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14.03.2014

00:19 Uhr

Liveblog zur Krim-Krise

Russland sperrt Putin-kritische Webseiten

Viele Deutsche glauben nicht daran, dass sich Russlands Präsident Putin von Sanktionen einschüchtern lässt. Stattdessen lässt der Kreml-Chef Kritiker mundtot machen. Der IWF verlängert indes seine Mission in der Ukraine.

Krim-Krise

Russland lässt Truppen aufmarschieren

Krim-Krise: Russland lässt Truppen aufmarschieren

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Offiziell hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hoffnung, Russland mit diplomatischen Mitteln zum Einlenken in der Krim-Krise bewegen zu können, noch nicht aufgegeben. Vor dem Bundestag hat sie ihre Strategie in einer Regierungserklärung erläutert. Die Ereignisse zum Nachlesen.

+++ Russland schaltet Internet-Seiten prominenter Putin-Kritiker ab +++

Russland hat die Internet-Seiten führender Kritiker von Präsident Wladimir Putin gesperrt. Auf Anordnung der Generalstaatsanwaltschaft seien am Donnerstag der Blog von Alexej Nawalni und die Internetzeitung von Garri Kasparow vom Netz genommen worden, erklärte die staatliche Aufsichtsbehörde Roskomnadsor. Auch die Seiten grani.ru und ej.ju wurden blockiert. Nawalni habe mit dem Blog gegen seinen Hausarrest verstoßen, hieß es zur Begründung. Auf der Seite des als Schach-Profi bekanntgewordenen Kreml-Kritikers Kasparow und den anderen beiden Websites werde zu illegalen Handlungen aufgerufen.

Ej.ru-Redakteur Alexander Ryklin sprach dagegen von einem Verstoß gegen die Meinungsfreiheit.

+++ IWF verlängert Mission in der Ukraine +++

Der Internationale Währungsfonds (IWF) verlängert seine Expertenmission in der Ukraine. Das Team habe „gute Fortschritte“ bei der Prüfung der Kassenlage gemacht und werde nun in Verhandlungen mit der Übergangsregierung in Kiew über ein Hilfspaket eintreten, teilte die IWF-Chefin Christine Lagarde am Donnerstag in Washington mit. Bis zum 21. März soll ein wirtschaftliches Reformprogramm stehen, das Voraussetzung für Finanzhilfen ist. Die Experten des Währungsfonds waren am 4. März in die Ukraine gereist, ihre Mission sollte ursprünglich bis Freitag dauern.

+++ SAP für Russland-Geschäft trotz Krim-Krise zuversichtlich +++

Europas größter Software-Konzern zeigt sich trotz der Ukraine-Krise zuversichtlich für sein Geschäft in Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken. Das Unternehmen erwarte in der Region 2014 ein Umsatzwachstum im prozentual zweistelligen Bereich, sagte der Chef von SAP in Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken, Wjatscheslaw Orechow, am Donnerstag vor Journalisten. Der Vertreter des Walldorfer Unternehmens betonte, SAP sei strikt gegen Sanktionen gegen die Regierung in Moskau im Streit um die Zukunft der Krim. Die USA und die Europäische Union haben sich bereits auf Strafmaßnahmen verständigt. Viele Firmen fürchten bei Sanktionen Geschäftseinbußen.

+++ Anführer der Krim-Tataren ruft Referendums-Boykott auf +++

Der Anführer der Krim-Tartaren hat zum Boykott der Volksabstimmung über die Zukunft der ukrainischen Halbinsel am Sonntag aufgerufen. „Wir rufen die Tartaren der Krim auf, das Referendum zu boykottieren“, sagte Mustafa Dschemilew am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Zugleich rief er die Nato auf, wie im Fall des Kosovos militärisch auf der Krim zu intervenieren, um „ein Massaker“ zu verhindern. Da eine Uno-Resolution zur Entsendung von Blauhelmen aufgrund des russischen Vetorechts unmöglich sei, müsse die Nato intervenieren, sagte Dschemilew.

