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19.03.2012

19:41 Uhr

Liechtenstein

Abschied vom Steueroasen-Image

VonHolger Alich

Liechtenstein will nicht länger als Oase für ausländische Steuerflüchtlinge fungieren. Stattdessen setzt man im Fürstentum künftig auf Zusammenarbeit und reformiert sein Geschäftmodell auf dem Finanzsektor.

Der Hauptsitz der Liechtensteiner LGT-Bank mit dem Schloss der Fürstenfamilie im Hintergrund. ap

Der Hauptsitz der Liechtensteiner LGT-Bank mit dem Schloss der Fürstenfamilie im Hintergrund.

VaduzDie Burg hoch oben auf dem Felsen ist mehr als ein Monument. Sie ist das Symbol des Fürstentums Liechtenstein – uneinnehmbar, ein sicheres Refugium, dickwandig und solide. So sahen sich die 36.000 Liechtensteiner lange Zeit selbst, und so sahen es auch die Kunden, die hier ihr Geld verstauten. Doch neuerdings stimmen Symbolik und Realität nicht mehr überein. Die Liechtensteiner fürchten um ihren Wohlstand, seit Deutschland, die USA und andere Staaten Steuerhinterzieher über Landesgrenzen hinweg verfolgen. Sie bangen um ihre Zukunft, seit der internationale Druck wächst, Steueroasen auszutrocknen.

Dabei will Liechtenstein selbst keine Steueroase mehr sein. „Steuerhinterziehung ist kein Standortvorteil mehr, sondern ein Risikofaktor“, sagt Regierungschef Klaus Tschütscher. Bis dato haben die 17 Banken, 392 Treuhänder, 40 Versicherer und 27 Fondsgesellschaften ein Drittel von Liechtensteins Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. Und die Umrisse eines neuen Geschäftsmodells sind erst in Umrissen zu erkennen.

Klar ist aber schon heute: Der reformierte Finanzsektor wird für das Fürstentum weniger rentabel sein. Die Regierung rechnet daher mit dauerhaft geringeren Steuereinnahmen und hat ein Sparprogramm aufgelegt.

Was Steuersünder-CDs dem Fiskus einbrachten

Januar 2006

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Liechtensteiner Bank LGT bietet dem Bundesnachrichtendienst brisante Bankdaten zum Kauf an. Später erhält er zwischen vier und fünf Millionen Euro. Rund 800 wohlhabende Deutsche geraten unter Verdacht. Die Daten führen auch zu Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel.

Januar 2009

Klaus Zumwinkel wird wegen Hinterziehung von knapp einer Million Euro Steuern zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldbuße von einer Million Euro verurteilt. Bis Februar 2010 fließen insgesamt fast 200 Millionen Euro Straf- und Nachzahlungen an den deutschen Staat.

März 2010

Nach dem Kauf einer Steuersünder-CD mit Daten über Kunden und Mitarbeiter der Schweizer Bank Credit Suisse leitet die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mehr als 1000 Ermittlungsverfahren ein. Das Anlagevermögen soll 1,2 Milliarden Euro betragen. Die Zahl der Selbstanzeigen schnellt in die Höhe. Für die Daten sollen die Finanzbehörden in Nordrhein-Westfalen 2,5 Millionen Euro gezahlt haben. Die „Süddeutsche Zeitung“ schätzt, dass in diesem Fall mehr als eine Milliarde Euro in die Staatskassen fließen.

Juni 2010

Es wird bekannt, dass der Bund gemeinsam mit Niedersachsen eine CD mit Daten mutmaßlicher deutscher Steuerbetrüger in der Schweiz gekauft hat. Für 185.000 Euro erhalten sie rund 20.000 Datensätze. Die Deutsche Steuergewerkschaft rechnet damit, dass der deutsche Fiskus 500 Millionen Euro plus Verzugszinsen einnehmen wird.

Oktober 2010

Nordrhein-westfälische Finanzbehörden kaufen für 1,4 Millionen Euro eine CD mit Daten der Schweizer Bank Julius Bär. Sie enthält Angaben über Deutsche, die ihre Steuerpflicht umgehen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bringt allein die Überführung von zwei Hintermännern zehn Millionen Euro Mehreinnahmen. Es folgen zahlreiche Ermittlungen und Selbstanzeigen.

April 2011

Die Schweizer Bank Julius Bär zahlt 50 Millionen Euro, damit die deutschen Behörden ihre Ermittlungen gegen das Geldinstitut und ihre Mitarbeiter einstellen.

Wie sehr der Finanzplatz Liechtenstein zur Großbaustelle geworden ist, zeigt ein Besuch bei der Liechtensteinischen Treuhändervereinigung. Geschäftsführer Clemens Laternser, Anfang 40, trägt seinen hellgrauen Anzug ohne Krawatte, auch der Dreitagebart und sein freundlich-lockerer Ton will nicht zum Klischee des konservativen Treuhänders passen.

„Früher war das Geschäft einfach“, sagt Laternser und rührt entspannt in seinem Kaffee. Im Auftrag eines Kunden richtete der Treuhänder zum Beispiel einmal eine Stiftung für sein Vermögen ein. Für ausländische Steuerbehörden blieb das Konstrukt unsichtbar.

Dann kam 2008 die Zumwinkel-Affäre: Durch einen Datendiebstahl erfuhren Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit, dass der damalige Postchef einen Teil seines Vermögens durch ein Treuhandkonto in Liechtenstein vor dem Fiskus versteckt hatte. „Das will Liechtenstein so nicht länger anbieten“, verspricht Laternser und blickt sein Gegenüber fest an. Heute kooperierten Treuhänder mit deutschen Behörden, sobald ein Verdacht auf Steuerhinterziehung vorliege.

Kommentare (1)

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Recher

26.04.2012, 13:25 Uhr

Der Prinz von Liechtenstein tanzt Europa auf der Nase herum. Es sollte ein einheitliches Steuergefüge geben, damit nichts mehr an unserem Fiskus vorbeiläuft... es ist eine Frechheit, dass Liechtenstein Unternehmen die Möglichkeit bietet Schwarzgeld zu deponieren und davon noch profitiert. Treffen tuts natürlich wieder die kleinen Zahler!!!

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