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16.08.2011

04:00 Uhr

Libyen

Gaddafis Truppen feuern Scud-Rakete ab

Die Rebellen marschieren immer weiter Richtung Tripolis: Nun setzen Gaddafis Truppen Scud-Raketen ein. Derweil laufen auf der tunesischen Halbinsel Djerba Geheimverhandlungen mit Überraschungsteilnehmern.

Rebellen in Libyen Quelle: dapd

Rebellen in Libyen

Tripolis Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi haben in der Nähe der umkämpften Hafenstadt Brega erstmals eine Scud-Rakete abgefeuert. Aus US-Militärkreisen in Washington verlautete am Montag, die Kurzstreckenrakete sei am Sonntag in der Wüste östlich von Brega eingeschlagen. Niemand sei verletzt worden.

Gaddafi hat Scud-Raketen aus Sowjet-Zeiten. Sie haben eine Reichweite von etwa 300 Kilometern. Die Vorratslager wurden bereits zu Beginn des Krieges vor einem halben Jahr von der Nato bombardiert, die die Rebellen mit Luftangriffen unterstützt.

Rebellen und Regierungstruppen kämpfen seit Wochen um die strategisch wichtige Hafenstadt Brega. Die Kontrolle wechselte in dieser Zeit mehrfach. Die Rebellen haben in den vergangenen Tagen Boden gewinnen können und versuchen, wichtige Versorgungswege in die Hauptstadt Tripolis abzuschneiden.

In dem seit mehr als fünf Monaten andauernden Konflikt in Libyen gibt es aber auch Anzeichen für eine mögliche Verhandlungslösung. Auf der tunesischen Ferieninsel Djerba trafen sich in der Nacht zum Montag nach tunesischen Angaben Vertreter von Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi und der Rebellen zu Geheimgesprächen.

Verwirrung stiftete der Aufenthalt des UN-Sondergesandten für Libyen in der tunesischen Hauptstadt Tunis. Die Gespräche auf Djerba seien unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in einem Hotel auf Djerba geführt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Sicherheitskreisen in Tunis. Der tunesischen Nachrichtenagentur TAP zufolge nahmen daran drei libysche Minister teil. Es seien „Verhandlungen mit mehreren ausländischen Parteien“ im Gange.

In verschiedenen Medien und Onlinenetzwerken hatte es zuvor geheißen, dass sich Gaddafi schon bald ins Exil begeben könnte. An den Verhandlungen nahm laut einer tunesischen Quelle auch ein Gesandter von Venezuelas Staatschef Hugo Chávez teil. Anfang des Jahres hatte es wegen der engen Beziehungen beider Länder Gerüchte gegeben, Gaddafi sei nach Venezuela geflohen, die sich aber als falsch erwiesen.

Am Montag traf der UN-Sondergesandte für Libyen, Abdul Ilah el Chatib, in Tunis ein. Er sagte, er wolle an Verhandlungen zwischen libyschen Regierungsvertretern und Rebellen teilnehmen, die in einem Hotel in einem Vorort fortgesetzt würden. Ein UN-Sprecher sagte zunächst, Chatib treffe tunesische Regierungsmitglieder und könne auch mit „einigen in Tunesien ansässigen Libyern“ sprechen. Später sagte er allerdings, die UNO wisse nichts über Verhandlungen zwischen der libyschen Führung und den Aufständischen in Tunesien und beteilige sich auch nicht daran.

Der stellvertretende libysche Innenminister Nasser Mabruk Abdallah flog indes mit neun Familienmitgliedern in einer Privatmaschine von Djerba in Ägyptens Hauptstadt Kairo, wie es von der dortigen Flughafensicherheit hieß. Die Hintergründe der unangekündigten Reise waren zunächst unklar.

In den vergangenen Monaten hatten sich mehrere libysche Führungsmitglieder abgesetzt. Die libyschen Rebellen übernahmen derweil die Kontrolle über drei wichtige Städte auf dem Weg in die Hauptstadt Tripolis. Der Großteil der Stadt Sawija 40 Kilometer westlich von Tripolis sowie die Städte Gharjan und Sorman südlich und westlich der Hauptstadt sind nach Angaben der Aufständischen in ihrer Hand.

Die USA begrüßten das Vordringen der Rebellen in Richtung Tripolis. „Wir sind sehr erfreut über die Fortschritte der Rebellen“, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Später gab sie bekannt, dass die USA einen Vertreter der Rebellen offiziell als Botschafter in Washington anerkannt haben.

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