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25.06.2011

17:17 Uhr

Literatur

Der brutale Kampf um die Macht

VonFrank Wiebe

In seinem neuen Buch erklärt Francis Fukuyama, wie die Welt zu ihren politischen Systemen gekommen ist. Und warum es der amerikanischen Demokratie an Entscheidungsfähigkeit mangelt.

Das neue Fukuyama-Buch. Quelle: Profile Books

Das neue Fukuyama-Buch.

DüsseldorfEs gehört schon Mut dazu, einen Bogen zu schlagen von unseren affenartigen Vorfahren bis zur Französischen Revolution und dabei den Blick über Europa, Amerika, Indien, China und Neuguinea schweifen zu lassen. Francis Fukuyama hat diesen Mut. In seinem voluminösen Werk „Die Ursprünge der politischen Ordnung“ erklärt er, wie die moderne politische Welt entstanden ist. Ein zweiter Band, der vom Ende des 18. Jahrhunderts bis heute reicht, ist in Planung.

Fukuyama ist ein großer Wurf gelungen, obwohl er zum Teil Themen seiner früheren Bücher aufgreift. Er zieht Erkenntnisse der Evolutionsbiologie, Völkerkunde, politischen Philosophie und der historischen Forschung heran und schafft daraus ein großes Bild. Man kann darauf wetten, dass ihm die Experten der Spezialdisziplinen hier und da Ungenauigkeiten vorwerfen werden oder die Tatsache, dass er ihnen längst bekannte Details publiziert – das ist bei so einem umfangreichen, grenzüberschreitenden Werk fast unvermeidlich.

Aber faszinierend ist das Bild trotzdem, das der Mann entwirft, der vor rund 20 Jahren – ebenfalls mutig, aber auch voreilig – das „Ende der Geschichte“ ausgerufen hatte. Und Fukuyama, Professor für internationale politische Ökonomie an der Johns-Hopkins-Universität, schafft es, seinen Stoff verständlich und spannend zu erzählen.

Die Grundthese ist recht einfach: Er sieht die Geschichte als ewigen Kampf zwischen dem Staat und einzelnen Interessen von Großfamilien, Stämmen oder Clans an. Anders gesagt: Nur da, wo es einer zentralen Regierung gelungen ist, die letztlich auf Familienbanden beruhenden Interessen in Schach zu halten, ist es überhaupt zur Bildung von Staaten im modernen Sinn gekommen. Dieser Prozess ist aus seiner Sicht bis heute weder abgeschlossen noch unumkehrbar.

Daraus ergeben sich zahlreiche Konsequenzen für das Verständnis der heutigen Welt. China hat laut Fukuyama schon vor rund 2000 Jahren eine starke Zentralgewalt aufgebaut, Indien dagegen bis heute nicht. So erklärt er den Unterschied zwischen dem heutigen autokratischen China und dem demokratischen, aber oft auch chaotischen und schwachen Indien.

Korruption und Vetternwirtschaft, die wir in der Regel als politische Verfallserscheinungen ansehen, sind für ihn eher eine Art Naturzustand, in dem Menschen eben für sich und diejenigen sorgen, die ihnen nahestehen. Die entscheidende Frage ist, ob und wie es gelingt, diesen Zustand zu überwinden. Und dafür gab es im Lauf der Zeit sehr verschiedene Strategien, die zum Teil aber auch mehr oder minder zufällig entstanden sind.

Kommentare (1)

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26.06.2011, 16:14 Uhr

Man muss sich fragen ob ich aus der Zukunft komme oder Fukuyama altes aufwärmt und als frisch verkauft. Natürlich wurden die meisten Götter und Religionen geschaffen um
die jeweiligen Herrscher zu schützen. Wenn über ihn noch ein mächtiges Wesen steht ja dann wird er ja kontrolliert.Das funktioniert in großen Teilen der Erde
immer noch. Alle Machthaber aber die sich anmaßten selber Gott zu sein oder von ihm abzustammen, haben daher früher oder später ihre Macht verloren. Das einzelne Individium steht auf verlorenen Posten. Nur in einer Gemeinschaft besteht die Möglichkeit zu bestehen. Der Staat Deutschland ist zum Beispiel durch Lobbyisten stramm durchorganisiert. Sie schreiben die jeweiligen Gesetze nach ihren Vorstellungen
und lassen es durch die jeweiligen Politiker als eigen.Kreation verkaufen. Der Verlierer ist der Bürger, der
egal wen er wählt immer von Lobbyisten regiert wird. Länder
die es schaffen statt Gott das eigene Land als Heiligtum zu verkaufen das es zu schützen gilt, haben einen Zusammenhalt der Bürger geschaffen der sehr stabil ist. Es längt von der Tatsache ab, dass Lobbyisten nur ein Land abzeptieren das ihren Vorstellungen entspricht und ihren Einnahmen. Europa hat keinen Zusammenhalt, es ist wie ein Mülleimer wo keine Mülltrennung stattfindet. Niemand
gewinnt Europa etwas warmes ab, nur die Lobbyisten die ihre eigene Suppe kochen und wenn sie noch so versalzen ist. Daher wird Europa auseinander fallen. China als Einheit und mit dem Zuspruch der überwiegenden Mehrheit seiner Menschen, wird als Sieger hervorgehen.Amerika wird in 20 -30 Jahren zerbröckeln. Als Tomatensuppe mit zu vielen Gewürzen. Am Ende wird Amerika tatsächlich aus 50 oder mehr Staaten bestehen die sich Spinnefeind sind.

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