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30.04.2014

17:11 Uhr

Liveblog zum Nachlesen

„Russland könnte mehr tun“

Angela Merkel nimmt Russland in die Pflicht: Kremlchef Putin soll sich stärker für die Freilassung der OSZE-Beobachter einsetzen. Unterdessen versetzt die Führung in Kiew die Armee in „volle Kampfbereitschaft“.

Weitere Sanktionen möglich

Merkel schreckt vor Russland nicht zurück

Weitere Sanktionen möglich: Merkel schreckt vor Russland nicht zurück

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Die OSZE-Beobachter, die in der Ostukraine festgehalten werden, können auf eine baldige Freilassung hoffen – heute allerdings noch nicht. Unterdessen haben prorussische Separatisten weitere Verwaltungsgebäude in ihre Gewalt gebracht und die Führung in Kiew versetzt die ukrainische Armee in „volle Kampfbereitschaft". . Putin erwägt derweil, die annektierte Krim zu besuchen und der Internationale Währungsfonds sorgt sich um die russische Wirtschaft, traut dem Land in diesem Jahr nur noch ein Wachstum von 0,2 Prozent zu. Die Ereignisse des Tages im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Merkel verteidigt Strafmaßnahmen +++
Die Bundeskanzlerin hat sich unbeeindruckt von Drohungen russischer Gegensanktionen in der Ukraine-Krise gezeigt. „Wir haben keinen Grund, die beschlossenen Sanktionen infrage zustellen oder in einem anderen Lichte zu sehen“, sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor gedroht, sollte der Westen an seinen Sanktionen festhalten, müssten etwa Beteiligungen westlicher Firmen in Russland überprüft werden. „Die Sanktionen sind nicht irgendein Selbstzweck“, sagte Merkel. Sie seien von den USA, der EU und der G7 verhängt worden, weil Russland nicht helfe, „dem ukrainischen Volk zu seinem Selbstbestimmungsrecht und zu seiner territorialen Integrität zu verhelfen. Deshalb liegt es in jeder Sekunde und in jeder Minute auch in der Hand Russlands, die Entwicklung in der Ukraine zu befrieden."

+++ Kanzlerin pocht auf Wahl am 25. Mai +++
Die Bundeskanzlerin drohte Russland außerdem mit weiteren Sanktionen. Bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe am Mittwoch in Berlin legte Merkel großen Wert darauf, dass die Wahl eines neuen Präsidenten in der Ukraine wie geplant am 25. Mai stattfinden kann. Die ukrainische Bevölkerung „und niemand sonst“ müsse in fairen und freien Wahlen über die Zukunft des Landes entscheiden können.

+++ Merkel verlangt sofortige Freilassung +++
Die Bundeskanzlerin hat die sofortige Freilassung des Militärbeobachter-Teams verlangt, das im Osten der Ukraine verschleppt wurde. Deutschland bemühe sich derzeit „auf allen diplomatischen Kanälen“ um eine Lösung, sagte Angela Merkel am Mittwoch in Berlin. Dazu gehörten auch Gespräche mit dem Kreml in Moskau. „Russland könnte mehr tun“, sagte Merkel. „Dies wäre ein ganz wichtiges Zeichen für eine Deeskalation. Aber es müssen weitere Zeichen folgen.“

Beteiligungen deutscher Firmen in Russland

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau in Sibirien Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der europäischen Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land besonders robuste Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.


+++ Ukraine kündigt Militärübung mitten in Kiew an +++
Mitten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew will die Regierung ein Militärmanöver abhalten. Es werde in der Nacht zu Donnerstag stattfinden, teilt die ukrainische Regierung mit.


+++ Verhandlungen mit Separatisten sind „schwierig“ +++
Das Schicksal des verschleppten Teams von westlichen Militärbeobachtern im Osten der Ukraine ist weiter ungewiss. Das Auswärtige Amt sprach am Mittwoch von „schwierigen“ Verhandlungen zwischen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und den prorussischen Separatisten, die die Soldaten festhalten. Zu dem Team, dem vier Deutsche angehören, gebe es nach wie vor keinen direkten Kontakt. Zu Spekulationen über eine baldige Lösung sagte Ministeriumssprecher Martin Schäfer, er wolle für die Bundesregierung „keine Erwartungen äußern“.

