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24.10.2011

18:18 Uhr

Libyen

Gaddafis Leiche wird nicht mehr gezeigt

Die halbnackte Leiche Gaddafis wurde tagelang in einer Kühlhalle ausgestellt - für Ausländer ein sehr befremdliches Vorgehen. Nun hat die „Ausstellung“ ein Ende und Libyens Übergangsrat verspricht einen moderaten Kurs.

Um den toten Körper Gaddafis zu sehen, standen die Menschen Schlange. dapd

Um den toten Körper Gaddafis zu sehen, standen die Menschen Schlange.

MisrataDie Leiche des früheren Machthabers Muammar Gaddafi soll nach tagelanger Zurschaustellung nicht mehr öffentlich gezeigt werden. Wachleute riegelten am Montagnachmittag einen Kühlraum in der Stadt Misrata ab. Der libysche Übergangsrat erklärte, die Leiche werde nicht mehr gezeigt. Die Ausstellung der verwesenden Körper von Gaddafi, seines Sohnes Motassim und seines Armeechefs hatten bei ausländischen Verbündeten des Übergangsrates Befremden ausgelöst. Das Gremium will nach eigenen Angaben untersuchen, wie Gaddafi in der vergangenen Woche ums Leben kam. Menschenrechtler forderten vom Übergangsrat zudem eine Erklärung, wer für ein mutmaßliches Massaker unter Gaddafi-Anhängern in der vergangenen Woche in der Stadt Sirte verantwortlich ist.

Gaddafi wurde am Donnerstag vergangener Woche gefasst und starb wenig später unter Umständen, die noch immer nicht geklärt sind. Nach Darstellung des Übergangsrates kam er bei Kämpfen zwischen eigenen Anhängern und Kämpfern des Übergangsrats ums Leben. Es gibt jedoch auch die Vermutung, dass er nach der Gefangennahme in seiner Heimatstadt Sirte hingerichtet wurde.

Die halbnackte Leiche Gaddafis mit Einschusswunde am Kopf wurde tagelang in einer Kühlhalle in Misrata ausgestellt. Am Montag bekamen Schaulustige wegen des Verwesungsgeruches Mundschutze. Wachen legten wegen auslaufender Körperflüssigkeiten den Raum mit Plastikplanen aus. Nach muslimischem Brauch wird ein Leichnam eigentlich innerhalb eines Tages beerdigt. Die Umstände von Gaddafis Tod und der Umgang mit seiner Leiche scheinen aber bei den meisten Libyern auf wenig Interesse zu stoßen. „Wäre er ein guter Mensch gewesen, hätten wir ihn beerdigt“, sagte ein Libyer, der sich in die Schlange der Schaulustigen in Misrata einreihte. „Er hat sein Schicksal selbst zu verantworten.“

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