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22.08.2011

15:35 Uhr

Libyen

Merkel: Bundeswehr-Einsatz nicht spruchreif

Libyen steht nach 42 Jahren Gaddafi-Herrschaft vor einer Zeitenwende. Die Aufständischen kontrollieren nach eigenen Angaben weite Teile der Hauptstadt Tripolis. Verfolgen Sie die aktuellen Geschehnisse im Liveticker.

+++ TV: Rebellen erwarten Luftangriff auf Gaddafi-Residenz +++

Im Kampf um Tripolis erwarten die Aufständischen einen Nato-Luftangriff auf die in der Residenz von Muammar al-Gaddafi verschanzten Truppen des libyschen Regimes. Der arabische TV-Nachrichtensender Al Arabija berichtete am Montag unter Berufung auf Rebellenkreise weiter, nach Sonnenuntergang würden Kampfjets die Mauern der Anlage bombardieren. In der Residenz, um die es seit der Nacht zum Montag heftige Gefechte gab, halten nach früheren Angaben der Rebellen mehrere hundert afrikanische Söldner die Stellung. Ein Überläufer soll zudem berichtet haben, dass sich auch der Gaddafi-Sohn Mutassim Billah al-Gaddafi noch dort aufhalte.

+++ 19:05 Merkel: Libyen-Einsatz der Bundeswehr nicht spruchreif +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht keinen Anlass für rasche Entscheidungen über einen möglichen Bundeswehreinsatz in Libyen. Ein solcher Einsatz sei „überhaupt nicht spruchreif“, sagte Merkel am Montag nach einer Unterredung mit der kroatischen Ministerpräsidentin Jadranka Kosor in Zagreb. Alles, was in Richtung einer Absicherung einer möglichen Übergangsregierung gehe, müsse zunächst innerhalb der internationalen Gemeinschaft besprochen werden. Merkel betonte: „Heute ist der Tag, an dem wir sehen, dass dem ehemaligen Machthaber Gaddafi die Macht zusehends entgleitet.“

+++ 18:40 Chefankläger hält Gaddafi-Verfahren in Libyen für möglich +++

Der Chefankläger beim Internationalen Strafgerichtshof hält ein Verfahren gegen Muammar al-Gaddafi in Libyen noch vor einem Prozess in Den Haag für möglich. „Verbrechen in Libyen wurden vor allem an Libyern begangen“, erklärte Staatsanwalt Luis Moreno-Ocampo am Montag nach Gesprächen mit Vertretern des libyschen Übergangsrates. Das sogenannte Weltstrafgericht hatte am 27. Juni auf Antrag Moreno-Ocampos internationale Haftbefehle ausgestellt gegen Gaddafi, seinen Sohn und De-Facto-Premierminister Saif al-Islam sowie gegen den Geheimdienstchef und Gaddafi-Schwager Abdullah Senussi.

+++ 18:25 UN-Gesandter sprach mit Konfliktparteien +++

Der UN-Sondergesandte für Libyen, Abdul Ilah al-Chatib, hat in Tunis ein Gespräch mit Vertretern der Aufständischen und des Regimes von Muammar al-Gaddafi geführt. Er betonte danach am Montag, dass es sich nicht um Verhandlungen gehandelt habe. Die Vereinten Nationen (UN) suchten weiter nach einer politischen Lösung für den Konflikt in Libyen. Einen Vorschlag für eine friedliche Lösung lehnten Vertreter der Rebellen bei dem Treffen ab. Offenbar fand es im Haus eines in Tunesien ansässigen libyschen Geschäftsmannes statt.

+++ 18:20 Ägypten erkennt libyschen Übergangsrat an +++

Ägypten hat den Nationalen Übergangsrat als offizielle Vertretung des libyschen Volkes anerkannt. Der ägyptische Außenminister Mohammed Amr gab die Entscheidung am Montag bei einer Pressekonferenz in Kairo bekannt, einen Tag nach dem Einmarsch der Rebellen in der libysche Hauptstadt Tripolis. Hunderte Ägypter und libysche Exilanten feierten den Vormarsch der Rebellen vor der libyschen Botschaft in Kairo.

