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18.03.2011

20:16 Uhr

Libysche Rebellen in Benghasi: Gaddafis Truppen kommen immer näher. Quelle: dpa

Libysche Rebellen in Benghasi: Gaddafis Truppen kommen immer näher.

New York/TripolisDiktator Gaddafi scheint nicht von der UN-Resolution beeindruckt zu sein.

Die libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi missachtet nach Angaben der amerikanischen UN-Botschafterin Susan Rice die UN-Resolution über eine Flugverbotszone.

Rice sagte dem US-Nachrichtensender CNN am Freitag, falls Gaddafi nicht unverzüglich die Bedingungen der Resolution erfülle, müsse er die Konsequenzen tragen. Die USA und ihre Alliierten seien zum Handeln bereit.

Nach der UN-Resolution ist militärisch fast alles erlaubt bis auf den Einsatz von Bodentruppen. Der französische UN-Botschafter Gérard Araud sagte dem britischen Sender BBC, er rechne schon am Wochenende mit Militäraktionen. Der französische Außenminister Alain Juppé sagte, alle Vorbereitungen für Luftschläge seien getroffen.

Am heutigen Samstag beraten Spitzenvertreter der Europäischen und Afrikanischen Union, der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga in Paris das weitere Vorgehen gegen das Regime in Libyen. Dabei soll auch Gaddafis Waffenstillstandsangebot analysiert werden.

An dem Treffen in Paris werden neben UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Außenministerin Hillary Clinton teilnehmen. Deutschland will sich anders als Großbritannien, Spanien, Frankreich oder auch Katar nicht an Militäraktionen beteiligen.

Die USA, Großbritannien, Frankreich und arabische Länder stellten Gaddafi am Freitag ein Ultimatum. Gaddafi wurde aufgefordert, unverzüglich die Waffen ruhen zu lassen. Alle Angriffe auf Zivilisten sollten unverzüglich eingestellt werden, hieß es in einer Mitteilung des Élysée-Palastes in Paris vom Freitagabend. Die Truppen müssten aus den Schlüsselpositionen Adschdabija, Misurata und Al-Sawija abgezogen werden. Der Vormarsch seiner Soldaten auf die Rebellenhochburg Bengasi müsse gestoppt werden. Zudem solle dort die Strom-, Gas- und Wasserversorgung wiederhergestellt werden. Die Bevölkerung müsse ferner Zugang zu humanitärer Hilfe erhalten.

US-Präsident Barack Obama sagte, der Diktator müsse sofort alle Angriffe auf sein Volk beenden, seine Truppen zurückziehen und humanitäre Hilfe in dem Land zulassen. Sonst würde er entsprechend der UN-Resolution militärische Konsequenzen zu spüren bekommen. Zugleich machte er deutlich, dass die USA sich bei möglichen Militäraktionen lediglich als „Teil der einer internationalen Koalition“ sehen.

Die Truppen Gaddafis rücken dagegen offensichtlich weiter in Richtung Bengasi vor. Die Regierungstruppen stünden bereits 50 Kilometer westlich von Bengasi, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Freitagabend unter Berufung auf die Führung der Aufständischen. Die auf Bengasi vorgerückten Regierungstruppen würden nicht in die Rebellenhochburg im Osten einmarschieren, sagte der stellvertretende Außenminister Chalid Kaim auf einer vom TV-Sender CNN übertragenen Pressekonferenz in Tripolis. Die Regierung lade internationale Beobachter ins Land, um die Einhaltung der Feuerpause zu überwachen. Vertreter von Deutschland, China, Malta und der Türkei sollten die Einhaltung der Waffenruhe überwachen, sagte Chalid Kaim am Freitag.

Deutschland lehnte dies ab. Es sei allein die Aufgabe der Vereinten Nationen den Waffenstillstand zu überprüfen oder zu entscheiden, wie er überprüft werde, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Deutschland hatte sich im UN-Sicherheitsrat am Donnerstag bei der Verabschiedung einer Resolution für einen Militäreinsatz enthalten. Kaim erklärte zudem, dass sich Libyen seit der Verkündung der Feuerpause daran halte. Dem widerspricht ein Medienbericht.

Truppen des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi rücken demnach trotz einer zuvor erklärten Waffenruhe rasch auf die Rebellenhochburg Benghasi vor. Es fänden Kämpfe mit Aufständischen in den Ortschaften Al-Magrun und Sluk etwa 50 Kilometer von Benghasi entfernt statt, berichtete der Fernsehsender Al-Dschasira unter Berufung auf seine Korrespondenten in der ostlibyschen Stadt am Freitag. Ein AFP-Korrespondent berichtete von einer lauten Explosion und anschließendem Flugabwehr-Feuer in Benghasi. Laut BBC wies der Anführer der Rebellen seine Kämpfer an, den westlichen Zugang nach Benghasi zu sichern.

