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24.08.2014

10:44 Uhr

Libyen

Islamisten erobern angeblich Flughafen in Tripolis

In Libyen haben Kämpfer aus der Stadt Misrata nach eigenen Angaben den wichtigsten Flughafen der Hauptstadt Tripolis eingenommen. Das neu gewählte Parlament des Landes erklärt zwei Milizen-Gruppen zu Terrororganisationen.

Mitglieder der Misrata-Miliz vor einem Gebäude nahe des Internationalen Flughafens von Tripolis, der seit 13. Juli geschlossen ist. dpa

Mitglieder der Misrata-Miliz vor einem Gebäude nahe des Internationalen Flughafens von Tripolis, der seit 13. Juli geschlossen ist.

TripolisNach wochenlangen Kämpfen haben islamistische Milizen nach eigenen Angaben den Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis eingenommen. Das berichteten libysche Medien am Samstagabend. Der TV-Sender An-Nabaa verbreitete die entsprechende Erklärung der Milizen des Kommandos „Fadschr Libya“ (Morgendämmerung für Libyen). Demnach brachten die Kämpfer den strategisch bedeutsamen Flughafen 30 Kilometer südlich der Hauptstadt vollständig unter ihre Kontrolle. Vorausgegangen seien lange Kämpfe mit rivalisierenden Milizen aus der Stadt Sintan.

Die Nachrichtenseite Libya Herald meldete, die Gefechte zwischen den Islamisten und Kämpfern aus der Stadt Al-Sintan gingen außerhalb des Flughafens weiter. Es gebe Verluste auf beiden Seiten. Im Internet veröffentlichte Aufnahmen sollen zeigen, wie sie ihren Erfolg gegen eine feindliche Miliz auf einem Flughafengebäude und auf Passagierflugzeugen feiern. Auch die arabischen TV-Sender Al-Dschasira und Al-Arabija berichteten, die Truppen aus Misrata hätten die Kontrolle übernommen. Dies wäre ein großer Schritt in den seit mehr als einem Monat dauernden Kämpfen um die Hauptstadt.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Der Flughafen befand sich seit dem vom Westen unterstützten Aufstand gegen den langjährigen libyschen Machthaber Muammar Gaddafi 2011 in der Hand einer Miliz aus der Stadt Sintan. Sie liefert sich erbitterte Gefechte mit den Kämpfern aus Misrata. Stellungen von diesen in Tripolis wurden am Samstag mit Kampfflugzeugen attackiert. Nach Angaben der Angegriffenen wurden dabei zehn Menschen getötet und Dutzende verletzt. Bei den Kämpfen um den Flughafen kamen seit Mitte Juli mehr als 200 Menschen ums Leben. Der Flugverkehr steht seit Wochen still.

Die libysche Regierung verfügt nicht über eine nationale Armee, sondern bedient sich ehemaliger Rebellen-Milizen. Deren Loyalität gilt jedoch oft mehr ihrer Region oder örtlichen Befehlshabern als der Regierung.

Das neu gewählte Parlament in Libyen erklärte am Sonntag nach der weiteren Gewalteskalation die beiden islamistischen Milizen Fadschr Libia (Libyens Morgendämmerung) und Ansar al-Scharia zu Terrororganisationen. Die beiden Gruppen stünden außerhalb des Gesetzes, entschieden die Abgeordneten. Das berichtete die Nachrichtenseite Al-Wasat. Die beiden Milizen seien ein legitimes Ziel der libyschen Armee, erklärten die Parlamentarier.

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