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26.03.2011

14:24 Uhr

Libyen-Krieg

Die Rebellen marschieren, Gaddafi klagt an

Unter dem Luftschirm des westlichen Militäreinsatzes rücken die Rebellen weiter vor. Derweil soll der Einsatz des Bündnisses zahlreiche zivile Opfer gekostet haben. Bestätigungen dafür gibt es nicht.

In Adschdabija hielten sich die Rebellen nicht lange auf. Nach der Eroberung machten sie sich auf den Weg nach Brega. Quelle: dpa

In Adschdabija hielten sich die Rebellen nicht lange auf. Nach der Eroberung machten sie sich auf den Weg nach Brega.

Tripolis/KairoSie riefen Siegesparolen, hupten in ihren Autos, schossen in die Luft - und zogen weiter. Die Milizionäre der libyschen Regimegegner hielten sich am Samstag nicht lange damit auf, die Wiedereroberung der Küstenstadt Adschdabija auszukosten. Sie machten sich auf den Weg, um die 80 Kilometer südwestlich gelegene Ölstadt Brega den Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi zu entreißen. 

Sollten diese sich dort verschanzen, werden die schlecht ausgerüsteten und militärisch kaum organisierten Rebellen erneut die Unterstützung durch Luftangriffe der West-Koalition benötigen. In Adschdabija hatten sie sich fast eine Woche lang Gefechte mit den Regimetruppen geliefert, ohne diese mit ihren Panzern und Geschützen verdrängen zu können.

Die Wende trat in der Nacht zum Samstag ein. Flugzeuge der britisch-amerikanisch-französischen Koalition feuerten Dutzende Raketen auf Gaddafis Kriegsgerät ab. Die Soldaten des Diktators konnten dem nicht standhalten. Fernsehberichte der BBC und von Al-Dschasira zeigten am Samstag ausgebrannte Wracks getroffener Fahrzeuge - aber noch mehr unversehrte Panzer und Geschütze, die Gaddafis Truppen schlicht zurücklassen mussten.

Die Luftoffensive bei Adschdabija war die zweite Operation innerhalb des vom UN-Sicherheitsrat abgesegneten westlichen Militäreinsatzes in Libyen, der eine erkennbare strategische Wirkung zeigte. Am Samstag vor einer Woche, am ersten Tag dieses Einsatzes, verhinderten die Bombardements aus der Luft im letzten Moment, dass die Gaddafi-Truppen die Aufständischen-Hochburg Bengasi eroberten.

Militärisch sind die Karten am Boden äußerst ungleich verteilt. Die Regimegegner können nur leicht bewaffnete Freiwilligen-Verbände aufbieten, in denen Enthusiasmus und Freiheitsliebe die militärische Disziplin ersetzen müssen. „Sie tun ihr Bestes“, meinte die Sprecherin der Gegenregierung in Bengasi, Iman Bughaigi. „Es wird dauern, bis sie zu einer richtigen Armee werden.“ Auch die zu den Regimegegnern übergelaufenen regulären Soldaten ändern vorerst nichts daran.

Die regulären Streitkräfte seien von Gaddafi in den letzten Jahrzehnten sträflich vernachlässigt worden, sagt man in Bengasi. Nutznießer waren die Eliteeinheiten, die das Regime nun in die Schlacht wirft. Eine von ihnen wird von Gaddafis Sohn Chamies kommandiert. Dessen von libyschen Exil-Medien kolportierter Tod durch ein Attentat zu Beginn der Luftschläge wurde bislang nicht bestätigt.

Das Regime in Tripolis beschwert sich indes über die sich abzeichnende Veränderung des strategischen Gleichgewichts infolge der westlichen Intervention. „Die Luftschläge geben den Rebellen Deckung, um auf Adschdabija vorzumarschieren“, monierte Regierungssprecher Ibrahim Mussa auf einer Pressekonferenz in Tripolis. Dies habe nichts mehr mit dem Mandat der UN-Sicherheitsratsresolution 1973 zu tun, das sich lediglich auf den Schutz der Zivilbevölkerung erstrecke.

Doch der Umschwung bei Adschdabija befreite gerade auch die Zivilisten dieser 140.000-Einwohnerstadt von Leid und Terror. Der Al-Dschasira-Reporter James Bays war noch am Freitag vor Ort. Die Gaddafi-Truppen hatten da noch die Hauptzugänge zur Stadt kontrolliert. Nachts - so berichtete man ihm – fuhren Gaddafi-Milizionäre in Autos ohne Nummernschilder herum, um nach Regimegegnern zu suchen.

Die meisten Bewohner waren in die Wüste geflohen. Der Fernsehbericht zeigte, wie sie in Nomadenzelten auf ein Ende des Schreckens warteten. Dass sie nun wieder nach Hause können, verdanken sie den Kampfflugzeugen der Koalition.

Kommentare (4)

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Torsten

26.03.2011, 17:23 Uhr

Die Wahrheit ist doch wohl eher, dass die Bewohner vor den Bombern der NATO in die Wuester geflohen waren; am Boden sehen wir seit Wochen Aktionen, die, mangels manpower bei den Banden und bei den Gadaffi-Truppen (der haelt seine Verbaende in Tripolis), kaum auf Kompanie-Niveau gefuehrt werden; die einzigen, die jetzt blindlings dazwischenhauen, sind die NATO-Helden in ihren fliegenden Kisten.

wolf

26.03.2011, 17:30 Uhr

Er (Torsten) weiß nichts, hat wohl wieder an seiner Glaskugel gedreht und dann seine "Erkenntnisse" geschrieben.

Morchel

27.03.2011, 11:06 Uhr

Gaddafi ist festzunehmen und vor ein ordentliches gericht zu stellen und abzuurteilen.@ Torsten selten so was naives gelesen. nach deiner meinung hat das volk mit panzern und fliegern auf gaddafis schergen geschossen und die Franzosen/engländer/amerikaner sind die bösen mörder. die toten von berlin und lockerby sind vom libyschen volk hingerichtet worden.ach so öl hab ich vergessen. Vor gericht mit ihn und das Land den Libyschen Stämmen. der hat sich zu verantworten erst dort wenn dann noch vor den internationalen gerichtshof La bell, Lockerby. Nunist seine zeit zu ende und die möglichkeit ist verpasst mit erhobenen hauptes sich den anschuldigungen zu stellen. Ja liebe Deutsche wer hat euch den diktator genommen,und mit seinen leben bezahlt ? Da waren die DDR ler weit aus mutiger.

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