+++ 18:00 Pentagon-Sprecher: Gaddafi wohl noch in Libyen +++

Libyens gestürzter Machthaber Muammar al-Gaddafi hält sich nach Meinung der USA weiterhin in dem Land auf. „Wir haben keine Informationen darüber, dass er das Land verlassen hat“, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, David Lapan, am Montag vor Reportern in Washington, wie der Nachrichtensender CNN berichtete.

+++ 17:30 Steinmeier: Keine Soldaten nach Libyen +++

Die SPD schließt eine Beteiligung der Bundeswehr am Wiederaufbau in Libyen aus. „Soldaten sind jetzt nicht gefragt“, sagte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier am Montag in Berlin. Deutschland könne aber aktiv werden, um bei einer demokratischen Zukunft für das Land zu helfen. „Gaddafis Zeit ist endgültig abgelaufen“, sagte der frühere Außenminister. Es sei zu hoffen, dass das libysche Volk nach dem vielen Blutvergießen jetzt zur Ruhe komme. Steinmeier begrüßte, dass der Rat der libyschen Opposition darauf verzichtet habe, Rache gegen die bisherigen Machthaber zu verüben.

+++ 17:22 Berlusconi will Rebellenführung treffen +++

Italiens Premierminister Silvio Berlusconi will Berichten zufolge in den nächsten Tagen die Rebellenführung treffen. Berlusconi, der über viele Jahre eine enge, teilweise auch kontroverse Beziehung zu Gaddafi pflegte, forderte den libyschen Diktator auf den Widerstand aufzugeben und "sein Volk vor weiterem Leiden zu beschützen". Auch der türkische Außenminister will mit den Rebellen sprechen und nach Reuters-Angaben bereits morgen nach Bengasi fliegen.

+++ 17:18 Können Gaddafis Truppen wieder Boden gutmachen? +++

Ein BBC-Reporter berichtet, dass Gaddafi-Truppen anscheinend Gebiete im Westen der Stadt zurückerobert hätten, die zuvor bereits in Rebellenhand waren.

+++ 17:05 Gaddafi verliert Anhänger +++

Gaddafis Regierungssprecher Moussa Ibrahim hat Tripolis ebenfalls verlassen, twittert Guardian-Reporter Martin Chulov. Der Sender al Arabija berichtet, dass die Rebellen einen dritten Gaddafi-Sohn - Saadi, einen Ex-Profifußballer - gefangen hätten. Am Morgen hatte bereits die Leibgarde des 69-jährigen Ex-Diktators aufgegeben und laut Berichten von al Arabija auch Scharfschützen und Botschaftsmitarbeiter. Zudem hielten sich Gerüchte, wonach sich der Premierminister nach Djerba abgesetzt habe.

+++ 16:56 USA bereiten humanitäre Hilfe vor +++

Nach Informationen der „New York Times“ bereiten sich die USA vor, mehr medizinische Vorräte und andere humanitäre Hilfe nach Libyen zu bringen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rechnet mit einem chaotischen Übergang. Sie forderte die Nato auf, Racheakte, Plünderungen und andere Gewalt zu verhindern, wie sie nach dem Fall des irakischen Diktators Saddam Hussein auftrat.

+++ 16:48 Karlsruhe ermittelt gegen Gaddafi +++

Die Karlsruher Bundesanwaltschaft ermittelt gegen das Gaddafi-Regime. Gegenstand der Prüfung seien „mehrere Strafanzeigen, die uns vorliegen“, sagte Behördensprecher Staatsanwalt Marcus Köhler den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Dienstagausgabe). Die Bundesanwälte ermittelten „mit dem Ziel, hier
in Deutschland mögliche Beweise für den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu sichern“.