Am Sonntag sind die Bewohner der ukrainischen Teilrepublik aufgerufen, darüber zu entscheiden, ob sie verstärkte Autonomie innerhalb der Ukraine haben oder sich der Russischen Föderation anschließen wollen. Es wird allgemein mit einer Mehrheit für einen Beitritt gerechnet. Die rund 1,5 Millionen Wahlberechtigten sind zu rund 60 Prozent russischer Abstammung, der Rest sind hauptsächlich Ukrainer und Tartaren. Die muslimische Minderheit, die aufgrund ihrer Geschichte Moskau mit Misstrauen gegenübersteht, stellt etwa zwölf bis 15 Prozent der Krim-Bewohner.

+++ Kerry: Krim keinen Atomkrieg wert +++

Vor dem Londoner Treffen mit Sergej Lawrow hat US-Außenminister John Kerry seinen russischen Amtskollegen gewarnt, dass eine weitere Eskalation in der Krim-Krise einen „Preis“ haben werde. Vor ihrem für Freitag geplanten Treffen hätten die beiden kurz miteinander telefoniert, teilte das US-Außenamt am Donnerstag mit. Zugleich stellte Kerry bei einer Anhörung im Kongress klar, dass die USA eine diplomatische Lösung des Konflikts vorziehen würden. „Glauben wir, dass die Krim einen Atomkrieg wert ist?“, reagierte er auf eine Frage im Außenausschuss des Repräsentantenhauses. Sowohl die USA als auch die US-Bürger hätten auf diese Frage eine klare Antwort.

+++ Präsident der Übergangsregierung spricht vor Uno +++

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hat Russland vorgeworfen, mit seiner Besetzung der Krim auch die Bemühungen um eine weltweite atomare Abrüstung zu unterlaufen. „Wir haben 1994 freiwillig auf unsere Atomwaffen verzichtet, dafür wurde unsere Unabhängigkeit und territoriale Unantastbarkeit garantiert“, sagte Jazenjuk am Donnerstag vor dem Uno-Sicherheitsrat in New York. Russland habe nun auch diese Verträge gebrochen. „Wie sollen wir jetzt noch ein Land davon überzeugen, dass es besser ist, keine nuklearen Waffen zu haben?“ Jazenjuk warf Russland vor, „ohne Grund, ohne Anlass“ in sein Land einmarschiert zu sein. „Wir sind einer militärischen Aggression unseres Nachbarn ausgesetzt. Es ist im 21. Jahrhundert aber inakzeptabel, Konflikte mit Soldatenstiefeln lösen zu wollen.“ Der Urheber des Konflikts sei eindeutig: „Es sind klar russische Streitkräfte mit russischen Nummernschildern auf ihren Fahrzeugen. Wir rufen Russland auf, seine Soldaten in die Kasernen zurückzurufen und echte Gespräche zu beginnen.“

+++ Ein Toter in Donezk +++

Bei Zusammenstößen zwischen prorussischen und prowestlichen Demonstranten im ostukrainischen Donezk ist ein Mensch offiziellen Angaben zufolge getötet worden. Mehrere weitere wurden am Donnerstag wegen diverser Verletzungen in einem Krankenhaus behandelt, wie die örtlichen Gesundheitsbehörden weiter mitteilten. Insgesamt seien mehrere Hundert Demonstranten aufeinander losgegangen. Die Polizei versuchte offenbar vergeblich, die beiden Gruppen auseinanderzuhalten. Wie das Todesopfer ums Leben kam, war zunächst nicht klar. Es ist das erste Mal, dass im Zuge der jüngsten Unruhen in der Ukraine Angaben vorlagen, wonach auch außerhalb der Hauptstadt Kiew ein Mensch durch die Gewalt ums Leben kam.

+++ OSZE: Russland stimmt Beobachtermission zu +++

Russland hat sich am Donnerstag nach Angaben des Schweizer OSZE-Botschafters Thomas Greminger erstmals für eine diplomatische Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in der Ukraine ausgesprochen. Verhandlungen mit Russland dazu hätten am Donnerstag begonnen, sagte er in Wien. Dabei gehe es um die Entsendung von rund 100 politischen OSZE-Beobachtern und Experten in das Nachbarland Russlands - auch auf die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim. Für eine diplomatische Beobachtermission der OSZE ist - anders als für die bereits durchgeführte militärische OSZE-Beobachtermission - die Zustimmung aller OSZE-Mitgliedsländer nötig. Russland war bislang das einzige der 57 Mitglieder, das eine solche Mission nicht unterstützte.

