyen gewinnen die Gaddafi-Anhänger zunehmend die Überhand.

TobrukBeim Treffen der G-8-Außenminister am Dienstag in Paris einigten sich die Ressortchefs der acht wichtigsten Industriestaaten zwar darauf, dass der politische Druck auf den libyschen Diktator erhöht werden müsse. Die Einrichtung einer Flugverbotszone blieb aber strittig. Nun soll sich der Weltsicherheitsrat erneut mit dem Thema befassen.    

Er rechne noch in dieser Woche mit einer Resolution sagte Frankreichs Außenminister Alain Juppé. Allerdings räumte er ein, dass der von Frankreich und Großbritannien betriebene Vorstoß zur Einrichtung einer Flugverbotszone bislang keine breite Unterstützung gefunden habe.    

Bundesaußenminister Guido Westerwelle bekräftigte in Paris seine Skepsis: Er wolle nicht, dass Deutschland dauerhaft in einen Krieg in Nordafrika hineingezogen werde, betonte der FDP-Politiker. Die US-Regierung äußerte sich zunächst nicht öffentlich darüber, wie sie die libysche Opposition unterstützen will.    

Bombardierung mit Flugzeugen und Artillerie

Libysche Regierungstruppen griffen unterdessen am Dienstag die Stadt Adschdabija mit massiven Luftangriffen und einer Kanonade aus Schiffs-, Panzer- und Artilleriegeschützen an. Zahlreiche Menschen folgten dem Aufruf zur Verteidigung der Stadt gegen Gaddafis Soldaten, der über die Lautsprecher der Moscheen in der Stadt erhalte.    

Die Rebellen sammelten sich im Westen und Süden der Stadt, nachdem Gaddafis Truppen sie mit einem Angriff von zwei Seiten überrascht hatten. Allerdings leiden die Oppositionskräfte am Waffenmangel. „Sie haben nicht die Waffen, aber den Willen zu kämpfen“, sagte Oberstleutnant Mohammed Saber, ein Offizier der Streitkräfte, der zu den Rebellen übergelaufen ist, per Telefon. Im Hintergrund waren Gewehrfeuer und Explosionen zu hören. Über Opfer der Kämpfe wurde zunächst nicht bekannt.    

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.03.2011, 19:15 Uhr

Gadaffi lobt Deutschlands Haltung gegen Libyen und Westerwelle stellt sich auf die Seite des Siegers. Aufträge für Europa gibt es nicht mehr, nur noch Aufträge für China,Russland und Deutschland. Die Freiheitskämpfer
werden zu Al Kaida Terroristen erklärt und dadurch können Deutsche Politiker aufatmen nicht den Falschen zugewinkt zu haben. Als erstes kann Deutschland Leichensäcke exportieren, die Gadaffi dringend braucht, wenn er die Freiheitsbewegung innerhalb von 2 Wochen endgültig abschlachtet.
Ein Glück das wir in Deutschland so weitsichtige Politiker haben.

Account gelöscht!

15.03.2011, 22:05 Uhr

Es geht in Libyen noch lange nicht um eine Demokratisierung. Die wehrlosen Menschen werden aus der Luft mit Kampfjets angegriffen und hinterhältig von Scharfschützen beschossen und ermordet. Deshalb setzt sich eine unvorstellbare Gewaltspirale und eine Massenflucht von Hunderttausenden Libyern in Gang.

Und was blüht den Libyern wenn Gaddafi wieder fest im Sattel sitzt? Und der restlichen Welt? Lockerbie II?

Es ist erschreckend und beschämend, wie die deutsche Politik wegguckt und verhindert, dass die Greuel jetzt wirksam gestoppt werden.

Eine Flugverbotszone dürfte natürlich kein Ticket für eine flugs gewendete sogenannte Opposition sein. Das Volk sollte seinen politischen Weg selbstbestimmt suchen können. Aber lange vor der Unterstützung einer kaum existenten Demokratiebewegung kommt der blanke Hilferuf der Libyer, die nicht länger Tod und brutale Unterdrückung und Ungleichheit erdulden wollen.

Die Arabische Liga könnte begleitend eine entscheidende Rolle spielen. Das gilt es einzufordern. Der Sicherheitsrat kann doch seine Bedingungen aussprechen. Eine Bewaffnung der Rebellen von aussen würde das Land in ein noch größeres Chaos treiben. Warum traut man einer gemischten UNO-Schutztruppe mit Beteiligung der Araber nicht zu eine Luftoffensive am Boden zu ergänzen. Die völkerrechtlichen Voraussetzungen sollten durch den Ruf der Arabischen Liga und den vor unseren Augen stattfindenden Völkermord gegeben sein. Deutschland hat seinen Sitz im Sicherheitsrat erkämpft, um stellvertretend für die Völkergemeinschaft zu wirken und wenn nicht heute, wann denn ist ein Beschluss zur Durchsetzung elementarem Völkerrechts gefragt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×