+++ 16:33 Rebellen melden Befreiung von 900 Gefangenen +++

Rebellenkämpfer haben nach Angaben regimekritischer Medien etwa 900 Häftlinge aus dem Gefängnis Ain Zara bei Tripolis befreit. Die meisten von ihnen seien politische Gefangene, berichteten die Medien weiter. In der westlibyschen Stadt Sawara gebe es unterdessen Kämpfe. Die Lage sei sehr brenzlig. Gaddafi-Truppen attackierten die Stadt aus drei Richtungen. Zuvor hatte der Sender Al Arabiya von heftigen Kämpfen nahe der tunesischen Grenze berichtet. Wie der TV-Sender twitterte, sei es in Sidi Khalifa im Zentrum Tripolis zu Zusammenstößen zwischen Rebellen und Truppen unter Führung eines Gaddafi-Sohnes gekommen.

+++ 16:11 Europäische Firmen hoffen auf baldige Rückkehr nach Libyen +++

Die BASF-Tochter Wintershall sieht sich in der Lage, ihre im Februar heruntergefahrene Ölproduktion innerhalb weniger Wochen wieder aufzunehmen. Auch die Aktien anderer Ölkonzerne gab die Aussicht auf einen Regimewechsel am Montag Auftrieb. Papiere der österreichischen OMV , der italienischen Eni und der französischen Total legten an der Börse zwischen drei und sieben Prozent zu. BASF-Aktien gewannen 0,2 Prozent. Im Jahr zuvor hatte die Ölförderung in Libyen immerhin im Quartal 280 Millionen Euro Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen beigesteuert.

+++ 16:00 Niger: Gaddafi-Getreue könnten nach Süden fliehen +++

Der afrikanische Staat Niger hat nach Reuters-Informationen begonnen, seine Grenze zu Libyen mit Flugzeugen zu überwachen. Letzte Woche seien fast 60 Fahrzeuge und ein Helikopter aus Libyen geschmuggelt worden.

+++ 15:32 Premierminister doch nicht auf Djerba? +++

Der libysche Premierminister Al Baghdadi Ali al-Mahmudi befindet sich nach Angaben des Managements doch nicht im Park Hotel auf der tunesischen Insel Djerba. Dies hatten der Sender Al Jazeera und die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Die BBC zitiert nun aber die staatliche tunesische Agentur TAP, die von "unbegründeten Vermutungen" schreibt.

+++ 15:21 Nato flog am Wochenende 126 Einsätze +++

Schützenhilfe für die Rebellen: 126 Einsätze haben Nato-Kampfjets am Wochenende in Libyen geflogen, davon 46 als Gefechtsmissionen. Das teilt die Nachrichtenagentur AFP mit. Seit März flogen Nato-Flugzeuge insgesamt fast 20.000 Einsätze.

+++ 15:14 Nordseeöl-Preis sinkt wieder +++

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Erdöl der Nordseesorte Brent sank am Montag in London um 2,46 Dollar auf 106,16 Dollar. Das Öl aus Libyen ähnelt in der Zusammensetzung dem des Öls aus der Nordsee. Der Preis für die in New York gehandelte Sorte Light Sweet Crude dagegen stieg am Montag leicht um 46 Cent auf 82,72 Dollar pro Barrel - er ist eher abhängig von den US-Märkten.

+++ 15:00 Rebellenführer will Gaddafi lebend festsetzen +++

Besorgnis über Racheakte "außerhalb des Gesetzes" hat der Sprecher der Übergangsregierung Mustafa Abdul Jalil bei einer Pressekonferenz in der Rebellenhochburg Bengasi geäußert. Er respektiere die Führer der verschiedenen Rebellengruppen, manche ihrer Anhänger bereiteten ihm aber Sorgen. Exekutionen außerhalb des Gesetzes würden keinesfalls geduldet. Gaddafi solle lebend gefangen werden und ein faires Verfahren bekommen, sein derzeitiger Aufenthaltsort sei unbekannt - noch nicht einmal ob er noch in Libyen sei. Gaddafis gefangene Söhne Mohammed und Saif al-Islam seien an sicheren Orten unter Kontrolle der Rebellen.

