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19.10.2016

15:45 Uhr

Lob für Merkel in seinem Buch

Hollande schwärmt von der Kanzlerin

VonThomas Hanke

In einem Buch des französischen Präsidenten bekommen alle ihr Fett weg – sogar seine eigene Freundin. Damit macht sich Hollande fast unwählbar. Nur für zwei Menschen hegt er Sympathie: Angela Merkel und ihren Mann.

Merkel vor Putins Berlin-Besuch

Lage in Syrien „ist desaströser geworden, ganz klar durch russische Angriffe“

Merkel vor Putins Berlin-Besuch: Lage in Syrien „ist desaströser geworden, ganz klar durch russische Angriffe“

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Eine vertrauensvolle Beziehung oder gar Freundschaft mit Angela Merkel wurde François Hollande nicht in die Wahlurne gelegt. Er gewann die Wahl unter anderem durch das Versprechen, gegen Merkel die EU „neu zu orientieren“ und den von der Kanzlerin geprägten EU-Fiskalvertrag zu revidieren. Wenige Monate nach Amtsantritt ließ Hollande eine Resolution der Sozialisten passieren, die forderte, „die Konfrontation mit Merkel“ zu suchen. Das klang wie der Abgesang auf die deutsch-französische Freundschaft.

Das war voreilig, wie man an der guten Zusammenarbeit der beiden Spitzenpolitiker – vor allem in der Ukraine-Krise, aber auch in Sachen Griechenland – gesehen hat. Umso gespannter war man darauf, was Hollande in dem Gesprächsbuch, geschrieben von zwei Journalisten der Zeitung Le Monde, über Merkel sagen würde. Darin watscht der Präsident alle möglichen Persönlichkeiten, selbst ganze Völker, auf eine Art ab, die dem Titel des Buches alle Ehre macht: „Das sollte ein Präsident nicht sagen…“

Richter sind für ihn Vertreter eines „Systems der Feigheit“, Sarkozy bewundert er sarkastisch „für seine Vulgarität“, über Giscard d’Estaing offenbart er, dass der ihn bat, die Kanzlerin von den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie auszuschließen. Putin schildert er als misstrauisch und hochfahrend, Barack Obama als jemanden, „der lange braucht, um sich zu entscheiden.“ Die Griechen seien „kollektiv dafür verantwortlich“, dass sie „verantwortungslos gehandelt“ hätten. Über den amtierenden Premier Tsipras sagt er gar, der habe aus dem Euro ausscheiden wollen – eine Behauptung, die in Athen zu einer kleinen Krise geführt hat.

Frankreich

Bruttoinlandsprodukt

Nach Daten des IMF betrug das französische BIP im vergangenen Jahr rund 2,42 Billionen US-Dollar. Im europäischen Vergleich steht das Land damit an dritter Stelle hinter Spitzenreiter Deutschland und Großbritannien. Was zunächst positiv klingt, erscheint mit Blick in die frühe Vergangenheit gar nicht mehr allzu rosig. Nur ein Jahr zuvor hatte das Bruttoinlandsprodukt noch fast 400 Milliarden US-Dollar mehr auf dem Konto – und stand damit auch vor dem Vereinigten Königreich. Vom Allzeithoch aus dem Jahr 2008 (2,94 Billionen US-Dollar) ist Frankreich ein gutes Stück entfernt.

Einwohnerzahl

Im „französischen Mutterland“ lebten zu Beginn des zurückliegenden Jahres 64.204.247 Menschen. Nimmt man die Überseedépartements Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion und Mayotte hinzu, kommt die französische Republik auf über 66,3 Millionen Einwohner. Einer Prognose von Eurostat zufolge wird das zweitbevölkerungsreichste Land Europas bis 2050 sehr nah an die künftigen Zahlen aus Deutschland herankommen – knapp über 74 Millionen Menschen sollen beide Staaten dann jeweils beherbergen.

