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30.07.2011

09:38 Uhr

Libyen

Nato bombardiert TV-Satellitenanlagen in Tripolis

Die Nato hat drei TV-Satellitenanlagen in Tripolis zerstört. Damit solle die Propaganda von Machthaber Gaddafi geschwächt werden. Unterdessen sind die Umstände zum Tod des Militärchefs der Rebellen offenbar geklärt.

Nach einem Nato-Luftschlag steigt Rauch über Tripolis auf. Quelle: dpa

Nach einem Nato-Luftschlag steigt Rauch über Tripolis auf.

Brüssel, BenghasiDie Nato hat nach eigenen Angaben einen Luftangriff auf die Propagandamaschinerie des libyschen Machthabers Muammar el Gaddafi geflogen. Der Angriff mit Präzisionsmunition habe sich gegen drei Fernsehübertragungsstationen in der libyschen Hauptstadt Tripolis gerichtet, teilte Nato-Sprecher Roland Lavoie am Samstag in Brüssel mit. Das Bündnis habe damit die Absicht verfolgt, „Gaddafis Nutzung von Satellitenfernsehen als Mittel zur Einschüchterung des libyschen Volkes und zur Anstachelung zur Gewalt gegen sie zu schwächen“. Derzeit werde das Ausmaß der Schäden an den Übertragungsanlagen geprüft.

„Unser Eingreifen war notwendig, da Fernsehen als integraler Bestandteil des Regimeapparats zur systematischen Unterdrückung und Bedrohung von Zivilisten (...) genutzt wurde“, hieß es in der Erklärung des Nato-Sprechers. Gaddafis „zunehmende Praxis aufrührerischer Sendungen“ zeige, dass er „Hass säen“ und „Blutvergießen auslösen“ wolle. „Im Lichte unseres Mandates, das Leben von Zivilisten zu schützen, mussten wir handeln“, erklärte Lavoie.

In der Nacht zum Samstag wurde Tripolis von etwa einem Dutzend Explosionen erschüttert, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der Fernsehsender El Dschmahirija berichtete später, das Hauptquartier des libyschen Staatsfernsehens sei angegriffen worden.

Die Nato hatte ihren Einsatz in Libyen vor rund vier Monaten begonnen. Auch libysche Rebellen kämpfen gegen Gaddafis Truppen. Am Donnerstag wurde ihr Militärchef Abdel Fatah Junes von einer Gruppe bewaffneter Männer getötet. Der Nationale Übergangsrat der Rebellen teilte am Freitagabend mit, dass er ein Untersuchungskomitee eingesetzt habe, um den Mord an Junes aufzuklären. Der Anführer einer Miliz, der sich zu der Tat bekannt hatte, sei inhaftiert worden, sagte Ali Tarhuni vom Übergangsrat. Weitere Angreifer seien noch auf der Flucht. Auch die Tatmotive und -hintergründe müssten noch geklärt werden.

Militärchef von Mitgliedern einer verbündeten Miliz erschossen

Unterdessen ist der Tod des Militärchef der libyschen Rebellen offenbar geklärt. Nach Angaben der Aufständischen wurde er von Mitgliedern einer verbündeten Miliz erschossen. Abdel Fattah Junes - ein übergelaufener langjähriger Vertrauter von Machthaber Muammar Gaddafi - sollte demnach von der Miliz von der Front bei Brega nach Benghasi gebracht werden, sei aber von dieser umgebracht worden, sagte der Ölminister der Rebellen, Ali Tarhuni, am Freitag. Ein festgenommener Anführer der Miliz habe gestanden, dass seine Untergebenen den Mord ausgeführt hätten. Die eigentlichen Täter befänden sich noch auf der Flucht. Um welche Miliz es sich handelte, sagte Tarhuni nicht.

Die Äußerungen des Rebellen-Ministers scheinen zu belegen, dass es innerhalb der Reihen der Aufständischen tiefe Gräben gibt. Junes' Tod ist ein herber Rückschlag für die Rebellen, auch wenn er wegen seiner Verbindungen zu Gaddafi nicht unumstritten war. Die genauen Umstände des Mordes sind nach wie vor nicht geklärt. Nach Angaben des Rebellenchefs Mustafa Abdel Dschalil wurde Junes von der Front in der Nähe des Ölhafens Brega zurückbeordert, um vor einem Justizkomitee der Rebellen zu erscheinen. Auf dem Weg dorthin seien er und seine zwei Leibwächter von Angreifern erschossen worden.

Kommentare (8)

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azaziel

30.07.2011, 10:04 Uhr

Von „geklaert“ kann keine Rede sein. Vermutlich geht es um Oel und Macht. Wir erleben hier mit, wie sich der naechste Despot an die Macht mordet. Der Libyen Krieg ist fuer die Nato sehr unklug, auch wenn ich die Art und Weise, wie sich die Bundesregierung in dieser Angelegenheit verahlten ha,t missbillige.

Account gelöscht!

30.07.2011, 10:15 Uhr

Gnaz klar ein völkerrechtswidriger Akt der Aggression! Einrichtugen des Medien- und nichtmilitärischen Kommunikationswesen sind wie Krankenhäuser und Versorgungseinrichtungen für Energie und Trinkwasser von militärischen Angriffen auszuschließen!

Account gelöscht!

30.07.2011, 11:55 Uhr

Zeitzeuge, Sie passen unbedingt in unsere Regierung.

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