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06.05.2012

21:34 Uhr

Linksrutsch in Frankreich

François Hollande ist neuer französischer Präsident

Die Ära „Merkozy“ ist zu Ende: Der nächste Präsident Frankreichs heißt François Hollande. Der Sozialist hat die Stichwahl klar gewonnen. Das Votum der Franzosen sorgt in Europa auch für Unruhe.

Grund zur Freude: Der Sozialist Francois Hollande hat die Stichwahl der französischen Präsidentschaftswahlen für sich entschieden. AFP

Grund zur Freude: Der Sozialist Francois Hollande hat die Stichwahl der französischen Präsidentschaftswahlen für sich entschieden.

Paris/BrüsselDer Jubel bei den französischen Sozialisten kennt keine Grenzen: Erstmals seit 24 Jahren wurde am Sonntag ein Sozialist zum Präsidenten Frankreichs gewählt, erstmals seit der Ära von François Mitterrand, der von 1981 bis 1995 an der Spitze des Landes stand. Geschafft hat dies François Hollande, ein Mann, der lange als Provinzpolitiker und Parteisoldat belächelt wurde. Der 57-Jährige holte fast dasselbe Wahlergebnis wie sein Vorbild Mitterrand: Knapp 52 Prozent der Franzosen stimmten für ihn, Mitterrand war bei seiner ersten Wahl auf 51,8 Prozent gekommen.

Schon lange vor den offiziellen Hochrechnungen der Institute um 20 Uhr feierten die Anhänger der Sozialisten in den Straßen von Paris, als die ersten Ergebnisse bekannt wurden. "Ich bin 24 Jahre alt, ich habe nur die Rechte an der Macht gekannt, ich bin sehr ergriffen", jubelte ein junger Mann. Fahnen und lautes Autohupen begleiteten die Begeisterung vor der Parteizentrale an der Rue de Solférino. „Was für Emotionen heute Abend, wir haben so lange gewartet“, erklärte Sozialisten-Chefin Martine Aubry nach Bekanntgabe der Ergebnisse.

Der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gestand seine Niederlage ein: „Frankreich hat einen neuen Präsidenten. François Hollande ist Präsident der Republik und muss respektiert werden.“ Er habe ihm in einem Telefonat Glück gewünscht, sagte Sarkozy in Paris vor enttäuschten Anhängern. Er will sich aus der Politik zurückziehen, wie er vorher schon angekündigt hatte. Sarkozy galt zuletzt als der unpopulärste Staatschef seit Einführung der Direktwahl des Präsidenten 1958.

Dass mit Hollande ein neuer Stil im Präsidentenpalast einziehen wird, das machte der langjährige Parteichef der Sozialisten am Sonntag bereits deutlich. In der beschaulichen Provinzstadt Tulle verbrachte er den Tag, schüttelte Hände, ging dort wählen. In Begleitung seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler wollte er vor der Kathedrale von Tulle am Abend seine ersten Worte an die Franzosen richten. Erst später am Abend wollte der künftige Präsident zusammen mit seinen Anhängern in Paris an der Bastille feiern, dort, wo auch Mitterrand am 10. Mai 1981 seinen historischen Wahlsieg gefeiert hatte. Dort versammelten sich schon am frühen Abend zehntausende begeisterte Anhänger.

Frankreich in Kürze

Bevölkerung

Rund 65 Millionen Menschen leben in dem stark zentralisierten Staat, der angesichts strikter Trennung von Staat und Kirche traditionell als multikulturelles Sammelbecken gilt. Frankreich, zu dem auch noch Übersee-Gebiete im Indischen Ozean, im Pazifik und in der Karibik gehören, ist mehr als eineinhalb so groß wie Deutschland. Das Land hat eine starke Landwirtschaft, ist aber zugleich eins von Europas wichtigsten Industrieländern.

