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02.10.2011

23:26 Uhr

Libyen

In Sirte sterben Verwundete auf OP-Tischen

In der umkämpften Geburtsstadt des gestürzten libyschen Machthabers Muammar Gaddafi wird die Lage für die Bevölkerung immer dramatischer. Helfer kommen nicht zu den Verletzten, heftige Kämpfe toben.

Syrische Truppen erobern Rebellenstadt

Video: Syrische Truppen erobern Rebellenstadt

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SirteVerwundete sterben in Sirte auf dem OP-Tisch, weil plötzlich der Strom ausfällt. Die privaten Apotheker haben dem Zentral-Krankenhaus der 100.000-Einwohner-Stadt ihre Medikamente gegeben - und die gehen jetzt nur Neige. „Es ist eine Katastrophe“, beschreibt der im Hospital als Bio-Chemiker arbeitende Mohammed Schnak die Situation. Am Wochenende hat er - wie viele andere Beschäftigte vor und nach ihm - eine Feuerpause zur Flucht aus der seit zwei Wochen heftig umkämpften Stadt genutzt.

„Die Ärzte fangen an zu operieren, und dann geht das Licht aus“, berichtete ein Mann namens Al-Sadik, der sich als Chef der Dialyse-Abteilung zu erkennen gab. Es gebe nicht genug Brennstoff zum Betrieb der Generatoren. „Ich sah ein 14-jähriges Kind auf dem Operationstisch sterben, weil mitten im Eingriff der Strom ausfiel.“

Die Lage in der Stadt und vor allem im Krankenhaus gibt Hilfsorganisationen Grund zur Sorge. Das Rote Kreuz schaffte am Samstag erstmals Hilfsgüter zum Hospital: Medikamente und vor allem Sprit für die Generatoren. Die vier Helfer hätten jedoch wegen andauernden Gewehrfeuers nicht mit Patienten des Krankenhauses sprechen können, sagte ein Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) Reuters am Samstagabend in Genf. Das IKRK lieferte dem Sprecher zufolge medizinische Güter zur Behandlung von bis zu 200 Verwundeten und Treibstoff am Krankenhaus an. „Sie kamen bis zum Hospital, bekamen die Patienten aber nicht zu Gesicht“, sagte IKRK-Sprecher Marcal Izard. Der Wasserturm des Krankenhauses sei durch Treffer beschädigt worden.

Kommentare (5)

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Querdenker

02.10.2011, 19:45 Uhr

Kann man sich auf die NATO noch verlassen. Ja? Aber dann ist man verlassen. Es ist beschämend, wie die NATO die Rebellen jetzt allein lässt. Die NATO hatte nie einen Plan für ihr Vorgehen. Logistik ist nun mal der Trumpf der Angreifer. Aber da fehlt es gewaltig. Die ganze Misere mit atomaren und giftigen Material und den Boden/Luft-Raketen spiegelt doch die Unfähigkeit der NATO-Strategen wider. Hier werden bewusst Menschen für eine Doktrin geopfert! Für die längst überholte Doktrin der NATO. Die NATO ist ein Spielball von einigen Nationen wie Frankreich, England und vor allem den USA geworden. Es war jedenfalls richtig, dass wir Deutschen uns aus der Angriffsmodalität von vornherein ausgeklinkt haben.

Ratlos

02.10.2011, 20:29 Uhr

als ich heute die Meldung von den 10.000 Raketen las, habe ich mich gesorgt. Wenn die NATO von ca. 10.000 Raketen schreibt, dann sind es sicherlich 30.000 - 50.000 Raketen. Wenn ich dann noch lese, dass der Übergangsrat sehr fragil ist, die Islamisten immer stärker die Oberhand bekommen. Die von ihnen identifizierten Gaddafisten werden rausgeschmissen, Dann interessiert es schon - auch uns! Was ist passiert? Der Westen hat wieder mal einen Krieg initiiert, den er nicht gewinnen kann. Die Parallelen zum Irakkrieg sind verblüffend "wie gewonnen so zerronnen". Die Situation wird dramatisch werden, ein Stammeskrieg wird die Folge sein. Was hat nun die NATO vor? Sie wird nächste Woche mit den die Rebellen unterstützenden Kämpfen aufhören. Gaddafi ist noch am Leben, seine Strukturen scheinbar auch noch funktionsfähig. Ein beachtliche Leistung – wer will was anderes behaupten. Eine Niederlage für die NATO. Was sind die Konsequenzen? Die Rebellen werden sich gegenseitig bekämpfen, es wird einen Nebenübergangsrat geben - die Revolution frisst ihre Kinder. Die „Nach-Aufständischen“ sowohl in Ägypten als auch in Tunesien werden gestärkt. Eine schreckliche Situation und das nur weil, wie in vielen Blogs steht, die Franzosen Angst davor hatten, dass die Libyier ihr Geld von den französischen Banken anziehen wollten. Bedenken Sie, dass 2010 Gaddafi ein noch gerngesehener Staatsgast war.

Lasthope

02.10.2011, 22:54 Uhr

Augenzeugen sehen das allerdings so ##############

»Genozid am libyschen Volk«

Als verantwortungsbewusste Zeugen und Beteiligte des Geschehens erklären wir, dass die USA und ihre Verbündeten auf diese Weise einen Genozid gegen das libysche Volk begehen – so wie es in Jugoslawien, Afghanistan und dem Irak der Fall war.

Es sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die von den Koalitionstruppen begangen werden, und sie ähneln denen der Väter und Großväter der heutigen westlichen Führer und ihrer Henker in Hiroshima und Nagasaki in Japan und in Dresden, Deutschland, wo man Zivilisten vernichtete, um den Widerstandswillen der Menschen zu brechen (Deutschland erinnert sich und hat sich aus dem Grund geweigert, sich an diesem neuen Schlachthaus zu beteiligen). Heute wollen sie auf diese Weise das libysche Volk zwingen, ihren Führer und ihre rechtmäßige Regierung preiszugeben und ihren nationalen Ölreichtum fügsam den Ländern der Koalition zu überlassen.

Uns ist klargeworden, dass der Appell an die »internationale Gemeinschaft«, die Menschen in Libyen und uns, die wir in Libyen leben, zu retten, nutzlos ist. Unsere einzige Hoffnung setzen wir auf Russland mit seinem Vetorecht in der UNO, und insbesondere auf seine Führung, den Präsidenten und den Ministerpräsidenten.

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