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08.09.2011

16:26 Uhr

Libyen

Raketen aus Waffenlager gestohlen

Die geplünderten Waffenlager in Libyen versetzen die internationale Gemeinschaft in Sorge. Denn mit den vermissten Boden-Luft-Raketen könnten Terroristen auch zivile Flugzeuge abschießen.

Aus Waffenlagern in Libyen sind nach Medienberichten große Mengen an tragbaren Luftabwehrraketen verschwunden (das Bild zeigt einen mazedonischen Soldaten bei einer Übung im Jahr 2008). dpa

Aus Waffenlagern in Libyen sind nach Medienberichten große Mengen an tragbaren Luftabwehrraketen verschwunden (das Bild zeigt einen mazedonischen Soldaten bei einer Übung im Jahr 2008).

Tripolis/WashingtonAus Waffenlagern in Libyen sind nach Medienberichten große Mengen an tragbaren Luftabwehrraketen verschwunden. Es wachse die Sorge, dass die vermissten Waffensysteme in die Hände von Terrorgruppen wie Al-Kaida gelangen könnten, berichtete die „New York Times“ am Donnerstag. Mit den Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, können Anschläge auf Flugzeuge verübt werden. Der gestürzte libysche Diktator Muammar al-Gaddafi bestritt unterdessen, das Land verlassen zu haben. Nach Angaben der neuen Machthaber sollen in dem seit Februar andauernden Konflikt 30.000 Menschen ums Leben gekommen seien.

Noch sei unklar, ob Al-Kaida oder andere Terrorgruppen an die verschwundenen Raketen-Waffen gekommen seien, zitierte die Zeitung einen namentlich nicht genannten US-Offizier. Geheimdienste gingen aber davon aus. Ein Reporter des Blattes fand in einem unbewachten Waffenlager der libyschen Hauptstadt leere Kisten, die als Verpackung für Flugabwehrraketen ausgezeichnet waren. Es habe sich um Raketen des russischen System SA-7 („Strela“) gehandelt, aber auch um solche des moderneren Nachfolge-Typus SA-24.

„Strela“-Raketen waren in letzter Zeit immer wieder auch bei den Aufständischen gesehen worden, die nunmehr die Macht fast im ganzen Land übernommen haben. Die US-Regierung habe die politische Führung der Rebellen aufgefordert, Waffenlager besser zu schützen, sagte John Brennan, Antiterror-Berater im Weißen Haus. Die Situation in Libyen bereite Sorge. Viele Teile des Landes seien derzeit ohne echte Kontrolle.

Der Aufstand gegen das Gaddafi-Regime kostete nach Angaben der Rebellen bisher mindestens 30.000 Menschen das Leben. Zudem seien in dem mehr als sechs Monate dauernden Konflikt 50.000 Menschen verletzt worden, sagte Nadschi Barakat, Gesundheitsminister der Aufständischen, dem Sender Libya TV. Es handele sich um vorläufige Zahlen, die sich auf Angaben von Krankenhäusern, Kommunalvertretern und Rebellenführern stützten. Mindestens 4000 Menschen würden noch vermisst. In früheren Einschätzungen hatten die Aufständischen von bis zu 50.000 Toten gesprochen.

Der untergetauchte Ex-Diktator Gaddafi trat Spekulationen entgegen, er habe sich in das westafrikanische Nachbarland Niger abgesetzt. In einer Audio-Botschaft, die vom syrischen Fernsehsender Al-Rai ausgesendet wurde, bezeichnete er diesbezügliche Meldungen als „Lügen der psychologischen Kriegsführung“. Er sei weiter in Libyen. Zugleich forderte er seine Landsleute ein weiteres Mal dazu auf, das Land „gegen alle Hunde und Verräter zu verteidigen, die in Libyen sind und das Land zu erobern trachten“.

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