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02.05.2014

18:36 Uhr

Liveblog zum Nachlesen

Zahlreiche Tote bei Offensive gegen Rebellen

Die ukrainische Armee greift die Separatisten-Hochburgen an. Die prorussischen Kräfte schlagen zurück. In der östlichen Stadt Slawjansk herrscht der Ausnahmezustand. Der Kreml will eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats.

Ein pro-russischer Rebellensoldat in Slawjansk.

Ein pro-russischer Rebellensoldat in Slawjansk.

In der Ostukraine gibt es Gefechte zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten. Es gibt laut Kiew zahlreiche Tote und Verletzte, die russische Führung bestätigt sechs Tote. Kremlchef Putin erklärt die Beschlüsse der Genfer Verhandlungen, auf denen ein Fahrplan für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts vereinbart wurde, für nichtig und fordert eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. Die Ereignisse des Tages im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Obama: Russland muss Einfluss auf Milizen nutzen +++

US-Präsident Barack Obama hat Russland aufgefordert, seinen Einfluss auf militärische Gruppen in der Ukraine geltend zu machen und sie zur Aufgabe zu bewegen. Russland müsse mit raschen weiteren Sanktionen rechnen, sollte sich die Lage in der Ukraine nicht stabilisieren, sagte Obama am Freitag in Washington auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Darüber sei er sich mit Merkel einig. Die für den 25. Mai geplante Wahl in der Ukraine dürfe nicht gestört werden, sagte Obama. Zudem müsse Russland darauf hinwirken, dass die von prorussischen Separatisten gefangengehaltenen sieben OSZE-Beobachter sofort freikämen.

+++ „Viele Tote“ bei Offensive im Osten des Landes +++

Bei der Offensive der ukrainischen Armee gegen prorussische Separatisten in der östlichen Stadt Slawjansk hat es nach ukrainischen Regierungsangaben zahlreiche Tote gegeben. Interimspräsident Oleksander Turtschinow sprach am Freitag von „vielen Toten" auf Seiten der Gegner Kiews. Turtschinow bestätigte zudem den Tod von zwei ukrainischen Soldaten. „Die Kriminellen haben viele Verluste erlitten: Viele wurden getötet, verwundet und es gibt viele Gefangene", sagte er in einer nationalen Fernsehansprache. Die prorussischen Kräfte sprachen dagegen von drei getöteten Kämpfern und drei toten Zivilisten. Turtschinow forderte Russland zur Zurückhaltung auf. „Ich appelliere an die Führung der Russischen Föderation: Stoppen Sie die Hysterie rund um die Vorgänge in der Ukraine." Slawjansk wird seit Wochen von prorussischen Milizen kontrolliert. Am frühen Freitagmorgen startete die ukrainische Armee die „aktive Phase" eines „Anti-Terror-Einsatzes" gegen die Separatisten in Slawjansk und Kramatorsk.

+++ Ein Toter und viele Verletzte auf beiden Seiten +++
In der südukrainischen Stadt Odessa hat es am Freitag Zusammenstöße zwischen Anhängern Moskaus und Kiews gegeben. Dabei ist ein Mann erschossen worden. Er sei in die Brust getroffen worden, teilt die Polizei in Odessa mit. Hunderte mit Schlagstöcken bewaffnete und mit Helmen geschützte prorussische Aktivisten griffen eine Demonstration von 1500 Unterstützern der ukrainischen Regierung an, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Dutzende Menschen auf beiden Seiten wurden verletzt. Die Polizei versuchte, die verfeindeten Gruppen zu trennen. Odessa war bislang von den Unruhen im Osten des Landes weitgehend verschont geblieben. Die Schwarzmeerstadt hat rund eine Millionen Einwohner.

+++ Ukrainische Führung räumt Probleme bei Offensive in Slawjansk ein +++
Die ukrainische Führung hat Probleme bei ihrer Offensive gegen prorussische Aktivisten bei der Stadt Slawjansk im Osten des Landes eingeräumt. Die Operation gehe „nicht so schnell voran wie wir uns das wünschen“, sagte Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Freitag einer Mitteilung zufolge. Grund sei, dass die „Terroristen“ sich in bewohnten Gebieten verschanzten und Zivilisten als Schutzschilde missbrauchten. Die Einsatzkräfte hätten aber alle Stellungen um die Stadt herum in ihre Gewalt gebracht und dem Gegner „schwere Verluste“ zugefügt, behauptete Turtschinow. Auf eigener Seite seien zwei Soldaten getötet und sieben verletzt worden.

