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22.12.2013

15:13 Uhr

Live-Blog zur PK in Berlin

Chodorkowski bleibt in Deutschland

Großer Auftritt für Michail Chodorkowski: Der überraschend freigekommene Kreml-Gegner sprach heute in Berlin über seine Zukunftspläne, sein Verhältnis zu Putin und Erinnerungen an die Haft. Der Live-Blog zum Nachlesen.

Michail Chodorkowski in Berlin: „Wo wir leben werden, das werde ich mit meiner Frau besprechen“.

Michail Chodorkowski in Berlin: „Wo wir leben werden, das werde ich mit meiner Frau besprechen“.

BerlinNach zehn Jahren Haft und seiner spektakulären Begnadigung stellt sich Michail Chodorkowski heute erstmals der internationalen Presse. In Berlin will er sich am Sonntagmittag zu seinen Zukunftsplänen äußern. Chodorkowski saß ab 2003 im Gefängnis und wurde im Mai 2005 wegen Steuerhinterziehung zu neun Jahren Haft verurteilt. Im September 2005 reduzierte ein Revisionsgericht die Strafe auf acht Jahre. In einem zweiten Verfahren sprach ein Gericht den ehemaligen Chef des Ölkonzerns Yukos sowie seinen Geschäftspartner Platon Lebedew 2010 wegen Unterschlagung schuldig.

Am Freitag hatte Russlands Präsident Wladimir Putin Chodorkowski aus „humanitären Gründen“ begnadigt. Direkt nach der Entlassung flog der 50-Jährige nach Berlin, wo er auch seine Eltern und seinen ältesten Sohn traf. Am Vormittag hatte sich der Ex-Häftling zunächst mit einem kleinen Kreis von Journalisten getroffen und am frühen Nachmittag eine Pressekonferenz begonnen. Die Entwicklungen im Live-Blog.

+++ Chodorkowski will zunächst in Deutschland bleiben +++

Nach dem Wiedersehen mit seinen Eltern und seinem ältesten Sohn werden nun auch seine zweite Ehefrau Inna und die drei gemeinsamen Kinder in Berlin erwartet. Chodorkowski selbst wohnt derzeit im Hotel „Adlon“ am Brandenburger Tor. „Wo er künftig leben wird, lässt Chodorkowski offen. „Ich hatte bislang noch keine Möglichkeit, mich mit meinen Familienangehörigen zu beraten.“ Zunächst einmal wolle er in Deutschland bleiben. „Gerade vor 36 Stunden habe ich meine Freiheit wiedergewonnen. In dieser Zeit konnte ich keine Pläne für die Zukunft fassen.“

+++ Konferenz an historischem Ort +++

Chodorkowski wählte für seine Pressekonferenz das Berliner Mauermuseum. Er sei sich des „symbolischen Orts“ bewusst, sagt er. Das vor 50 Jahren eröffnete Museum passt zum Anlass: Das Haus am geschichtsträchtigen Checkpoint Charlie will seine Besucher für „Diskriminierungen, Verfolgungen, gesetzwidrige Freiheitsstrafen und Menschenrechtsverletzungen“ sensibilisieren und „zum Handeln“ bewegen. Das 1963 in einer Wohnung von dem Historiker Rainer Hildebrandt gegründet Museum war bis in die 80er Jahre immer wieder selbst Zufluchtsort für Oppositionelle. Seine Dokumentation der deutschen Teilung wird zuweilen als veraltet und ideologisch getrübt kritisiert.

+++ Chodorkowski dankt Genscher und Merkel +++

Im weiteren Verkauf der Pressekonferenz dankt Chodorkowski dem ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Hilfe bei seiner Freilassung. Ohne den Einsatz Merkels und die „Anstrengungen“ Genschers wäre er nicht in Freiheit. Durch die Bemühungen Genschers sei „ein Punkt erreicht“ worden, durch den „die Yukos-Sache“ an ein Ende kommen könne.

+++ Freiheit für Julia Julia Timoschenko gefordert +++

Angesichts der prowestlichen Massenproteste in der Ukraine fordert Chodorkowski die Freilassung der dort inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko. Er hoffe, dass der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch die frühere Regierungschefin in die Freiheit entlasse. Das Schicksal der schon mehrere Wochen lang von proeuropäischen Protesten erschütterten Ex-Sowjetrepublik lasse ihn nicht gleichgültig, weil er auch viele Verwandte in der Ukraine habe. Die EU und die USA fordern seit langem Timoschenkos Freilassung, die wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war.

+++ Chodorkowski will politischen Gefangenen helfen +++

Nach seiner Freilassung aus zehnjähriger Haft will sich Chodorkowski für politische Gefangene in Russland einsetzen. Er wolle alles tun, um auch ihnen zur Freiheit zu verhelfen, sagt er.

+++ „Sotschi nicht boykottieren“´+++

Chodorkowski spricht sich auf der Pressekonferenz im Berliner Mauermuseum gegen einen Boykott der ersten russischen Olympischen Winterspiele aus. Die Spiele in Sotschi seien ein „Fest des Sports“ für Millionen von Menschen. „Das sollte man nicht verderben“, Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass Kremlchef Putin das Spektakel nicht zu einem „persönlichen Fest für sich“ mache. Die Winterspiele werden am 7. Februar im russischen Schwarzmeerkurort Sotschi eröffnet. Mehrere Politiker, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, hatten wegen der Menschenrechtslage in Russland ihre Olympia-Reise abgesagt.

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