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13.03.2017

16:34 Uhr

Libyens Spaltung

Ölanlagen als Schlachtfeld

In dem nordafrikanischen Land Libyen herrscht nach dem Sturz von Machthaber Gaddafi seit Jahren Chaos. Um die Macht kämpfen Parteien aus dem Osten und Westen des Landes. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Rohstoff Öl.

Der ehemalige CIA-Agent gilt als mächtigste Figur in Libyen. Die amtierende Regierung will er jedoch nicht anerkennen. picture-alliance/ dpa

General Chalifa Haftar

Der ehemalige CIA-Agent gilt als mächtigste Figur in Libyen. Die amtierende Regierung will er jedoch nicht anerkennen.

KairoAn den wichtigsten Ölhäfen und -lagern in Libyen sammeln sich derzeit Hunderte, womöglich Tausende Kämpfer. Rivalisierende Kräfte aus dem Westen und dem Osten des Landes streben nach der Kontrolle. Bei den bislang blutigsten Gefechten der beiden Lager starben vergangene Woche Dutzende Menschen. Vom Westen unterstützte Truppen hatten die Raffinerie Ras Lanuf und das Öldepot Sidr gestürmt. Nun zieht der abtrünnige General Chalifa Haftar Soldaten für einen möglichen Gegenschlag zusammen. Es droht eine Eskalation.

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Dutzende weiße Säcke liegen aufgereiht am libyschen Strand. Nicht weit entfernt entdecken die Helfer ein zerrissenes Schlauchboot. Die Opfer hatten noch wenige Stunden zuvor auf ein besseres Leben in Europa gehofft.

Haftar, ehemaliger CIA-Agent und US-Bürger, ist die mächtigste Figur im Osten des Landes. Er selbst bezeichnet sich als wichtigste Kraft im Kampf gegen die Islamisten in Libyen. Seine Gegner werfen ihm jedoch vor, er wolle ein Diktator wie der im Jahr 2011 gestürzte und getötete Muammar al-Gaddafi werden. Haftar hat angekündigt, in Tripolis einzumarschieren, um das Land zu einen, was einen Hinweis auf seinen Machtanspruch gibt. Die Regierung, die über ein UN-Friedensabkommen 2016 eingesetzt wurde, erkennt er nicht an, weil das bedeuten würde, dass er nicht mehr das Militär befehligen würde.

Ägypten und Russland unterstützen ihn, Washington unter der Obama-Regierung hielt ihn dagegen auf Distanz. Eine entscheidende Frage für seine Zukunft wird sein, wie sich der neue US-Präsident Donald Trump zu ihm stellt. Der hat angedeutet, dass er offener für Deals mit regionalen Machthabern ist.

Haftar kommandiert eine Mischung aus Milizen und Stammeskräften aus dem Osten des Landes sowie die Überbleibsel der libyschen Armee inklusive einiger Offiziere aus der Gaddafi-Zeit. Haftar sieht sich dem gewählten Parlament verbunden, das im Jahr 2014 nach der Machtübernahme westlicher Kräfte in den Osten des Landes fliehen musste.

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Im vergangenen Jahr besetzten seine Kämpfer die Öleinrichtungen. Die Vereinten Nationen forderten ihn auf, die Anlagen zurückzugeben. Zeitweise sah es so aus, als würde er diese als Faustpfand für Änderungen am Friedensabkommen verwenden. Doch da ihm dieses Pfand nun entrissen wurde, könnte er es auf eine Alles-oder-nichts-Konfrontation mit Tripolis ankommen lassen. Seine Armee erklärt, sie ziehe Kräfte zusammen und erwarte Befehle. Wie stark diese Kräfte sind, ist jedoch unklar.

Die Regierung in Tripolis wurde im Zuge des UN-Friedensabkommens eingesetzt, um die Ost-West-Spaltung des Landes zu beenden. Doch nun ist sie in dem Konflikt nur ein weiterer Akteur geworden, der abhängig von seinen Verbündeten ist, um sich Autorität zu verschaffen.

Eine Führungsrolle unter den Verbündeten haben die Milizen aus der Nachbarstadt Misrata. Sie sorgen für die Sicherheit der Regierung und nahmen in diesem Jahr auch die Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat in Sirte ein. Die internationale Gemeinschaft hat versucht, die Regierung in Tripolis zu stärken - besonders Italien, das viel Geld in die libysche Ölindustrie gesteckt hat.

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