+++ Ukrainisches Militär drängt prorussische Rebellen zurück +++
Bewaffnete russische Saboteure haben nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Alexander Turtschinow versucht, in der Nacht in die Ukraine einzudringen, wie am Freitagnachmittag bekannt wurde. Sie seien von ukrainischen Grenztruppen zurückgedrängt worden. Der Einsatz gegen pro-russische Separatisten in Slawjansk werde fortgesetzt.

+++ Moskau will Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats +++
Angesichts der Offensive der ukrainischen Armee im Osten des Landes beantragte Russland eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates in New York, wie UN-Diplomaten mitteilten. Das Gremium sollte gegen Mittag (Ortszeit) in öffentlicher Sitzung zusammentreten. Moskau begründete den Antrag demnach mit der "schweren Eskalation der Gewalt im Osten der Ukraine". Es ist bereits die 13 Sicherheitsratssitzung zu der Krise seit ihrem Beginn

++ Russland droht Ukraine mit Drosselung der Gaslieferung in Juni ++
Russland hat der Ukraine mit einer Drosselung der Gaslieferungen schon im Juni gedroht. Sollte die mit milliardenschweren Rechnungen in der Kreide stehende Regierung in Kiew im Mai keine Vorauszahlung leisten, werde der staatlich-kontrollierte Gazprom -Konzern weniger Gas liefern, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak am Freitag. Er äußerte sich in Warschau nach Verhandlungen mit seinem ukrainischen Kollegen Juri Prodan und EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Die Gas-Schulden des Nachbarlandes bezifferte Nowak auf rund 3,5 Milliarden Dollar. Prodan sagte, sein Land sei bereit, faire Marktpreise zu zahlen, nicht aber Gazproms jüngste Preiserhöhungen. Notfalls werde man den Fall vor ein Schiedsgericht bringen. Oettinger zufolge zeigten beide Seiten die Bereitschaft, eine ähnliche Eskalation wie in der politischen Krise in dem Gasstreit vermeiden zu wollen. Die EU deckt gut ein Drittel ihres Gas- und Ölverbrauchs mit Lieferungen aus Russland.

+++ US-Journalisten freigelassen +++
Ein Team des US-Fernsehsenders CBS ist nach mehreren Stunden, in denen es von pro-russischen Kräften in der Ostukraine festgehalten worden war, wieder frei. Die Reporterin Clarissa Ward und ihr Team waren am Morgen nahe der Stadt Slawjansk angehalten worden. „Man hat uns die Augen verbunden mit einer Art Masken und Klebeband um den Kopf gewickelt, und uns zu einem anderen Checkpoint gebracht“, sagte sie in einer Liveschalte am Mittag. Die militärischen Kräfte seinen sehr rigoros mit den Journalisten umgegangen, hätten sie teils auf russisch beschimpft. Das Team musste die Pässe abgeben, sich mit erhobenen Händen an eine Wand stellen. Die CBS-Mitarbeiter waren schließlich nach Geschlechtern getrennt worden und durften nicht miteinander sprechen.


++ Russland garantiert Europas Gasversorgung nur bis Ende Mai ++
Russland hat den Kunden in der Ukraine und in der gesamten EU eine ununterbrochene Versorgung mit Erdgas bis Ende Mai zugesichert. EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte am Freitag in Warschau nach Gesprächen mit den Energieministern Russlands und der Ukraine, Alexander Nowak und Juri Prodan, man hoffe, den Streit um ukrainische Gasschulden bei Russland und den künftigen Gaspreis bis dahin beenden zu können. Es seien zwei weitere Verhandlungen im Mai vorgesehen. „Es ist deutlich geworden, dass sowohl Gazprom als auch die ukrainischen Firmen alles tun wollen, um die Lieferverpflichtungen für die Märkte der Mitgliedsstaaten der EU zu erfüllen“, sagte Oettinger. „Garantieren kann man dies nicht“, räumte er ein. Alle Beteiligten hätten aber „zugesagt, dass keine Unterbrechungen stattfinden werden“.

+++ Von der Leyen besorgt um OSZE-Beobachter +++
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen äußert sich über die in Slawjansk festgehaltenen OSZE-Beobachter besorgt. Deren Zustand sei am Morgen den Umständen entsprechend gut gewesen. "Doch die Lage ist durch die jüngste Eskalation nicht einfacher geworden." Sie hoffe, dass die Bemühungen um eine Freilassung keinen Rückschlag erlitten.