+++ Vorwurf: Hat Russland ein Flugzeug beschossen? +++

Die ukrainische Regierung hat Russland vorgeworfen, ein Aufklärungsflugzeug über der umstrittenen Halbinsel Krim beschossen zu haben. Das Feuer sei von einem Panzerwagen aus eröffnet worden, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Der Vorfall habe sich in der Nähe der Meeresenge ereignet, die das ukrainische Festland von der Halbinsel trennt. Es sei der zweite derartige Beschuss innerhalb von fünf Tagen gewesen. Ob es Schäden an der Maschine gab, erklärt die Regierung nicht.

+++ Kerry droht Russland +++

US-Außenminister John Kerry hat Russland im Falle einer Annektierung der ukrainischen Halbinsel Krim mit schweren Konsequenzen gedroht. Es würde am Montag „eine sehr ernsthafte Reihe von Schritten“ seitens der USA und der EU folgen, sollte Moskau ein Referendum zum Beitritt der Krim zu Russland akzeptieren, sagte Kerry am Donnerstag bei einer Anhörung im Kongress in Washington. Er hoffe, dass „die Vernunft obsiegen wird“, sagte der US-Chefdiplomat vor dem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Freitag in London. Die USA hätten „eine sehr klare Liste“ der Leute, die beim Scheitern der Diplomatie mit Sanktionen belegt werden könnten.

+++ Steinmeier: Vor Sonntag keine Bewegung +++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sieht vor dem Krim-Referendum an diesem Sonntag kaum noch Hoffnung auf eine diplomatische Lösung mit Russland. Das Treffen der Außenminister der USA und Russlands an diesem Freitag in London bezeichnete er am Donnerstag in Budapest als „vermutlich letzten Versuch“. „Aber mit dem, was sich jetzt am Boden tut, darf man im Augenblick keine großen Hoffnungen haben, dass sich noch vor dem Sonntag Entscheidendes bewegt.“ Steinmeier bekräftigte nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei, dass die EU bereits an Wirtschaftssanktionen gegen Russland arbeitet. „Wenn die Situation sich so weiterentwickelt, dass erkennbar wird, dass Russlands Interesse über die Krim hinaus geht, wird unvereinbar noch eine dritte Stufe von Maßnahmen erforderlich sein.“ Dabei werde die EU weiterhin geschlossen vorgehen. „Es wird nicht gelingen, uns in dieser Frage auseinanderzudividieren.“

+++ Bargeld-Transfer gerät vor Referendum ins Stocken +++
Die ukrainische Regierung schätzt das Bankenvermögen auf der Halbinsel Krim auf umgerechnet gut 1,5 Milliarden Euro. Im Falle einer Annexion der ukrainischen Halbinsel durch Russland könne ein Betrag von 20 bis 22 Milliarden Hryvnia (1,5 bis 1,7 Milliarden Euro) "verloren gehen", sagte der Gouverneur der ukrainischen Zentralbank, Stepan Kubiw, am Donnerstag vor Journalisten in Kiew. Dies entspreche den Guthaben und offenen Zahlungsverpflichtungen bei den gut tausend Bankfilialen auf der Krim.

Für Sonntag ist auf der Krim eine Volksabstimmung über eine Angliederung der Halbinsel an Russland geplant. Dabei wird mit einer Mehrheit für die Angliederung gerechnet. Der Transfer von Bargeld kam im Vorfeld des Referendums ins Stocken, wie Zentralbank-Chef Kubiw bestätigte. Mehr als 20 Banken sind auf der Krim mit Filialen vertreten.