+++ 14:52 Rebellen übernehmen Staats-TV +++

Libysche Rebellenkämpfer haben das Gebäude des Staatsfernsehens in der Hauptstadt Tripolis eingenommen. Der ganze Gebäudekomplex sei in den Händen der Aufständischen, berichteten Mitarbeiter des Senders der Nachrichtenagentur dpa. Der Sender strahlte sein Programm nach einer kurzen Unterbrechung aus einem Studio in Gaddafis Heimatstadt Sirte aus, inzwischen wird gar nicht mehr gesendet.

+++ 14:45 Arabische Liga steht hinter Rebellen +++

Der Chef der Arabischen Liga erklärt seine „vollständige Solidarität“ mit dem Nationalen Übergangsrat der Rebellen.

+++ 14:30 Frankreich lädt Rebellen ein und fordert Roadmap +++

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat den Vorsitzenden der libyschen Übergangsregierung der Aufständischen, Mahmud Dschibril, für Mittwoch nach Paris eingeladen. Außenminister Alain Juppé hatte zuvor ein Treffen der mehr als 30 Staaten umfassenden Libyen-Kontaktgruppe in Paris in der kommenden Woche angekündigt. Dort soll eine Roadmap ausgearbeitet werden.

+++ 14:20 Deutsche Wirtschaft will beim Wiederaufbau helfen +++

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft haben sich für stärkere Investitionen in Libyen ausgesprochen. Dem Verein zufolge sind etwa 100 deutsche Firmen in Libyen aktiv, darunter Siemens, Wintershall und REW Dea. 2010 fanden Waren im Wert von
3,1 Milliarden Euro den Weg von Libyen nach Deutschland - das überstieg den Wert der deutschen Exporte nach Libyen.

+++ 14:00 Vollständige Erholung der Ölindustrie dauert mindestens zwei Jahre +++

Einer Reuters-Umfrage unter 20 Ölindustrie-Vertretern und Analysten vom vergangenen Monat zufolge wird es bis zu ein Jahr dauern, um die libysche Produktion auf eine Million Barrel täglich hochzufahren. Die Wiederherstellung der Vor-Bürgerkriegskapazität von 1,6 Millionen Barrel könne voraussichtlich erst nach zwei Jahren erreicht werden. Für David Wench, Chef-Analyst der Beratungsfirma JBC Energy, könnte der vollständige Wiederaufbau wegen notwendiger Investitionen in die Infrastruktur sogar bis zu vier Jahre dauern.

+++ 13:53 Premierminister nach Djerba geflohen +++

Libyens Premierminister Al Baghdadi Ali al-Mahmudi befindet sich nach einem Bericht des Fernsehsenders Al-Dschasira auf der tunesischen Insel Djerba.

+++ 13:50 Öl-Branche will in wenigen Monaten wieder loslegen +++

Nachdem die libyschen Öl-Anlagen, in denen einst täglich 1,6 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl gefördert wurden, durch Kämpfe und Anschläge stark zerstört sind, gehen Vertreter der Ölindustrie optimistisch von "wenigen Monaten" aus, bis die Produktion wieder anläuft. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sprecher des staatlichen Ölkonzerns Agoco rechnet gar für zwei von den Rebellen kontrollierte Ölfelder mit nur drei Wochen. Derzeit werden im Land weniger als 100.000 Barrel täglich gefördert. Aber selbst bei einem schnellen Abgang Gaddafis befürchten Analysten, Ölkonzerne und westliche Regierungen eine Fortsetzung der politischen Instabilität. Neue Spannungen oder Kämpfe könnten den Wiederaufbau und damit auch die Öl-Exporte gefährden. Nach Reuters-Informationen wird bisher noch ein Großteil der Öl-Reserven von Gaddafi-treuen Truppen kontrolliert.

+++ 13:30 Rückkehr ausländischer Firmen könnte Monate dauern +++

Bis die Ölförderung in Libyen tatsächlich wieder anläuft, dürften nach Einschätzung der Nachrichtenagentur Reuters mehrere Monate vergehen. Die Aktien von Eni, OMV und Total hatten am Vormittag zwischen drei und fünf Prozent zugelegt; zu einem möglichen Wiederanlaufen der Produktion in dem Land, das vor den Kämpfen mit zwei Prozent einen überschaubaren Anteil an der weltweiten Ölproduktion hatte, wollte sich keiner der Konzerne äußern. Ob sie nach einem Ende des Bürgerkriegs wieder in das nordafrikanische Land zurückkehren, ließen auch internationale Baukonzerne wie Strabag oder der Tiefbaukonzern Bauer offen. Strabag hatte nach dem Beginn der Unruhen alle Baustellen in Libyen eingestellt, wodurch Projekte im Wert von rund 350 Millionen Euro wegfielen.

