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28.07.2014

07:29 Uhr

Libyen

Rakete setzt riesiges Treibstofflager in Brand

Bei den Gefechten in Libyen ist ein riesiger Treibstofftank in Brand geraten. Der Speicherbehälter sei in Tripolis von einer Rakete getroffen worden. Der staatliche Ölkonzern fürchtet nun eine katastrophale Explosion.

Die Gewalt in Tripolis nimmt kein Ende: Nach Gefechten am Flughafen der Stadt setzt eine Rakete ein Treibstofflager in Brand. dpa

Die Gewalt in Tripolis nimmt kein Ende: Nach Gefechten am Flughafen der Stadt setzt eine Rakete ein Treibstofflager in Brand.

TripolisLibyens staatlicher Ölkonzern NOC hat vor einer „Katastrophe für Mensch und Umwelt“ gewarnt, nachdem bei den Gefechten in der Hauptstadt Tripolis ein gigantischer Treibstofftank in Brand geraten ist. Der sechs Millionen Liter fassende Speicherbehälter sei von einer Rakete getroffen worden, sagte Unternehmenssprecher Mohammed Al-Hrari am Sonntagabend. Da angrenzende Tanks mit insgesamt mehr als 90 Millionen Litern Fassungsvermögen sowie ein Erdgasspeicher ebenfalls Feuer fangen könnten, drohe eine gewaltige Explosion. Diese könne in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern schwere Schäden anrichten.

Nach Angaben des Sprechers versuchten Einsatzkräfte der Betreiberfirma Brega und des Zivilschutzes, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Die Mitarbeiter am Standort der Anlage hätten diese aus Angst vor weiteren Raketeneinschlägen bereits verlassen. Das Energieministerium rief alle Anwohner dazu auf, sofort aus dem Gebiet zu flüchten.

Die Treibstoffbehälter befinden sich entlang der Straße zum internationalen Flughafen von Tripolis, die im Kampfgebiet rivalisierender Milizen liegt. Diese liefern sich seit zwei Wochen Gefechte um den Flughafen, nach Regierungsangaben wurden dabei rund hundert Menschen getötet. Der Flugbetrieb in Tripolis ist seit Beginn der Kämpfe am 13. Juli eingestellt.

Libyen nach Gaddafi

20. Oktober 2011

Gaddafi wird in Sirte von Rebellen getötet.

27. Oktober

Die Vereinten Nationen beschließen das Ende des Militäreinsatzes; die Luftangriffe werden zum Monatsende beendet.

31. Oktober

Abdel Rahim al-Kib wird Chef der Übergangsregierung. Der Geschäftsmann löst Mahmud Dschibril ab, der zurückgetreten war.

3. November

Die Nato fordert von Libyens Regierung, im Land kursierende Waffen unter Kontrolle zu bringen. Im Bürgerkrieg kamen Tausende Waffen wie Boden-Luft-Raketen in die Hände von Milizen. 11. November: Rivalisierende Rebellengruppen liefern sich heftige Kämpfe um einen Militärstützpunkt westlich der Hauptstadt Tripolis.

11. November

Rivalisierende Rebellengruppen liefern sich heftige Kämpfe um einen Militärstützpunkt westlich der Hauptstadt Tripolis.

19. November

Gaddafis mit internatonalem Haftbefehl gesuchter Sohn Saif al-Islam wird im Süden des Landes festgenommen.

22. November

Al-Kib vergibt die Schlüsselressorts wie Verteidigung und Inneres an ehemalige Rebellenkommandeure. Die Übergangsregierung soll den demokratischen Aufbau in Libyen in Angriff nehmen.

6. Dezember

Die Übergangregierung setzt nach Gesprächen mit Regionalpolitikern eine Frist für die Entwaffnung der Rebellen in Tripolis. Bis Jahresende soll die Hauptstadt frei von Waffen sein.

17. Dezember

Der UN-Sicherheitsrat hebt die Sanktionen gegen die libysche Banken auf. Damit können seit dem Februar blockierte Auslands-Milliarden des Gaddafi-Regimes ins Land zurückfließen.

3. Januar 2012

Bei einem Gefecht zwischen Angehörigen verschiedener Revolutionstruppen in Tripolis kommen sechs Kämpfer ums Leben.

8. Januar

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagt in Tripolis weitere Wiederaufbauhilfe zu. Das Auswärtige Amt hat bereits acht Millionen Euro humanitäre Soforthilfe und einen Kredit von 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

23. Januar

Gaddafi-Anhänger erobern Bani Walid zurück. Bei der Erstürmung der Wüstenstadt sollen mindestens fünf Menschen getötet worden sein.

Situation heute

Libyen kommt nicht zur Ruhe: Auch rund 100 Tage nach dem Tod des Diktators Muammar al-Gaddafi wird noch geschossen. Kämpfe von Rebellen untereinander oder gegen Anhänger des alten Regimes behindern den Wiederaufbau des zerstörten Landes.

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen bis heute nicht zur Ruhe gekommen, vielmehr versinkt das Land zunehmend in Gewalt. Rivalisierende Milizen kämpfen um die Vorherrschaft und Kontrolle verschiedener Städte und Landesregionen. Wegen der anhaltenden Gewalt in Libyen haben Deutschland, die USA, Frankreich und andere Länder ihre Staatsbürger zum Verlassen des nordafrikanischen Landes aufgerufen. Auch mehrere Botschaften wurden geschlossen.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Frank Cebulla

28.07.2014, 10:08 Uhr

Die Ausmaße des von Deutschland ( Frau Merkel und Herr Westerwelle) unterstützten "arabischen Frühlings" sind nicht mehr zu überblickbar.
Diese "Frühlungsgefühle" waren vorhersehbar, nur die deutsche Außenpolitik hat da geträumt.
Auch die Einmischung in die Politik in der Ukraine war ein noch größerer Fehler, an denen der deutscher Bürger und nur der, schwer zu tragen haben wird.
Die s.g. "politisch Verantwortlichen in D" werden dann in sicher Feriengebiete ihre Pension verbringen.

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