+++ Wiener Polizei verhaftet ukrainischen Oligarchen +++

Der ukrainische Oligarch Dmitri Firtasch ist der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge in Wien verhaftet worden. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Das Wiener Bundeskriminalamt teilte am Donnerstag nur mit, auf Ersuchen von US-Behörden sei der 48-jährige Ukrainer Dmitri F. verhaftet worden. Das FBI habe schon seit 2006 gegen den Mann ermittelt. Dem Unternehmer wird Bestechung und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Festnahme soll der Polizei zufolge nicht mit der aktuellen Krise in der Ukraine im Zusammenhang stehen. Firtasch galt als Hauptsponsor für den Sieg von Viktor Janukowitsch bei der Präsidentenwahl in der Ukraine 2010.

+++ Gabriel warnt vor wirtschaftlichen Folgen der Krim-Krise +++

Die Krim-Krise zählt nach den Worten von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu den großen wirtschaftlichen Risiken. Die Bundesregierung versuche alles, um die dritte Stufe der Sanktionen und damit wirtschaftliche Strafmaßnahmen gegen Russland zu verhindern. Bei einer weiteren Eskalation müsse aber "eine klare Antwort des Westens" folgen.

+++ Putins Beliebtheitswerte in der Heimat steigen +++
Kremlchef Wladimir Putin gewinnt nach Jahren schwächelnder Zustimmungswerte mit seinem Ringen um die Schwarzmeer-Halbinsel Krim in Russland kräftig an Popularität. Einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts Wziom zufolge stieg die Zufriedenheit der Bürger erstmals seit drei Jahren über die Marke von 70 Prozent (71,6 Prozent). Neben dem möglichen Anschluss der Krim an Russland hätten auch Erfolge bei den Olympischen Winterspielen und bei den Paralympischen Spielen in Sotschi zum Anstieg der Werte beigetragen. Das teilte Wziom am Donnerstag mit.


+++ Russland verlegt sechs Kampfflugzeuge nach Weißrussland +++
Mitten in der Krim-Krise hat Russland sechs Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-27 und drei Militärtransporter in das autoritär regierte Weißrussland verlegt. Die Maschinen seien auf dem Stützpunkt Mogiljow östlich der Hauptstadt Minsk gelandet, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Kampfjets sollen Aufgaben der Aufklärung und Verteidigung erfüllen. Der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko hatte Russland die Stationierung angeboten. Die „Bruderstaaten“ sollten im Ukraine-Konflikt mit dem Westen „angemessen“ auf die Verlegung von US-Jets nach Polen und ins Baltikum reagieren, sagte er. Weißrussland grenzt sowohl an Russland als auch an die Ukraine.

+++ Russland kann Sanktionsspirale jederzeit stoppen +++
Russland kann nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Sanktionsspirale im Ukraine-Konflikt verhindern. Die russische Seite habe es jederzeit in der Hand, eine solche Spirale zu unterbinden, sagte sie in Berlin. „Wir werden unser Verhalten nicht auf Sanktionen beschränken.“ Die EU biete Russland vielmehr parallel immer wieder Gespräche an. „Außerdem werden wir sehr rational, sehr ruhig und sehr abgestimmt in Europa vorgehen“, betonte Merkel nach einem Treffen mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Bohuslav Sobotka.

+++ EU-Parlament fordert Rückzug russischer Truppen +++
Die Parlamentarier in Straßburg haben den sofortigen Rückzug aller russischer Streitkräfte aus der Ukraine gefordert. Die Volksvertretung verurteilte mit scharfen Worten die „Aggression Russlands in Form der Invasion der Krim“. Das am Sonntag geplante Referendum auf der Krim über den Beitritt zu Russland sei „illegitim und rechtswidrig“ und stehe „im Widerspruch zur Verfassung der Ukraine und zum Völkerrecht“, hieß es in einer fraktionsübergreifenden Entschließung. Die Parlamentarier befürworteten einhellig die Beschlüsse der EU-Regierungen, bei einer Eskalation weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

Krim-Krise alarmiert osteuropäische Länder

Polen

Polen hat sich als Nachbar der Ukraine früh an die Spitze der Initiativen gegen Russland gestellt. Präsident Bronislaw Komorowski forderte wegen des russischen Eingreifens in der Ukraine „Konsultationen gemäß Artikel 4 des Nato-Vertrages“. Dieser regelt das Vorgehen, wenn ein Mitgliedstaat die Unversehrtheit des Nato-Gebiets oder die Sicherheit bedroht sieht. Die Sicherheit Polens sei zwar nicht direkt bedroht, Russland habe aber zweifellos das Völkerrecht gebrochen, sagte Komorowski.