+++ 13:07 Ölpreis könnte bis auf 100 Dollar fallen +++

Am Mittag wurde ein Barrel der Nordseesorte Brent zu 107,44 US-Dollar je Barrel gehandelt, 1,18 Dollar niedriger als am Freitag. Damit erholte sich der Kurs im Vergleich zu einem Minus von über drei Dollar zu Handelsbeginn zwar wieder, Analsten der Commerzbank rechnen aber mit einer deutlichen Verbilligung wegen des Umsturzes in Libyen: „In den kommenden Tagen könnte der Preis weiter in Richtung 100 Dollar je Barrel fallen“, hieß es in einem Marktkommentar. Der deutsche Konzern RWE, der in Libyen Öl und Gas fördern will, prüft derzeit noch, wann die rund 100 Mitarbeiter in das Land zurückkehren und ihre Arbeit wieder aufnehmen können.

+++ 13:00 Chávez steht weiter zu Gaddafi +++

Venezuelas Präsident Hugo Chávez unterstützt weiterhin Muammar al-Gaddafi im Kampf gegen die Aufständischen. Die westlichen Regierungen würden „ohne Rechenschaft“ ein Massaker in Libyen anrichten und Häuser, Schulen oder Krankenhäuser zerstören, sagte Chávez. „Sie sagen, sie werfen Bomben ab, um Zivilisten zu retten.“ Das sei aber nur eine Entschuldigung, um sich einzumischen, sagt der jüngst wegen einer Krebserkrankung operierte Chávez bei einem Gottesdienst am Sonntag.

+++ 12:55 Aufbauhilfe ja, Entwicklungshilfe nein +++

Die Menschen in Libyen könnten beim Wiederaufbau „auf die Unterstützung Deutschlands zählen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Mit deutscher Entwicklungshilfe können sie laut Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nach einem Machtwechsel aber nicht rechnen: „Dafür ist das Land zu reich.“ Er werde allerdings bis zu sieben Millionen Euro für Nothilfe zur Verfügung stellen, vor allem für die Energie- und Wasserversorgung. Zuvor hatte Außenminister Westerwelle einen Kredit von 100 Millionen Euro an den nationalen Übergangsrat in Libyen bekräftigt. Als Sicherheit dienten eingefrorene Gelder, allein in Deutschland rund 7,3 Milliarden Euro, die der neuen Regierung so rasch wie möglich zu Verfügung gestellt werden sollen.

+++ 12:40 Hacker-Botschaft: „Bye Bye Gaddafi“ +++

Die Internetseite der Registrierungsbehörde für libysche Webadressen (.ly) wurde nach Angaben der Computersicherheitsfirma Sophos gehackt. Auf der Seite ist eine Flagge der Rebellen und die Botschaft „Bye Bye Gaddafi“ zu sehen.

+++ 12:36 Westerwelle schließt Bundeswehr-Einsatz nicht aus +++

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) schließt den Einsatz von deutschen Soldaten in Libyen nach dem Sturz Gaddafis nicht aus. Westerwelle verwies am
Montag in Berlin darauf, dass von den Vereinten Nationen zum Beispiel der Wunsch nach Absicherung von humanitärer Hilfe kommen könnte. Dafür sei es derzeit aber noch „zu früh“. Zudem bekräftigte Westerwelle seine Forderung nach einer Verhaftung Gaddafis.