Der eskalierende Machtkampf in der Ostukraine

Nach dem Sturz...

... der moskautreuen Führung in Kiew und dem Anschluss der Krim an Russland ist der Konflikt um die mehrheitlich russischsprachige Ostukraine eskaliert.

Erste Ausschreitungen...

... gibt es am 6. April. Bei Demonstrationen in der Ostukraine gibt es massive Ausschreitungen. Moskautreue Aktivisten besetzen Verwaltungsgebäude in den Millionenstädten Charkow und Donezk.

Die Besetzer...

... fordern am 7. April erstmalig Referenden über eine Abspaltung der Ostukraine von Kiew und rufen eine souveräne Volksrepublik aus. In weiteren Orten werden Gebäude besetzt.

Ein „Anti-Terror-Einsatz“...

... am 13. April gegen Separatisten in Slawjansk fordert Tote und Verletzte. In Charkow werden bei Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern einer Annäherung an Russland Dutzende verletzt.

Barack Obama...

... telefoniert am 14. April mit Kremlchef Wladimir Putin. Der US-Präsident äußert sich darin besorgt darüber, dass Moskau die prorussischen Separatisten unterstütze. Putin bestreitet eine Einmischung.

Ein Friedensplan...

... wird am 18. April bei einem internationalen Treffen in Genf beschlossen. Wichtigster Punkt: Die Separatisten sollen die Waffen niederlegen und besetzte Gebäude räumen.

Mit Panzern und Hubschraubern...

... gehen Regierungstruppen am 24. April bei Slawjansk gegen Separatisten vor. Putin verurteilte den Einsatz der ukrainischen Armee als „sehr ernstes Verbrechen“, das „Folgen“ für die Regierung in Kiew haben werde.

Militärbeobachter der OSZE...

... werden am 25. April von Separatisten in deren Gewalt gebracht, darunter sind vier Deutsche. In Slawjansk beschuldigt der örtliche Separatistenführer Wjatscheslaw Ponomarjow die Gruppe der Spionage.

Zurschaustellung der Geiseln...

...am 27. April. Die OSZE-Geiseln werden von Ponomarjow der Presse vorgeführt. Sie sollen gegen inhaftierte Separatisten ausgetauscht werden.

Neue Sanktionen...

... gegen Moskau verhängen die EU und die USA am 28. April aus Verärgerung über das Vorgehen Russlands gegen Moskau. Am selben Tag wird in Charkow der Bürgermeister durch einen Schuss schwer verletzt. Auf dem Militärflugplatz Kramatorsk beschießen Unbekannte Regierungseinheiten.

Die prorussischen Militanten...

... besetzen 30. April in Lugansk und Gorlowka weitere Gebäude. In Kiew räumt Übergangspräsident Alexander Turtschinow ein, die Kontrolle über Teile des Landes verloren zu haben.

Der Gegenschlag...

... von Kiew erfolgt am 2. Mai. Truppen der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und des Innenministeriums gehen in Slawjansk und Kramatorsk massiv gegen die Separatisten vor.

++ Moskau: Armeeeinsatz in der Ostukraine führt in „Katastrophe" +++
Die russische Regierung hat vor dramatischen Folgen des Vorgehens der ukrainischen Armee gegen Separatisten im Osten des Landes gewarnt. Der Einsatz gegen das eigene Volk führe das Land in die „Katastrophe“, erklärte das Außenministerium in Moskau am Freitag. Es warf der Regierung in Kiew vor, in der Stadt Slawjansk einen "Vergeltungseinsatz unter Beteiligung der Terroristen" der rechtsextremen Gruppierung Prawy Sektor gestartet zu haben.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

02.05.2014, 12:19 Uhr

Zitat : +++ Droht Einmarsch russischer Truppen? +++

- sobald die ersten Bilder mit gefallenen Zivilisten bei den Medien erscheinen, werden die Russen wohl eingreifen !

Das ist dann auch das Ende der Junta-Regierung, der Svoboda-Partei, des Rechten Sektors und sonstigen Ultranationalisten !

Dann kann man auf die Sanktionen gespannt sein.....?!!!!

.

Account gelöscht!

02.05.2014, 12:56 Uhr

Die Russen werden sicher nicht einmarschieren.
Vielleicht werden sie zum Schutz der Zivilbevölkerung eine Flugverbotszohne wie in Lybien errichten.
Auf das Gekreische des "Westens" bin ich jetzt schon gespannt.

Account gelöscht!

02.05.2014, 13:00 Uhr

Eine Flugverbotszone, das wäre geschickt.

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