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16.09.2011

16:24 Uhr

Libyen

Rebellen wollen Staat nach türkischem Vorbild

Die libyschen Rebellen erklärten bei einem Besuch von Erdogan, dass ihr Staat „ein demokratisches, islamisches Land nach dem Vorbild der Türkei“ werden soll. Unterdessen hat der Vormarsch auf Sirte begonnen.

Bad in der Menge: Erdogan in Tripolis. AFP

Bad in der Menge: Erdogan in Tripolis.

Misrata/IstanbulDie Aufständischen in Libyen haben den Aufbau eines demokratischen Staates nach dem Muster der Türkei zu ihrem Ziel erklärt. „Wir wollen ein demokratisches, islamisches Land nach dem Vorbild der Türkei werden“, sagte der Chef des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, bei einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Tripolis. Dschalil dankte der Türkei für wirtschaftliche und medizinische Hilfe während der Revolution.

Erdogan rief die verbliebenen Anhänger von Muammar al-Gaddafi auf, den Kampf aufzugeben und ein weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Widerstand, der sich gegen den Willen eines größeren Teils des Volks reichte, habe keine Aussicht auf Erfolg, sagte Erdogan in der von Fernsehsendern übertragenen Ansprache. „Das ist ein Kampf für Freiheit und Demokratie“, sagte er.

Der türkische Regierungschef sagte der politischen Führung der Aufständischen die Unterstützung seines Landes zu. Türkische Teams würden bald eintreffen, um „Hand in Hand, Seite an Seite“ mit den Libyern zu arbeiten. Die türkische Botschaft in Tripolis arbeite bereits seit dem 2. September wieder. Bald werde Turkish Airlines den regulären Flugbetrieb nach Tripolis wieder aufnehmen.

Die libyschen Rebellen haben unterdessen mit ihrem seit Wochen angekündigten Vormarsch auf Gaddafis Heimatstadt Sirte begonnen. Mohammed Ibrahim, ein Militärsprecher der Rebellen in der Stadt Misrata, sagte am Freitag, die „Revolutionäre“ von Misrata hätten Sirte in der Nacht in kleinen Gruppen von Süden, von Westen und mit kleinen Booten vom Meer aus angegriffen. Einwohner von Sirte berichteten von heftigen Gefechten. Ein Rebellenkommandeur aus Tripolis sagte, die Aufständischen hätten trotz heftigen Widerstandes den Flughafen von Sirte eingenommen und zahlreiche Kämpfer der Gaddafi-Truppen getötet. Auch mehrere Rebellen starben.

Den Rebellen schlug bei ihrem Sturm auf Sirte nach eigenen Angaben besonders in dem südlichen Vorort Kasr Abu Hadi erbitterter Widerstand entgegen. Die Rebellen koordinierten ihre Angriffe in Sirte mit der Nato, sagte ihr Sprecher Ibrahim. Arabische Nachrichtensender meldeten auch neue Kämpfe rund um die Stadt Bani Walid rund 150 Kilometer südöstlich von Tripolis. Der nach dem Sturz von Tripolis im August untergetauchte Machthaber Muammar al-Gaddafi wird in Sirte, Bani Walid oder Sebha vermutet. In Bani Walid seien fünf Rebellen getötet und 16 Angehörige der Gaddafi-Truppen festgenommen worden, darunter mehrere afrikanische Söldner, hieß es.

Die libysche Zeitung „Qurayna al-Jadida“ meldete auf ihrer Website, bei den Kämpfen in Sirte sei auch Gaddafis Regierungssprecher Mussa Ibrahim getötet worden. Dies wurde jedoch von den Rebellen zunächst nicht offiziell bestätigt. Ibrahim hatte sich in den vergangenen Tagen mehrfach mit Durchhalteparolen zu Wort gemeldet. Er hatte erklärt, Gaddafi sei bei bester Gesundheit und bereite die Rückeroberung Libyens vor.

Die Aufständischen hatten die Einwohner der noch von Gaddafis Truppen kontrollierten Städte Sirte und Bani Walid zuerst aufgefordert, die Waffen niederzulegen, um eine friedliche Übergabe an den Übergangsrat zu garantieren. Diese Verhandlungen führten jedoch zu keinem Ergebnis.