Kurz zuvor hatte US-Präsident Barack Obama Libyens Machthaber Muammar Gaddafi eindringlich zu einer Waffenruhe aufgefordert. Andernfalls drohten militärische Konsequenzen, warnte Obama am Freitag in Washington. „Alle Angriffe auf Zivilisten müssen aufhören.“ Der Vormarsch auf die Rebellenhochburg Benghasi im Osten Libyens müsse ebenfalls beendet werden. Obama betonte zugleich, dass die USA keine Bodentruppen in Libyen einsetzen würden.

Der UN-Sicherheitsrat hatte am Donnerstag einen Militäreinsatz in Libyen genehmigt. Wenige Stunden nach Verabschiedung der Resolution für die von den Aufständischen geforderte Flugverbotszone begann Großbritannien mit der Verlegung von Kampflugzeugen in die Region. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen kündigte an, bis zum Wochenende würden alle Vorbereitungen für einen Einsatz abgeschlossen. Libyens Regierung, deren Truppen in den vergangenen Tagen die Rebellen immer weiter zurückgedrängt hatten, verkündete eine einseitige Feuerpause. Allerdings wurden weiter schwere Gefechte aus dem Land gemeldet.

Frankreich und Großbritannien kündigten den Einsatz von Kampfjets „binnen Stunden“ an. Die Zahl der Flüchtlinge stieg unterdessen auf mehr als 300.000.

Und die EU-Staaten haben Diplomaten zufolge weitere Sanktionen gegen Personen und Firmen aus Libyen beschlossen. Die Außenminister der 27 EU-Staaten werden die Entscheidung, Vermögenswerte von elf weiteren Personen und neun Firmen einzufrieren sowie Reiseverbote zu erteilen, bei ihrer Sitzung am Montag absegnen, erklärte ein EU-Diplomat am Freitag in Brüssel.

Libyen kündet Ende der Kämpfe an

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Restriktionen gegen Ölfirmen wie die staatliche Libyan National Oil Company sollen von den EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel am nächsten Donnerstag und Freitag gebilligt werden. Die Zahlungen aus der EU an die nationale Ölfirma sollen dann eingestellt werden. Der Anteil der EU an Libyens Ölexporten macht 70 Prozent aus. Umgekehrt stammen zehn Prozent der Ölimporte der EU aus Libyen.

Bei der Nato laufen die Vorbereitungen zum Militäreinsatz an. Mehrere Staats- und Regierungschefs wollen sich zudem am Samstag in Paris zu einem Libyen-Gipfel treffen. Das kündigte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin an. Dazu habe Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy eingeladen.

Kommentare (15)

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Ingo

18.03.2011, 15:04 Uhr

Das verstehe wer will. Eine Bundesregierung die einen blutrünstigen Diktator an der Südflanke der EU wüten lässt mit der Begründung ein Eingreifen wäre zu riskant. Die gleiche Regierung ist aber dabei in Afghanistan einen hochriskanten Einsatz zu verantworten. Mir bleibt die Sprache weg bei so viel Doppelmoral.

Account gelöscht!

18.03.2011, 15:22 Uhr

Es gibt auf der Welt viele Konfliktherde. Soll wir überall Truppen hinsenden. In Libyen ist zudem völlig unklar, wer dort wegen wen kämpft. Ich bin immer wieder amüsiert, wenn Mitbürger zu Kriegseinsätzen aufrufen, an denen sie natürlich selbst nicht teilnehmen würden. Mögen sich diese Zeitgenossen doch zur Fremdenlegion melden.

Account gelöscht!

18.03.2011, 15:58 Uhr

@Carlosanton
So unklar ist es nicht in Libyen. Gaddafi ist seit 42 Jahren an der Macht und hat sich als Revolutionsführer dort eingenistet. Klingelt da nicht etwas?
Sein Volk will ihn nicht und wollte ihn nie. Er selbst hat schon vor Jahren 1.200 Regiemgegner erschießen lassen. Die Familienclans haben sich nur mit ihm arrangiert, weil er die Waffen und das Geld hat. Das Volk ist ruhig geblieben, weil sie wissen, wie er mit Gegnern umgeht. Und seine Armee besteht derzeit hauptsächlich aus bezahlten Söldnern aus Schwarzafrika. Die bringen in ihren Ländern für ein paar Cent jemanden um. Gaddafi hat ihnen umgerechnet 10.000 EUR pro Kopf geboten.
Ich frage Sie, wieviele Argumente für ein Eingreifen sind noch nötig? Und niemand, der dort eingreift, wird dazu gezwungen. Die Franzosen habe seit vielen Jahren einen sehr engen Kontakt zur arabischen Welt. Sehr viele Araber leben in Frankreich.

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