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18.09.2011

18:53 Uhr

Libyen

Heftige Kämpfe um letzte Gaddafi-Bastion

In Sirte, der Geburtsstadt von Diktator Gaddafi, liefern sich die Rebellen erbitterte Kämpfe mit Anhängern des Ex-Regimes. Die Übergangregierung fasst derweil Fuß bei den Vereinten Nationen.

Kämpfer der Rebellen gehen nahe der Stadt Sirte vor Maschinengewehrfeuer in Deckung. AFP

Kämpfer der Rebellen gehen nahe der Stadt Sirte vor Maschinengewehrfeuer in Deckung.

Sirte.Auch nach vier Tagen heftiger Gefechte um Sirte ist es den Kämpfern des libyschen Nationalen Übergangsrats nicht gelungen, die Heimatstadt des gestürzten Machthabers Muammar el Gaddafi unter Kontrolle zu bringen. Nach schweren Verlusten zogen sich die Truppen der neuen Führung nachts aus der Küstenstadt zurück, wie ein AFP-Reporter am Sonntag berichtete. Der Übergangsrat übernahm derweil offiziell den Uno-Sitz Libyens.

Der Übergangsrat mobilisierte eigenen Angaben zufolge mindestens 6000 Kämpfer für den Angriff auf Sirte. Sie seien mit 1200 Fahrzeugen aus Misrata und anderen Städten in und um die Küstenstadt zusammengezogen worden, sagte der Kommandeur Salem Dscheha am Samstag. Es gebe nur noch Gefechte um einzelne Häuser. Am Abend waren die Kämpfer des Übergangsrats aber gezwungen, sich unter massivem Beschuss aus der Stadt zurückzuziehen, da es ihnen nicht gelungen war, das eroberte Gelände abzusichern, wie ein AFP-Reporter berichtete.

„Wir haben nicht einmal fünf Prozent von Sirte, weil wir nur rein und raus gehen“, sagte der Kämpfer Abdul Rauf el Mansuri. Nur ein Bruchteil der Truppen würde wirklich kämpfen. Angaben aus Misrata, wonach sie den Großteil der Stadt kontrollierten, wies er zurück. „Wenn wir die Stadt kontrollierten, würden wir dort schlafen“, sagte el Mansuri. Nach AFP-Angaben wurden mindestens 24 Kämpfer getötet, mehr als 40 weitere wurden verletzt. Da das nächste Krankenhaus in Misrata ist, war die medizinische Versorgung schwierig.

Auch in der Oasenstadt Bani Walid waren die Kämpfer des Übergangsrats gezwungen, sich aus dem Stadtzentrum wieder zurückzuziehen. Ein Kommandeur sprach von einem „taktischen Rückzug“ und verwies auf die Gefahr durch zahlreiche Heckenschützen in der Stadt. Am Samstag drangen sie erneut in die Stadt ein, trafen jedoch auf heftigen Widerstand. Gaddafi-Kämpfer zerstörten eine gegnerische Stellung mit Raketen. Auch am Sonntag standen die Kämpfer des Übergangsrats unter heftigem Raketenbeschuss.

Die Uno-Vollversammlung stimmte am Freitag mit großer Mehrheit dafür, dass der Übergangsrat den Uno-Sitz Libyens übernimmt. Der Uno-Sicherheitsrat nahm zudem eine von Großbritannien eingebrachte Resolution an, mit welcher die gegen den libyschen Öl- und Bankensektor verhängten Strafmaßnahmen weitgehend aufgehoben wurden. Die Guthaben, die wegen des gewaltsamen Vorgehens Gaddafis gegen die Proteste im Februar und März eingefroren worden waren, sollen demnach „so schnell wie möglich“ dem libyschen Volk zukommen.

Die Resolution sieht die Entsendung einer dreimonatigen zivilen Uno-Mission vor, die den Übergangsrat bei der Organisation von Wahlen und der Ausarbeitung einer neuen Verfassung unterstützen soll. Die Resolution erlaubt die Lieferung leichter Waffen und technische Hilfe für die Übergangsregierung. Die Flugverbotszone bleibt dagegen zunächst bestehen und auch die gegen Gaddafi und seine Getreuen verhängten Sanktionen gelten weiter. Die Resolution warnte zudem vor der unkontrollierten Verbreitung von Waffen in der Region.

Der Übergangsrat wollte am Sonntag die neue Übergangsregierung vorstellen. Wie AFP aus dem Übergangsrat erfuhr, soll Mahmud Dschibril weiter das Kabinett leiten, das 34 Minister, darunter zwei Frauen, umfassen soll. Den Angaben nach soll Ali Tarhuni Vize-Präsident werden und das Ressort Finanzen und Wirtschaft übernehmen, Usama el Dschuili soll Verteidigungsminister und Abdel Rahman Ben Jessa Ölminister werden.

Von

afp

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