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06.04.2011

16:03 Uhr

Libyen

Nato und Rebellen streiten über Luftangriffe

Zwischen der Nato und den libyschen Rebellen ist ein Streit über die Luftangriffe entbrannt. Die Aufständischen fühlen sich von dem Bündnis im Stich gelassen.

Abdel Fattah Junes, Militärchef der Aufständischen, wirft der Nato vor, dass sie seine Kämpfer im Stich lasse. Quelle: Reuters

Abdel Fattah Junes, Militärchef der Aufständischen, wirft der Nato vor, dass sie seine Kämpfer im Stich lasse.

Benghasi Zwischen der Nato und den libyschen Rebellen ist ein offener Streit über die Luftangriffe der Allianz auf die Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi entbrannt. Der Militärchef der Aufständischen warf dem Bündnis vor, seine Kämpfer vor allem in ihrem westlichen Vorposten in Misrata im Stich zu lassen. "Die Nato beehrt uns dann und wann mit Luftangriffen da und dort, und lässt unsere Menschen in Misrata jeden Tag sterben", sagte Abdel Fattah Junes. Die Nato wies die Vorwürfe am Mittwoch mit dem Hinweis zurück, Misrata habe für die Allianz höchste Priorität. Frankreich wies darauf hin, dass Gaddafis Truppen Stellung bezogen hätten in der Nähe von Zivilisten, die es zu schützen gelte. "Das macht Einsätze noch schwieriger", sagte Außenminister Alain Juppe.

"Die Nato hat uns enttäuscht", kritisierte Junes das westliche Bündnis am Dienstag. Luftangriffe würden zu langsam befohlen. In der Zwischenzeit könnten Gaddafis Truppen die Zivilbevölkerung in Misrata abschlachten. Die Stadt im Westen des nordafrikanischen Landes ist Schauplatz heftiger Kämpfe und liegt unter ständigem Beschuss von Artillerie und Scharfschützen. Juppe sagte, das Leiden in Misrata könne nicht weitergehen. Aber die Lage sei unklar, der Einsatz drohe, sich festzufahren.

"Ich wünschte es ginge schneller voran", äußerte sich der Chef der französischen Streitkräfte, Admiral Edouard Guillaud, frustriert über den langsamen Fortgang der westlichen Militäraktion. Der Schutz von Zivilisten bedeute aber, dass man nicht in ihrer Nähe schießen dürfe. "Das genau ist das Problem."

Die Nato konzentriere ihre Einsätze auf Misrata und versuche, Waffenlieferungen in die Hauptstadt Tripolis zu verhindern, sagte Guillaud. Ähnlich äußerte sich in Brüssel die Nato. Die Lage am Boden verändere sich ständig. Gaddafis Truppen hätten ihre Taktik geändert, führen Zivilfahrzeuge, hätten in Städten wie Misrata Panzer stationiert und benutzten menschliche Schutzschilde, sagte Sprecherin Carmen Romero. Die Nato bestritt zudem Vorwürfe der Rebellen, die Intensität der Luftangriffe habe nachgelassen, seitdem sie vorige Woche das Kommando des Einsatzes übernommen hatte.

Junes, ein früherer Innenminister Gaddafis, widersprach der Darstellung des Bündnisses, dass sich die Truppen des Machthabers hinter menschlichen Schutzschilden verschanzten. Ein Kämpfer aus Misrata ergänzte, es seien keine Zivilisten in der Nähe von Gaddafis Soldaten. "Wir fordern die Nato auf, ziviles Eigentum zu zerstören, um Scharfschützen und bewaffnete Banden auszuschalten", sagte der Aufständische mit dem Namen Abdelsalam. "Worauf wartet die Nato?", fragte auch ein Bewohner der Frontstadt Adschbijah.

Derweil versuchten die Aufständischen im Osten Libyens verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Westlich von Adschbijah seien schwere Kämpfe im Gange. Die Gefechte hätten am Morgen begonnen, nachdem Gaddafis Truppen über Nacht mit Munition versorgt worden seien, berichtete der Kämpfer einer Spezialeinheit der Rebellen. Die Front verlaufe jetzt 20 Kilometer östlich von Brega. Am Dienstag waren die Rebellen so weit wie seit Tagen nicht zurückgeschlagen worden. Unter Raketen- und Granatwerferbeschuss zogen sie sich Richtung Benghasi zurück.

Von

rtr

Kommentare (2)

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WFriedrich

06.04.2011, 17:44 Uhr

Zitat: "Wir fordern die Nato auf, ziviles Eigentum zu zerstören, um Scharfschützen und bewaffnete Banden auszuschalten (sagte der Aufständische)".

Wie die angesprochenen Regierungen reagieren müssen ist unbekannt. Bei den Bürgern treffen solche Begehren aber eher auf Unmut, weil sie darin die Sprache jener erkennen, die bereits in Afghanistan und Pakistan rücksichtslos vs. die Zivilbevölkerung agieren. Sichtbar wird nun die Fehlkalkulation mit nachfolgender Fehlentscheidung seitens der NATO: sie verzichtet auf Bodentruppen.

Rainer_J

07.04.2011, 00:17 Uhr

NATO? Mit der NATO hat der Einsatz nichts zu tun. Jeder von uns weiß, welche Länder ihre Geheimdienste beauftragt haben die Unruhen zu schüren. Und auch Hilfe beim bewaffneten Kampf versprochen haben. Wer den Leuten in Lybien erzählt, dass sie Randale machen sollen und "Wir" dann helfen, der muss dann wohl auch helfen. Mit der NATO hat das nichts zu tun.

Und schon gar nicht hat Deutschland damit etwas zu tun. Deutschland hat keine Menschen aufgehetzt und Deutschland sollte deshalb auch keine Polizei bombadieren, die versucht in Lybien Ordnung und Sicherheit zu schaffen.

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