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski verurteilte die „Verletzung der ukrainischen Grenze“: „Weder Polen noch die Welt kann das tolerieren. Denn wir wissen, dass das Raubtier durch das Fressen immer noch mehr Appetit bekommt. Für die freie Welt ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein.“

Tschechien

Die Mitte-Links-Regierung in Prag verurteilte die „schleichende Besetzung“ der Schwarzmeer-Halbinsel Krim als einen Akt der Aggression. Er erinnere an den Sowjet-Einmarsch in Prag 1968. Der russische Botschafter wurde ins Außenamt zitiert, der nationale Sicherheitsrat kam zusammen. Auf EU-Ebene plädiert Tschechien für ein härteres Vorgehen gegen Russland und fordert einen sofortigen Stopp der Verhandlungen über Visa-Erleichterungen. Wirtschaftliche Sanktionen lehnt Ministerpräsident Bohuslav Sobotka indes ab, weil sie beide Seiten treffen würden.

Baltikum

Nach der russischen Aggression in der Ukraine wächst auch die Sorge in den drei kleinen Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen. Unmittelbar nach Beginn der Krim-Krise riefen sie ihre Nationalen Sicherheitsräte ein und verurteilten in scharfer Tonlage das Vorgehen Moskaus. Führende Politiker kritisierten auch die Reaktion der internationalen Gemeinschaft im Ukraine-Konflikt mitunter als „zögerlich“, „zu langsam“ und „feige“.

In allen drei Ländern diskutiert die Öffentlichkeit, inwieweit der Westen tatsächlich bereit wäre einzugreifen, sollte Russland etwa zum Schutz der starken russischen Minderheiten in Estland und Lettland ins Baltikum einmarschieren. Dabei überwiegt die Überzeugung, dass das militärische Machtstreben des Kremls an den Grenzen der drei EU- und Nato-Länder haltmachen würde. „Wir sind bereit, uns selbst zu verteidigen, und wir werden von der Nato geschützt“, sagte Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite bei einer Visite auf dem litauischen Militärflugplatz in Zokniai. Dort werden die USA auf gemeinsame Bitte der drei Länder zusätzliche Kampfjets für die Nato-Mission zur Sicherung des baltischen Luftraums stationieren.

Slowakei

Die Slowakei befindet sich als direktes Nachbarland der Ukraine in einer Zwickmühle. Einerseits verurteilte Regierungschef Robert Fico den russischen „Bruch des Völkerrechts“ und betonte mehrfach, sein Land werde alle Maßnahmen der EU gegen Russland mittragen. Auch an einer OSZE-Inspektionsgruppe in der Ukraine beteiligt sich die Slowakei. Andererseits würden Wirtschaftssanktionen auch die Slowakei selbst treffen. Nicht nur wegen ihrer Abhängigkeit von russischen Gasimporten, sondern auch weil der russische Markt für slowakische Firmen - allen voran Volkswagen Slovakia als größter Exporteur – immer wichtiger wird.

Bulgarien

Bulgarien fürchtet wegen des Ukraine-Konflikts um seine Energielieferungen aus Russland. Ein Krisenstab wurde einberufen, um die Risiken zu erörtern. Das EU-Land ist im Energiebereich noch immer fast komplett von Russland abhängig. Die Regierung der Sozialisten wollte wohl deswegen eine Stellungnahme zum Ukraine-Konflikt abwarten und sehen, was der EU-Sondergipfel beschließt. Der bürgerliche Staatschef Rossen Plewneliew verurteilte dagegen die „Anwendung militärischer Gewalt zur Okkupation von fremden Staatsgebieten“. In der Ukraine leben mehr als 200 000 ethnische Bulgaren, die auf den Gebrauch der Muttersprache bestehen.