Westerwelle: Gaddafi soll vor Gericht

Video: Westerwelle: Gaddafi soll vor Gericht

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+++ 12:30 EU sagt libyscher Opposition Hilfe zu +++

Die Europäische Union hat den Rebellen in Libyen Hilfe beim Aufbau eines demokratischen Staates versprochen. Die EU werde das Land beim Übergang zur Demokratie und beim wirtschaftlichen Wiederaufbau unterstützen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Zuvor hatte der britische Premierminister David Cameron konkrete Hilfe unter anderem bei der medizinischen und
technischen Versorgung und dem Wiederaufbau angekündigt. Auch werde es juristische und finanzielle Unterstützung für eine neue, demokratische Regierung geben.

+++ 12:22 Rebellen bekommen Verstärkung +++

Aus ihrer östlich gelegenen Hochburg Misrata seien mehr als 1000 Bewaffnete nach Tripolis vorgestoßen, meldeten die Aufständischen. In der heftig umkämpften Residenz von Gaddafi haben sich nach Rebellenangaben mehrere hundert afrikanische Söldner verschanzt. Eine starke Präsenz von Gaddafi-Truppen gebe es auch um das Hotel Rixos, wo sich viele internationale Journalisten befinden.

+++ 12:18 Kämpfe um Staats-TV und Mobilfunk +++

Derzeit wird um das Gebäude des Staatsfernsehens gekämpft, meldeten die Aufständischen nach Angaben von dpa auf ihren Internetseiten. Der Mobilfunkanbieter
Libyana sei bereits von Rebellen besetzt. Einwohner berichteten, das Internet in der Hauptstadt funktioniere wieder. Auch gebe es Wasser und Strom.

+++ 12:13 „Überall wird geschossen“ +++

„Die Lage ist nicht stabil“, sagt ein Vertreter der Rebellen der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefonat.
„Überall wird geschossen.“ Gaddafi-Einheiten hätten Panzer im Bereich des Hafens von Tripolis und des Militärkomplexes des
Machthabers in Stellung gebracht. Das Hauptproblem seien Scharfschützen.

+++ 12:10 Energie-Aktien gewinnen +++

Um 2,39 Prozent legte der Energiewerte-Index Stoxx 600 Oil + Gas am Vormittag zu. An der Spitze lag der italienische Konzern Eni, dessen Kurs unter dem Förderstopp besonders gelitten hatte, mit einem Zuwachs von 5,21 Prozent. Total-Aktien kletterten um 3,56 Prozent, Royal Dutch Shell gewann in London 2,44 Prozent, Eon in Frankfurt immerhin 2,3 Prozent, während RWE nahezu unverändert notierte.

+++ 12:07 Rebellen melden große Verluste +++

Die Rebellen haben nach eigenen Angaben große Verluste bei Kämpfen mit Gaddafi-treuen Truppen in Tripolis erlitten. Zahlreiche Aufständische seien getötet worden, sagt ein Vertreter der Rebellen.

+++ 12:05 Gaddafi-Sohn räumt Fehler ein +++

Heftiger Gefechtslärm war im Hintergrund eines Telefoninterviews mit dem Gaddafi-Sohn Mohammed zu hören, das der TV-Sender El Dschasira am späten Montagvormittag ausstrahlte. Anschließend sprach Mohammed mit panischer Stimme, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Er versicherte aber zugleich, die Aufständischen hätten sein haus umstellt und garantierten für seine Sicherheit. In dem Gespräch versicherte Mohammed, nicht Teil des Systems zu sein und räumte Fehler der Regierung ein.

+++ 11:55 Gaddafi-Sohn soll Truppen anführen +++

Gaddafis Sohn Chamis führt angeblich eine Truppeneinheit ins Zentrum von Tripolis. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Medienbericht. Die Truppen hätten Gaddafis Militärkomplex verlassen, will der Fernsehsender Al-Arabija aus Rebellenkreisen erfahren haben. Die
Rebellen hatten Chamis allerdings bereits am 20. März nach einem Angriff auf die Gaddafi-Residenz in Bab al-Asisija in Tripolis für tot erklärt, dann noch einmal nach einem Luftschlag Anfang August.