+++ OSZE-Beobachter kommen heute noch nicht frei +++
Eine Freilassung der von prorussischen Separatisten festgehaltenen OSZE-Beobachter steht nach Angaben des selbsternannten Bürgermeisters von Slawjansk nicht unmittelbar bevor. Am Mittwoch werde es weitere Verhandlungen mit der OSZE geben, sagt Wjatscheslaw Ponomarjow „Bild Online“. „Wir sind in einem guten Dialog, aber ich denke nicht, dass es eine Freilassung schon heute oder morgen geben kann.“ Zu Russlands Präsident Wladimir Putin habe er noch keinen Kontakt gehabt.

Umfrage unter NRW-Unternehmen: Ukraine-Krise trifft deutsche Wirtschaft

Umfrage unter NRW-Unternehmen

Ukraine-Krise trifft deutsche Wirtschaft

Der Konflikt um die Ukraine macht sich zunehmend bei deutschen Unternehmen bemerkbar. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen gelten die Hauptsorgen dem Exportgeschäft.

+++ „Reale Gefahr eines Krieges“ mit Russland +++
Die Streitkräfte der Ukraine sind nach Angaben von Übergangspräsident Oleksander Turtschinow in „voller Kampfbereitschaft“. Bei einer Kabinettssitzung am Mittwoch in Kiew sagte Turtschinow, die Bedrohung durch einen von Russland angezettelten Krieg gegen die Ukraine sei real. Die ukrainische Streitkräfte wappneten sich gegen eine mögliche Invasion der an der Grenze zusammengezogenen russischen Truppen. Turtschinow sagte weiter, „oberstes Ziel“ der Regierung sei es, dass sich „der Terrorismus“ nicht von den östlichen Regionen Donezk und Lugansk auf den Rest des Landes weiter ausdehne. „Wir haben uns entschlossen, vor Ort Milizen zu gründen, die aus Freiwilligen aus jeder Region bestehen“, sagte der Übergangspräsident.

+++ Putin will die Krim besuchen +++
Russlands Präsident Wladimir Putin wird Medienberichten zufolge zum Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals die annektierte ukrainische Halbinsel Krim besuchen. Die Zeitung „Kommersant“ und die Nachrichtenseite „Gazeta.ru“ berichteten am Mittwoch, Putin könnte an der zum Jahrestag am 9. Mai abgehaltenen Militärparade im Schwarzmeerhafen Sewastopol teilnehmen. „Kommersant“ zitierte einen Vertreter des Verteidigungsministeriums mit der Aussage, der Besuch an dem Flottenstützpunkt müsse noch vom Kreml bestätigt werden. Den Berichten zufolge könnte Putin zunächst die Hauptparade auf dem Roten Platz in Moskau abnehmen, bevor er auf die Krim fliegt.

+++ OSZE-Mission war „Provokation oder Dummheit“ +++
Russlands Uno-Botschafter Witali Tschurkin hat am Mittwoch die Mission der festgesetzten OSZE-Militärbeobachter in der krisengeschüttelten Ukraine scharf kritisiert. „Diese Fahrt war entweder eine Provokation der Führung in Kiew oder – verzeihen Sie – eine Dummheit“, sagte Tschurkin der Agentur Itar-Tass in New York. „Wie kann man Offiziere in einen Bus setzen und ohne Absprachen in eine solche Region senden - ohne Dokumente, die ihren Status bestätigen?“ Moskau bemühe sich um eine Freilassung der Militärbeobachter aus der Gewalt der prorussischen Separatisten in Slawjansk, sagte Tschurkin.

+++ Regierungstreue Sicherheitskräfte rücken vor +++
Bei einer „Anti-Terror-Operation“ in der Ostukraine durchbrachen regierungstreue Sicherheitskräfte bei Slawjansk drei Straßensperren moskautreuer Aktivisten, wie die Führung in Kiew mitteilte. Beim Vorrücken der Einheiten habe es keine Verletzten gegeben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der früheren Sowjetrepublik.

Hochburgen prorussischer Milizen in der Ostukraine

Slawjansk

Die Industriestadt (110.000 Einwohner) in der Region Donezk.

Donezk

Die Hauptstadt der gleichnamigen Region (eine Million Einwohner) ist zugleich die Hauptstadt der von den Aktivisten ausgerufenen „Republik Donezk“. Das Gebäude der Regionalverwaltung wurde am 6. April besetzt, das Rathaus zehn Tage später.