+++Verbannter Krim-Präsident auf Halbinsel zurückgekehrt+++

Gut zweieinhalb Jahre nach seiner Verbannung ist der prorussische Ex-Präsident der Krim pünktlich zum Russland-Referendum auf die Halbinsel zurückgekehrt. Er sei bereit, sein früheres Amt wieder zu übernehmen, sagte Juri Meschkow am Donnerstag in der Hauptstadt Simferopol. Er hatte im Juli 2011 zu einer Volksbefragung aufgerufen wie sie nun am Sonntag stattfindet. Daraufhin verhängte ein ukrainisches Gericht ein fünfjähriges Einreiseverbot wegen „separatistischer Umtriebe“.

++ OECD stoppt Beitrittsverhandlungen mit Russland ++
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung legt ihre Beitrittsverhandlungen mit Russland vorerst auf Eis. Der OECD-Rat sei damit einem Antrag der 34 Mitgliedstaaten gefolgt, teilte die Organisation in Paris mit. Der russische Präsident Wladimir Putin wiederum hat den Vorwurf zurückgewiesen, er habe die Krise in der Ukraine bewusst eskalieren lassen. Russland sei nicht der Anstifter der jüngsten Entwicklungen, erklärt Putin in Sotschi.

Kommentare (82)

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13.03.2014, 08:01 Uhr

Putin empfindet die EU sowie auch die NATO Russland gegenüber als "agressiv" und hat aufgrund der "Entwicklung" den Fehler von 1954 korrigiert, da die Krim für Russland militärisch unverzichtbar ist.
Man wird mit Russland "realpolitisch" Vieles vereinbaren können, wenn die NATO außerhalb der Rest-Ukraine bleibt.
Was sollen "Sanktionen" bewirken ? Soll Russland dadurch gezwungen werden, seine Sicherheitsinteressen zu opfern ??
Das wird ein vergebliches Unterfangen sein.
Der Westen hat die Wahl : Entweder er arrangiert sich mit Russland oder Russland wird sich in der Zukunft politisch und wirtschaftlich nach Osten und Südosten orientieren.

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13.03.2014, 08:04 Uhr

Das Angela Merkel die mächtigste Frau der Welt ist, wird auch noch von den Medien verbreitet und den einfachen Bürger suggeriert er wird gut geführt. Die Wahrheit sieht anders aus. Hier steht eine Kanzlerin die ständig abgehört wurde und wird wie alle wichtigen Minister und somit ist Angela Merkel natürlich mächtig. Sie ist die mächtigste Marionette der mächtigsten Nation USA. Aber der Hintergrund ist noch schlimmer. Hinterlistig wie die USA sich in den letzten Jahren aufführen, brauchen sie immer wieder Täter. Sollte die Krim Krise die keine ist eskalieren , dann hat wer schuld? Richtig..Deutschland !

Sanktionen gegen Putin kommt einer schweren Beleidigung des gesamten russsischen Volkes nach. Wäre ich an Putin stelle, würde ich erst einmal das Multikultiland Deutschland mit 16 Millionen Migranten destabilisieren , im nächsten Winter Gas und Öllieferungen einstellen und Reisen von Bundesbürgern nach Russland verbieten. Die kleinen EU Staaten dürften weiter reisen. Dann Bulgarien einladen der Förderation Beizutreten, denn die EU ist kein Vorteil für Bulgaren nur für Sinti und Roma und Bulgarische Türken die nach Deutschland können. Die Deutschen müssen aufpassen, wir werden dank einer Kanzlerin die eine Ouanten Sprache spricht, zusammen von den anderen Parteien verraten. Hört mit den Unsinn auf zu sagen, Angela merkel sei die mächtigste Frau der Welt. Was hat sie machtvolles hinter sich?

Account gelöscht!

13.03.2014, 08:24 Uhr

@

Zitat : Hier steht eine Kanzlerin die ständig abgehört wurde

- und auch weiterhin abgehört wird !

Die GEZ-Medien suggerieren dem Volk aber weiterhin die Lüge, dass Merkel mit den mächtigen "TELEFONIERT"...?

Lachnummer einer FDJ-Aktivistin in den Reihen der Schwarzen Christ-Dilettanten !

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