Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.05.2011

18:02 Uhr

Libyen

Neue Nato-Angriffe auf Tripolis

Erneut hat die Nato Regierungsgebäude in Tripolis angegriffen. Unterdessen hat ein weiterer Minister das Land verlassen und auch der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab.

Zwei Zivilisten stehen in einem zerstörten Regierungsgebäude in Tripolis. Quelle: dpa

Zwei Zivilisten stehen in einem zerstörten Regierungsgebäude in Tripolis.

Tripolis

Die NATO hat am Dienstag ihre Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis fortgesetzt und dabei offenbar mehrere Regierungsgebäude zerstört. Mit dem Ölminister Schukri Ghanem kündigte unterdessen ein weiteres Mitglied des Regimes Machthaber Muammar al Gaddafi die Gefolgschaft. Das UN-Flüchtlingshilfswerk warf der libyschen Regierung vor, Migranten aus Afrika zur Überfahrt nach Europa in nicht seetüchtigen Booten zu ermuntern.

Libyschen Angaben zufolge wurde in Tripolis am frühen Dienstagmorgen das Innenministerium sowie ein weiteres Regierungsgebäude bei Angriffen der NATO getroffen. Das britische Verteidigungsministerium erklärte, die Zentrale des libyschen Geheimdienstes sowie eine Trainingsanlage von Leibwächtern der Gaddafi-Familie sei durch Kampfjets und Marschflugkörper zerstört worden. Die getroffen Ziele seien "zentrale Bestandteile des Apparates" gewesen, mit dem das Regime brutal gegen die Zivilbevölkerung vorgehe.

Ein Sprecher der libyschen Regierung warf der NATO vor, das Innenministerium sei angegriffen worden, weil dort Akten zu Korruptionsermittlungen über einige der führenden Mitglieder des Übergangsrats in Bengasi gelagert worden seien. In Begleitung von Regierungsvertretern wurden Journalisten am Dienstag zu zwei brennenden Gebäuden geführt. Soldaten sammelten zwischen den Trümmern halb verbrannte Papiere ein, während Feuerwehrleute gegen die Flammen kämpften.

Nach den Luftangriffen war Gewehrfeuer bis zu dem Hotel zu hören, in dem in Tripolis Journalisten einquartiert sind. Die Polizei sperrte eine nahegelegene Straße ab. Nach Angaben des libyschen Staatsfernsehens griff die NATO auch Ziele im Stadtteil Tadschura sowie im 50 Kilometer westlich der Hauptstadt gelegenen Sawija an. Dabei seien Menschen verletzt und getötet worden, hieß es in dem Bericht, ohne dass Einzelheiten genannt wurden.

Tunesien bestätigt Flucht von Ölminister

Aus tunesischen Sicherheitskreisen verlautete am Dienstag, der libysche Ölminister Schukri Ghanem habe sein Heimatland verlassen. Ghanem sei am Montag in Tunesien eingetroffen und habe seiner alten Regierung die Gefolgschaft aufgekündigt, hieß es. Der Minister und Chef der staatlichen Ölgesellschaft wäre einer der ranghöchsten Vertreter des Regimes, die bisher das Land verlassen haben.

Ein ebenfalls übergelaufener früherer Vertreter Libyens bei der Arabischen Liga, Abdel Moneim al-Huni, bestätigte die Angaben. Er habe mit Ghanem gesprochen, nachdem dieser die Grenze überquert habe, sagte Al-Huni der Nachrichtenagentur AP. Die Flucht sei nicht offiziell bestätigt worden, um Ghanems noch in Tripolis verbliebene Angehörige zu schützen. "Die meisten Regierungsvertreter, die noch in Tripolis sind, werden zum Bleiben gezwungen. Sie sind nicht glücklich über das, was passiert", sagte Al-Huni.

Auch ein Sprecher der libyschen Opposition, Guma El-Gamati, bestätigte Ghanems Ausreise nach Tunesien. Die libysche Regierung hingegen dementierte die Informationen. Ghanem arbeite in seinem Büro, sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim der AP. Ein Sprecher der NATO sagte am Dienstag, das Militärbündnis werfe in Libyen Flugblätter ab, auf denen Kämpfer aufgefordert würden, "in ihre Baracken und Häuser zurückzukehren". Auch über Funk würden entsprechende Botschaften verbreitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×