Lugansk

Die Hauptstadt der Region Lugansk (400.000 Einwohner) wird von den Milizen auch als Hauptstadt der „Republik Lugansk“ bezeichnet. Die Geheimdienstzentrale ist seit dem 6. April besetzt, am 29. April stürmten prorussische Demonstranten zudem das Gebäude der Regionalverwaltung.

Kramatorsk

In der Nachbarstadt von Slawjansk (160.000 Einwohner) besetzten Aktivisten am 12. April erstmals das Rathaus. Auch ein Gebäude des Geheimdienstes ist in ihrer Gewalt. Ein ukrainischer Militärstützpunkt in der Nähe ist jedoch weiterhin unter Kontrolle ukrainischer Soldaten.

Weitere Städte

In diesen Städten sind die Rathäuser besetzt: Gorliwka (260.000 Einwohner), Makijiwka (360.000 Einwohner), Artemiwsk (78.000 Einwohner), Jenakijewe (85.000 Einwohner), Charzysk (60.000 Einwohner), Schdaniwka (14.000 Einwohner), Kirowsk (28.000 Einwohner), Tores (80.000 Einwohner), Kostjantyniwka (80.000 Einwohner)

+++ Separatisten besetzen offenbar weitere Gebäude +++
Prorussische Separatisten haben am Mittwoch weitere Regierungsgebäude im Osten der Ukraine besetzt. In Horliwka hätten sie praktisch ohne Widerstand der Polizei deren Einrichtungen und die der Verwaltung übernommen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Polizeikreisen in Donezk. Horliwka liegt etwas nördlich von Donezk und ist mit 300.000 Einwohnern etwa so groß wie Bonn. In Luhansk und Gorlowka besetzten hingegen prorussische Demonstranten am Morgen weitere Verwaltungsgebäude. In Gorlowka hinderten etwa 20 Bewaffnete die Angestellten des Stadtrats am Betreten des Hauses. In Lugansk stürmten Bewaffnete den örtlichen Sitz des Innenministeriums. Am Dienstag hatten Separatisten den Gouverneurssitz in Luhansk gestürmt. Ungeachtet der ukrainischen Militäroffensive gegen die Rebellen halten diese nun öffentliche Gebäude in etwa einem Dutzend Städten besetzt.

+++ OSZE-Beobachter können auf Freilassung hoffen +++
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Hoffnung geäußert, dass die von Separatisten in der Ostukraine festgehaltenen Militärbeobachter freikommen. Er setze darauf, dass die Ausländer die Region ungehindert verlassen können, sagte Putin nach Angaben der Agentur Interfax.

Militärbeobachter : Putin stellt Geiselfreilassung in Aussicht

Militärbeobachter

Putin stellt Geiselfreilassung in Aussicht

Hoffnung für die westlichen Militärbeobachter in Händen ukrainischer Separatisten: Präsident Putin stellt eine friedliche Lösung des Konflikts in Aussicht.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

30.04.2014, 11:38 Uhr

OSZE Beobachter haben garnicht zu warten, weil die garnicht "festgesetzt" wurden.

Account gelöscht!

30.04.2014, 11:47 Uhr

Zitat : Ungeachtet der ukrainischen Militäroffensive gegen die Rebellen halten diese nun öffentliche Gebäude in etwa einem Dutzend Städten besetzt.

. in Kiew können sich die Menschen aus den Süd-Ost-Regionen der Ukraine kein Gehör verschaffen bezüglich des Referendums.

Nun wird gehandelt.

Wen wundert es noch ?


Ach ja, unsere NATO-Lokalaussenstellen ( Systempresse ) und unsere Marionettenregierung.

Sonst keinen.

Der 11 Mai...Datum für die Volksbefragung, was den mit der Region geschieht, NAHT schon.

Die Präsidentschaftskandidaten aus der Region ziehen nach und nach ihre Kandidaturen zurück. Deutet auf einen Boykott der Präsidentschaftswahlen hin.

Wenn am 11 Mai das Votum fällt, eine unabhängige DON-REPUBLIK zu gründen, haben sich die Wahlen äh erledigt.

Good bye Ukraine. Die gab es mal.


.

Account gelöscht!

30.04.2014, 12:23 Uhr

alles Kommunisten und Kerry gibt den Oberkommunisten, das Putin sich daran seine FSB Machtpolitik ausweinen könnte: der Oberlordsiegelbewahrer von Gottes Gnaden Kerry bestätigt Putin.

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