Technologie

Die Atommacht hat die meisten Kernkraftwerke Europas - weltweit haben nur die USA mehr. Die Franzosen sind stolz auf technologische Spitzenleistungen wie den Superschnellzug TGV und wesentlich beteiligt an den Erfolgen des Flugzeugbauers Airbus und der Ariane-Trägerraketen.

Die Küche

Die französische Küchenkultur schaffte es sogar auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der Uno-Organisation Unesco.

Konjunktur

Frankreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2010 um 1,5 Prozent und 2011 um 1,3 Prozent. Zum Vergleich: Die deutsche Konjunktur legte 2010 um 3,7 Prozent und 2011 um 3 Prozent zu.

Die Schulden

Bei Frankreichs Staatsschulden sieht es problematisch aus: 2011 hatte Frankreich 1,72 Billionen Euro Schulden. Die Neuverschuldung lag bei 5,2 Prozent des BIP. Deutschland war mit 2,09 Billionen Euro verschuldet, das Defizit lag bei 1,0 Prozent.

Welten liegen zwischen den Auftritten Hollandes, der ausdrücklich auch als Präsident "normal" bleiben will, und den einstigen Siegesfeiern von Nicolas Sarkozy. Der unterlegene konservative Präsident hatte seine Wahl zum Staatschef 2007 im Nobelrestaurant Fouquet's zelebriert und gleich danach Ferien auf der Luxusyacht eines Millionärsfreundes gemacht. Dieser Hang zu den Schönen und Reichen wurde Sarkozy am Ende ebenso zum Verhängnis wie seine magere Wirtschaftsbilanz mit hoher Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung.

Für die Sozialisten (PS) war der Weg zum Wahlsieg steinig: Erst stolperte der große Hoffnungsträger Dominique Strauss-Kahn im vergangenen Jahr über seine Sex-Affären. Danach musste sich das sozialistische Lager neu sortieren, denn Parteigrößen wie PS-Chefin Martine Aubry hatten ursprünglich zugunsten Strauss-Kahns auf eine Kandidatur verzichten wollen.

Schließlich gewann Hollande die Vorwahlen der Sozialisten, obwohl seine eigenen Parteifreunde ihn im internen Wahlkampf als "schlaff" attackiert hatten. Seine Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal stichelte: "Können die Franzosen eine Sache nennen, die er in 30 Jahren politischen Lebens geschafft hat?" Doch der wegen seines zurückhaltenden Auftretens oft unterschätzte Hollande schaffte es nicht nur, die Flügel seiner Partei hinter sich zu scharen, sondern auch seinen klaren Vorsprung gegenüber Sarkozy monatelang zu verteidigen.

Kommentare (26)

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Eurokrise

06.05.2012, 19:50 Uhr

Ich lache mich tot über den tumben, einfältigen deutscen Michel. Francois Hollande, hat angekündigt in Frankreich das Rentenalter von 62 Jahren auf 60 Jahre zurückzuführen. Frau Merkel hat erst vor wenigen Tagen gesagt, dass es ununmgänglich ist, dass wir Deutschen länger arbeiten müssen. Also gehen die Franzosen dann mit 60 in Rente und wir mit 67 oder 69 Jahren.
Wirklich toll. Und er tumbe, deutsche Michel wählt weiter SPD, CDU, FDP, Grüne etc. Siehe Wahl in SH . Diese vier Parteien haben dort über 80 % erzielt.

Wir Deutschen sollen alles in Europa bezahlen und um das zu können, muss das ja erwirtschaftet werden. Und dafür arbeiten wir Deutsche ja gerne länger als die anderen.

Der tumbe Deutsche Michel ist wohl generell sadomasochistisch veranlagt, aners kann man sich das nicht erklären.

Account gelöscht!

06.05.2012, 19:57 Uhr

Ein guter Tag für Europa um die sture Merkel endlich auf Spur zu bringen!

anonymus_007

06.05.2012, 19:59 Uhr

@Eurokrise
Ist doch logisch, dass die Deutschen länger arbeiten müssen. Sie sollen bzw. müssen doch alles bezahlen?!

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