Bevölkerungsdichte

Mit rund 550 km² ist Frankreich auch ohne die dazugehörigen Überseeinseln und -gebiete bereits das flächenmäßig größte Land in Europa. Dementsprechend viel Platz steht den zahlreichen Franzosen zur Verfügung, was sich auf die Bevölkerungsdichte auswirkt. Mit 117 Einwohnern pro Quadratkilometer befindet sich die Republik so nah am EU-weiten Durchschnitt (116,3) wie kein anderes europäisches Land.

Staatsoberhaupt

Mit der Annahme einer neuen Verfassung im Oktober 1958 wurde in Frankreich die sogenannte „Fünfte Republik“ eingeführt. Beginnend mit Charles de Gaulle standen seither sieben Präsidenten an der Spitze des Staates. Seit Mitte 2012 hat François Hollande das höchste Amt inne, der nach der erfolgreichen Wahl den bis dahin amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy vorzeitig ablöste.

Nationalhymne

Die „Marseillaise“ ist seit 1795 die offizielle französische Nationalhymne. Drei Jahre zuvor wurde sie von Claude Joseph Rouget de Lisle verfasst – allerdings als Kriegserklärung an Österreich. Unter dem Titel „Chant de guerre pour l’armée du Rhin“ („Kriegslied für die Rheinarmee“) war sie dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, Nikolaus von Luckner, gewidmet und ertönt bis heute in dessen Geburtsort, Cham in der Oberpflaz, täglich als Glockenspiel auf dem Marktplatz. Das Lied wurde beim Einzug in Paris von Soldaten aus Marseille gesungen, wodurch der bekannte Titel zustande kam.

Das Problem mit den Rechten

Der Name der rechtsradikalen Partei Front National tauchte in der jüngsten Vergangenheit häufig in den Medien auf. Dabei konnte die Partei rund um deren Vorsitzende Marine Le Pen bereits in den 1980er Jahren erste Erfolge verbuchen – und das aus denselben Gründen wie heute. Der wirtschaftliche Pessimismus innerhalb des Landes brachte dem FN zweimal in Folge mindestens einen Sitz in der Nationalversammlung. Aus der Europawahl 2014 ging der FN mit 24,86% der Stimmen als Sieger unter den französischen Parteien hervor. Bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahr werden Le Pen gute Ergebnisse prognostiziert – wenngleich es nicht ganz für das Amt reichen solle.

Französische Revolution

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ist nicht nur der Wahlspruch der Republik Haiti sowie der heutigen Französischen Republik, sondern auch das Motto der Französischen Revolution, die ab 1789 grundlegende Werte und Ideen der Aufklärung propagierte und umsetzte. Sie hatte signifikante gesellschaftspolitische Veränderungen auf dem ganzen Kontinent zur Folge. Die heutige französische Verfassung verweist auf die zu jener Zeit entstandene „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ und enthält sonst keinen eigenen Grundrechtekatalog.

Indiskreter hat sich noch kein führender Politiker über seine Kollegen geäußert. Erst recht nicht, wenn er noch im Amt ist. Nicht nur erstaunlich, sondern peinlich ist, wie detailliert er sich über seine Beziehung zu Julie Gayet äußert. „Es gibt keine Fotos von ihr mit mir im Elysée“, sagt er. (Was nicht einmal stimmt, es gab welche.) Er sehe sie oft, aber nicht so oft, wie es beiden lieb wäre. Denn er habe sich dagegen entschieden, ihr eine Rolle als offizielle Lebensgefährtin des Präsidenten zu geben, wie Valérie Trierweiler es war. Dabei wolle Gayet diese Rolle: „Sie brennt darauf, aber das kommt nicht in Frage.“

Sollte er wiedergewählt werden, müsse sie noch mal fünf Jahre im Schatten warten. Denn alles andere würde ihm angekreidet als Versuch, die Öffentlichkeit mit einer privaten Geschichte zu beeinflussen. Umständlich erklärt er den Journalisten, wie er die Beziehung sieht. Auf die Frage, ob es gerechtfertigt sei, Gayet als seine Partnerin anzusehen, antwortet er: „Ja, das ist es. Aber es bleibt (in der Öffentlichkeit) eine vermutete Beziehung, und ich sorge dafür, dass es dabei bleibt.“ Verdrehter geht es kaum.

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