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04.01.2007

11:25 Uhr

Lieferstopp nach technischen Problemen

Iran dreht der Türkei das Erdgas ab

VonGerd Höhler

Iran hat zum Jahresbeginn seine Erdgaslieferungen in die Türkei eingestellt. Der offenbar technisch bedingte Lieferstopp dürfte in Ankara neue Zweifel an der Zuverlässigkeit des Energielieferanten Iran aufkommen lassen – zumal es schon in der Vergangenheit ähnliche Schwierigkeiten gab.

ATHEN. „Unsere Exporte in die Türkei liegen derzeit bei Null“, bestätigte der iranische Ölminister Kasem Waziri Hamaneh. Als Grund nannte er „interne Probleme.“ Er habe sich dafür telefonisch beim türkischen Energieminister Hilmi Güler entschuldigt und versprochen, die Probleme so schnell wie möglich zu lösen, sagte Hamaneh der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna. Laut ausländischer Experten, sind die Engpässe vor allem durch Verzögerungen bei der Erschließung der Vorkommen, technische Mängel im Pipeline-Netz und mangelnde Kapazitäten in den Aufbereitungsanlagen bedingt. Die Probleme wurden verschärft durch das kalte Wetter der vergangenen Wochen. Nach Angaben der staatlichen Gasversorgungsgesellschaft NIGC stieg allein im Dezember der inländische Gasverbrauch gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent. Minister Hamaneh hofft, dass mit der Inbetriebnahme einer neuen Gasraffinerie in der südlichen Provinz Fars die Probleme „binnen einer Woche“ gelöst werden.

Iran hat sich in einem 1996 geschlossenen Vertrag verpflichtet, der Türkei bis 2026 insgesamt 228 Mrd. Kubikmeter Erdgas zu liefern. Im ersten Lieferjahr sollten drei Mrd. Kubikmeter fließen, für 2007 waren 9,56 Mrd. angesetzt. Doch die Lieferungen kamen 2001 erst mit großer Verspätung in Gang, und die vereinbarten Mengen wurden seither selten erreicht. Bereits im Dezember 2005 kamen die Lieferungen zeitweilig zum Stillstand.

Die Türkei bezieht knapp 20 Prozent ihres Erdgases aus Iran, 65 Prozent kommen aus Russland, der Rest aus Nigeria und Algerien. Die türkische Regierung arbeitet daran, die Abhängigkeit von ihren beiden Hauptlieferanten Russland und Iran zu mindern. Im Bau oder geplant sind Erdgaspipelines nach Ägypten und zu den Gasfeldern am Kaspischen Meer.

Die Unterbrechung der iranischen Gaslieferungen in die Türkei dürfte auch anderen Kunden und potenziellen Abnehmern des Landes zu denken geben, etwa dem vom österreichischen Energiekonzern OMV geführte Nabucco-Konsortium: Es setzt bisher für seine geplante Pipeline von der Türkei über den Balkan nach Österreich vor allem auf iranisches Erdgas.

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