Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.03.2011

23:10 Uhr

Libyen

Mit aller Macht gegen den Tyrannen

Die Militäraktion gegen das Regime von Gaddafi hat begonnen. Kampfjets fliegen Angriffe gegen die libysche Armee, die USA feuerten Raketen ab. Venezuelas Staatschef Chávez verurteilte das Vorgehen der USA und ihrer Partner.

Eine französische Dassault Rafale startet Richtung Bengasi. Quelle: Reuters

Eine französische Dassault Rafale startet Richtung Bengasi.

Bengasi, Kairo, ParisDer internationale Militäreinsatz hat mit Luft- und Raketenangriffen gegen Libyen begonnen.

Die USA und Großbritannien starteten am Samstag von Kriegsschiffen und U-Booten aus Raketenangriffe auf militärische Ziele des Regimes von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Zudem griffen französische und britische Kampfjets in die Militäraktion ein. Beschossen wurden vor allem Ziele in Küstennähe.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden 110 Raketen vom Typ Tomahawk abgefeuert. Rund 20 militärische Anlagen seien ins Visier genommen worden. Französische Kampfflugzeuge beschossen ein Fahrzeug der libyschen Armee, wie der Generalstab in Paris mitteilte. Nach Informationen des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira trafen die Maschinen auch vier Panzer der Gaddafi-Truppen bei Bengasi, einer Hochburg der Aufständischen. Auch britische Kampfflugzeuge befanden sich über Libyen.

US-Präsident Barack Obama gab den Einsatzbefehl an die US-Streitkräfte für eine „begrenzte Militäroperation in Libyen“. „Diese Aktion hat jetzt begonnen“, sagte Obama am Samstag bei seinem Besuch in Brasilien. „Wir werden keine, ich wiederhole, keine US-Truppen am Boden einsetzen.“

Ein Sprecher der libyschen Regierung sprach von einem barbarischen Akt. Der Geist der Gaddafi-Anhänger werde dadurch aber nicht geschwächt, sagte er in einer vom britischen Sender BBC übertragenen Pressekonferenz in Tripolis. Der Sprecher wiederholte seine Forderung, dass internationale Beobachter nach Libyen kommen sollten.

Am Vortag war bei einer entsprechenden Einladung auch ausdrücklich Deutschland ins Spiel gebracht worden. Über das Ergebnis des Raketenbeschusses konnte das Pentagon noch keine Auskunft geben, weil die Angriffe in der Nacht stattfanden. Mit dem Beschuss sollten weitere Angriffe auf Zivilisten und Oppositionsgruppen bei Bengasi verhindert werden, hieß es. Zudem sollte das Gaddafi-Regime behindert werden, sich gegen die Einrichtung einer Flugverbotszone zu wehren. Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte die Militäraktion „notwendig, legal und richtig“.

Zuvor war bekannt geworden, dass die britischen Streitkräfte sowohl Tornado-Bomber wie auch Eurofighter sowie Aufklärungs- und Tankflugzeuge nach Libyen schicken wollten. Cameron begründete den Militäreinsatz damit, dass Gaddafi statt des angekündigten Waffenstillstands die Brutalität gegen sein Volk noch erhöht habe. In einer Vorstadt von Tripolis versammelten sich nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira mehrere Hundert Gaddafi-Anhänger, um die Residenz des Machthabers gegen Angriffe französischer Militärjets zu schützen.

Gaddafi lebt in einem Zelt in der Militärgarnison der Vorstadt in Bab al-Asisija. Vor dem Einsatz hatte die libysche Führung Berichte über Angriffe ihrer Truppen auf die Aufständischen-Hochburg Bengasi dementiert. Außenminister Mussa Kussa sagte vor der Presse in Tripolis: „Wir halten uns vollständig an die von uns verkündete einseitige Waffenruhe und das Ende aller Militäroperationen.“ Die Angriffe auf die „bewaffneten Banden im Osten des Landes“ seien eingestellt worden. Damit habe Libyen die UN-Resolution 1973 erfüllt, fügte er hinzu.

Venezuelas linker Staatschef Hugo Chávez hat die Militäroperation der Alliierten in Libyen massiv kritisiert und eine sofortige Waffenruhe gefordert. Die USA und ihre Verbündeten seien nicht am Leben der Menschen in Libyen interessiert, sondern an den Ölvorkommen des Landes, sagte Chávez am Samstag in einer vom Fernsehen übertragenen Rede. „Es ist bedauerlich, mehr Tod und mehr Krieg, sie (die USA) sind die Herren des Krieges. (...) Was für eine Unverantwortlichkeit.“ Die USA wollten auch das Öl Venezuelas, aber Venezuela sei frei und werde nie mehr „Yankee-Kolonie“ sein. Chávez, einer der stärksten US-Kritiker und ein Verbündeter von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi sieht durch die Luftangriffe das internationale Recht „pulverisiert“. „Jetzt werden wir sehen, was passiert, aber wir wissen schon, was passiert: Bombe, Bombe, Krieg, mehr Leid fürs Volk, mehr Tote und mehr Desaster.“

Kommentare (26)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

remm

19.03.2011, 16:29 Uhr

Das Bild zeigt aber ein F-18 Hornet der Navy!

MikeM

19.03.2011, 16:32 Uhr

Ich hoffe, dass dieser Angriff der Nato in einem Fiasko endet, wie bisher alle Einsätze der letzten Jahrzehnte! Gut, dass D da nicht mitmacht!

Account gelöscht!

19.03.2011, 16:50 Uhr

Diese Intervention ist ein Fehler. Nur weil Frankreich Angst um seine Öl-Lieferungen hat brechen sie diesen Krieg vom Zaun. Ich hoffe, sie tragen später auch die Kosten des Wiederaufbaus und wälzen das ganze mal nicht auf Deutschland ab.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×