+++ 11:50 Rebellen nehmen Gaddafi-Leibwächter gefangen +++

Die Aufständischen in Libyen haben nach eigenen Angaben einen ranghohen Leibwächter Gaddafis gefangen. Saad Masud habe versucht, sich mit einer größeren Summe Geldes auf dem Seeweg aus der umkämpften Hauptstadt Tripolis abzusetzen, berichteten
sie auf einer arabischen Internetseite. Ein ranghoher Offizier der Gaddafi-Truppen, Milad al-Waser, sei zudem bei einem Schusswechsel in seiner Villa erschossen worden.

+++ 11:48 Die Gaddafis sollen vor Gericht +++

Luis Moreno-Ocampo, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, will Kontakt zu den Rebellen aufnahmen, die den Gaddafi Sohn Saif al-Islam ausliefern sollen. Zuvor hatte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) gefordert, Gaddafi vor Gericht zu stellen. Ein Diktator, der einen Krieg gegen das Volk
geführt habe, müsse sich juristisch verantworten.

EU und Nato fordern Gaddafis Abtritt

Video: EU und Nato fordern Gaddafis Abtritt

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+++ 11:40 Realitätsverlust im Staats-TV +++

Nach Angaben der BBC sendet der staatliche Fernsehsender Al-Jamahiriyah TV derzeit ein Programm über Herzkrankheiten, von den Rebellenkämpfen sei dort nicht die Rede. Am Sonntag hatte das libysche Staatsfernsehen bereits durch eine Nachrichtensprecherin für Furore gesorgt, die mit einer Schusswaffe in der Hand eine Verteidigungsrede auf Gaddafi hielt.

+++ 11:34 Gaddafi angeblich noch in Residenz +++

Der Machthaber soll sich weiterhin in seiner Residenz Bab el Asisija aufhalten, berichtet die Nachrichtenagentur AFP, die sich auf Diplomatenkreise beruft.

+++ 11:20 Nato setzt Patrouillenflüge fort +++

Die Nato setzt ihre Patrouillenflüge über Libyen fort, bis sich alle Truppen von Muammar al Gaddafi ergeben oder in ihre Kasernen zurückgezogen haben. Das vermeldet die Nachrichtenagentur dapd aus Bündniskreisen in Brüssel. Ob die Nato auch weitere Ziele, etwa im Stadtzentrum bombardiere blieb offen.

+++ 11:12 Kurse von Energieunternehmen steigen kräftig +++

Energiewerte und Versorgeraktien profitierten kräftig von der Hoffnung auf ein Ende des Lieferengpasses bei libyschem Rohöl. Die Aktien des italienischen Mineraölkonzerns Eni stiegen um 5,5 Prozent. Titel des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, der rund ein Zehntel seiner Gesamtproduktion aus Libyen bezieht, legten um knapp vier Prozent zu. Wann die Produktion wieder anlaufe ließ ein OMV-Sprecher offen. Bilaterale Gespräche mit dem Übergangsrat fänden derzeit nicht statt.

+++ 11:00 Hoffnung auf baldige Exporte - Ölpreis sinkt um drei Dollar +++

Die Nordseesorte Brent fiel zeitweise in die Nähe von 105 Dollar pro Barrel (159 Liter), rund drei Dollar weniger als am Freitag. Libyen war vor Beginn der Kämpfe einer der wichtigsten Erdölproduzenten der Welt und der fünftwichtigste Lieferant von Rohöl für Deutschland. Das Land hat mit 5,7 Milliarden Tonnen die größten Reserven in Afrika.

Liveticker

Der Liveticker aus der Handelsblatt-Redaktion

+++ 10:56 Übergangsregierung will nach Tripolis ziehen +++

Ein Vertreter der libyschen Botschaft in London kündigt an, dass die Rebellenregierung von Bengasi nach Tripolis umziehen werde.

+++ 10:51 Unions-Fraktion begrüßt Entwicklung in Libyen +++

Die CDU/CSU im Bundestag bewertet den sich andeutenden Machtwechsel in Libyen positiv. Seine Fraktion begrüße die Fortschritte in dem nordafrikanischen Land, sagte der außenpolitische Sprecher Philipp Mißfelder am Montag in Berlin. Es sei im Nachhinein richtig gewesen, sich am Blutvergießen am Boden nicht zu beteiligen.