Von

dpa

Kommentare (4)

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BWLer

16.09.2011, 17:22 Uhr

Im Gegensatz zu Griechenland scheinen die Türken Spaß am Wirtschaften und am Erfolg zu haben. Auch in diesem Jahr werden Wachstumsraten von ca. 8 Prozent (!) erwartet. Seit einigen Jahren wächst die Türkei zu einem starken Wirtschaftsland. Bravo und Gratulation!

Ist das Erdogan's Politik? Ich weiß es nicht so genau, vermute aber, dass er seinen Anteil daran hat. Trotzdem habe ich kein gutes Gefühl bei Erdogan. Mir kommt er ziemlich durchtrieben vor. Schleichende Islamisierung, provokant zur Schau gestellter Nationalismus (was allen Türken äußerst wichtig ist), Selbstdarstellung a la Saddam Hussein, Einmischung in deutsche Integrationspolitik (nach dem Motto: Türken in Deutschland sollen in erster Linie Türken bleiben), Verhinderung von Religionsfreiheit in der Türkei, unbescheidene Auslandsauftritte wie jetzt wieder in Lybien etc..

Die Türkei zeigt, dass man mit Fleiß und Wille auch in der islamischen Welt mittels modernen Wirtschaftstrukturen zu Wohlstand und Reichtum bringen kann. Trotzdem wünsche ich mir mehr Bekenntnisse zu Toleranz, Freiheit und eine Abkehr von dem abstoßenden Nationalismus und großspurigem Gehabe von den Türken.

Pendler

16.09.2011, 17:57 Uhr

Hat Frankreich denn nun endlich den unbegrenzten Zugriff auf das lybische Öl und die anderen Rohstoffe?

Account gelöscht!

16.09.2011, 18:56 Uhr

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"Türken in Deutschland sollen in erster Linie Türken bleiben"

Es gibt nichts, aber auch garnichts, was mich bewegen könnte ein Deutscher oder Europäer zu werden. Soll ich mich noch zusätzlich zu meiner Diskriminierung, trotz bester Ausbildung
zu Lebensabschnittsgefährten, kein Bock auf Familie und Kinder, schlechte Historie, schlechtem Ruf, Selbstsüchtigkeit, Faulheit, Treulosigkeit, schlechter Ernährung, schlechte Erziehung, Intolleranz, keinem Familienzusammnehalt, generell fehlendem Zusammnehalt, Rassimus, (ich meine nicht den zum Selbstzweck), Gespürlosigkeit, Hang zum Suff, Schweinefleisch (ich tue nicht etwas essen womit ich andere Leute betituliere aufgrund ihrer Ekelhaftigkeit. Weshalb ihr Jemand als Schwein betituliert werdet ihr selbst am besten wissen) usw. usw. bekennen ?
Islamisierung ?
Hhabe ich keine Probleme mit, lieber eine bestimmende, in weiten Teilen den Lebensalltag eines Menschen in sozialen Bereichen regelnde Religion als gar keine. Das Christentum ist nämlich keine Religion. Es ist nur ein Instrument das ständig dazu her halten muß, daß ein Überwesen dich trotz all deiner Taten gerne hat. Denn es ist ja vor allem der Glaube der Liebe. Nur von dieser Liebe bekamen die Millionen Juden, millionen Afrikaner (Sklavenzeit), millionen amerikanische Ureinwohner, hunderttausende Asiaten, in Jahrhunderte millionen geknechteter Bauern durch ihren Lehensherrn, nichts mit. Es ist einfach schlichtweg nur ein Instrument der Knechtung. Bis, ja bis endlich der zügellose Einsatz von fossilen Energiträgern diese Menschen rettete, ich glaube aber nur vorrübergehend. Und wo das hin führte sehen wir heute.
Ich könnte noch viel mehr schreiben um euch meine Verachtung zum Ausdruck zu bringen. Aber ich hoffe ich war deutlich genug.
Für mich gehört Herr Erdogan nicht dazu, bis, bis er mich vom Gegenteil überzeugt. Solange würde ich ihm bis in den Tod folgen.
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