+++ 10:43 „Tag der Entscheidung“ +++

Die Aufständischen haben nach eigenen Angaben nun bereits 95 Prozent der Hauptstadt erobert. „Heute ist der Tag der Entscheidung“, sagte der Militärsprecher der Aufständischen, Ahmed al-Bani der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefoninterview. Die Niederlage der Truppen von Muammar al-Gaddafi sei unabwendbar.

+++ 10:30 China steht zu den Rebellen +++

China respektiere die Entscheidung der libyschen Bevölkerung und sei bereit beim Wiederaufbau des Landes mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, sagte der chinesische Außenminister der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Höhe der chinesischen Investitionen in Libyen vor Beginn des Konflikts werden auf bis zu 18 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) geschätzt. China hatte zu Gaddafi seit 1969 gute Beziehungen unterhalten.

+++ 10:25 Italien: Rebellen kontrollieren fast ganz Tripolis +++

Die Rebellen haben nach Einschätzung Italiens fast ganz Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht. Die Regierungstruppen hätten nicht mehr als zehn bis 15 Prozent der Hauptstadt noch unter ihrer Kontrolle, sagte der italienische Außenminister Franco Frattini.

+++ 10:23 „Schwere Schüsse und Detonationen“ +++

Rebellen liefern sich heftige Gefechte mit Gaddafi-Getreuen vor dessen Residenz. Wo sich Gaddafi selbst aufhält ist unbekannt. Ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur dpa berichtet von "schweren Schüssen und Detonationen".

Rebellen: Haben Tripolis erobert

Video: Rebellen: Haben Tripolis erobert

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+++ 09:54 Südafrika: kein Asyl für Gaddafi +++

Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane sagt, Gaddafi werde nicht in ihr Land kommen, um dort Asyl zu beantragen. Auch habe Südafrika kein Flugzeug nach Libyen geschickt, um Gaddafi einen Rückzug zu ermöglichen. Sie wisse nicht, wo Gaddafi sich aufhalte. Südafrikas Präsident Jacob Zuma hatte in den vergangenen Monaten die Nato-Angriffe in Libyen scharf kritisiert und eine „afrikanische Lösung“ gefordert.

+++ 09:27 EU verlangt Gaddafi-Rücktritt +++

Die Europäische Union fordert Gaddafi zum sofortigen Rücktritt auf, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. „Wir scheinen Zeuge der letzten Stunden des Gaddafi-Regimes zu werden“, sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Caroline Ashton.

+++ 07:56 Panzer verlassen Gaddafi-Anwesen +++

Nach einem Bericht des Senders Al-Dschasira verlassen Panzer das Anwesen Gaddafis in Tripolis und nehmen einen Teil der Hauptstadt unter Beschuss.

+++ 07:29 Rebellen kontrollieren Großteil der Stadt +++

Die Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi kämpfen nach Angaben der Rebellen noch immer in Tripolis. Sie kontrollierten 15 bis 20 Prozent der Stadt, sagt ein Sprecher im Sender Al-Dschasira.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.08.2011, 13:34 Uhr

Es freut mich sehr, dass der Bundesaußenminister sich freiwillig zum Einsatz in Libyen an der Spitze der Bundeswehr gemeldet hat, was für ein schwachsinniger Ausspruch dieses Herrn.

Er wird in der Tarnuniform der Bundeswehr, bestimmt eine gute sexy-Figur abgeben.
Danke

Jens

22.08.2011, 18:34 Uhr

Westerwelle sagte am 14.03 : «Wir verstehen diejenigen, die sich aus ehrenwerten Motiven für ein internationales militärisches Eingreifen in Libyen ausgesprochen haben.» In Abwägung aller Argumente sei die Bundesregierung aber zu dem Ergebnis gekommen, dass die Risiken und Gefahren eines militärischen Eingreifens zu groß seien.

Jetzt, wo fast alles vorbei ist, klopft er große Sprüche, und die glorreiche deutsche Wirtschaft wittert das große Geschäft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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