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17.10.2014

18:33 Uhr

Lokale Medien berichten

Deutsche Geiseln auf den Philippinen freigelassen

Die zwei entführten Deutschen auf den Philippinen sind nach Berichten eines lokalen Radiosenders frei. Das von den Terroristen geforderte Lösegeld sei gezahlt worden. Die Quelle des Geldes ist noch unklar.

Auf den Philippinen sind zwei deutsche Geiseln in die Hände der islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf geraten. Reuters

Auf den Philippinen sind zwei deutsche Geiseln in die Hände der islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf geraten.

ManilaZwei auf den Philippinen entführte Deutsche sind nach sechs Monaten in der Hand von Islamisten wieder frei: Das bestätigte die örtliche Polizei auf den Philippinen am Freitag. Der 72 Jahre alte, aus dem Rheingau stammende Arzt und seine 55 Jahre alte Lebensgefährtin waren im April während einer Segeltour westlich der Philippinen verschleppt worden.

Die Kidnapper der islamistischen Terror-Organisation Abu Sayyaf hatten gedroht, den Rentner zu enthaupten, sollte das geforderte Lösegeld von vier Millionen Euro bis Freitag nicht gezahlt werden. Zunächst blieb unklar, ob Geld geflossen ist oder das Militär die Verschleppten befreit hat.

„Sie sind jetzt in Sicherheit in einem Militärcamp“, sagte Roberto Fajardo, Chef einer Anti-Kidnapping-Einsatzgruppe der philippinischen Polizei. Der 72-Jährige und seine Lebensgefährtin seien von Polizisten in der Stadt Patikul auf der Insel Jolo in Empfang genommen worden. Der Stabschef des philippinischen Heeres sagte, die beiden würden im Camp zunächst medizinischen Tests unterzogen. „Dann werden sie in die (nahe gelegene) Stadt Zamboanga gebracht, wo sie weiter medizinisch betreut werden, während sie auf den nächstmöglichen Flug nach Manila warten“, erklärte Gregorio Catapang.

Aus dem Auswärtigen Amt gab es zu den neuen Berichten zunächst keine Stellungnahme. Einen Tag vor Ablauf des Ultimatums der Islamisten war der Krisenbeauftragte des Ministeriums, Rüdiger König (57), zu Gesprächen über die Freilassung auf den Philippinen eingetroffen.

Ein Sprecher der Terrorgruppe betonte in einem Radiointerview, die vor sechs Monaten gekidnappten Deutschen seien gegen Zahlung der geforderten Summe freigelassen worden. „Wir haben das Lösegeld erhalten, keinen einzigen Centavo mehr, keinen weniger“, sagte der Abu-Sayyaf-Sprecher, der sich Abu Rami nennt, dem Sender DXRZ mit Sitz in der Stadt Zamboanga am Freitag in einem Interview weiter.

Islamischer Staat: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

Philippinische Streitkräfte waren nach dpa-Informationen zuvor eingeschritten, um die Geiseln aus der Hand der Islamisten zu befreien. „Ein Bataillon ist eingerückt“, sagte ein Angehöriger der Streitkräfte, der anonym bleiben wollte. Er sprach von einer „einer Art Rettungsaktion“.

Abu Rami sagte in dem Radiointerview: „Militärische Einheiten umkreisten unser Camp, als wollten sie versuchen, die Geiseln zu befreien.“ Der Abu-Sayyaf-Sprecher sagte weiter: „Ich wurde so wütend.“ Er habe das Militär gewarnt: „Wenn der Person vor dem Ende des Ultimatums etwas zustößt, sollte die Öffentlichkeit die Regierung der Philippinen dafür verantwortlich machen.“ Rund drei Stunden vor Ablauf des Ultimatums habe er einen Anruf erhalten. Der Mann am anderen Ende der Leitung habe ihm gesagt, er solle auf das Lösegeld warten.

Kommentare (7)

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Herr Teito Klein

17.10.2014, 15:35 Uhr

Lösegeld für deutsche Geisel gezahlt
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Deutsche sind als Geiseln weltweit beliebt, denn Deutschland zahlt immer, auch wenn sie es abstreiten.
Als Anzahlung gab's schon mal eine Million Euro, der Rest wird folgen.

Zuvor hatten die Entführer von einer möglichen Fristverlängerung um zwei Stunden gesprochen - aber nur, wenn jemand anrufe und das geforderte Lösegeld verspreche. "Wenn wir keinen Anruf erhalten, wird der deutsche Mann hingerichtet", sagte der Abu-Sayyaf-Sprecher dem örtlichen Rundfunksender DXRZ in der Stadt Zamboanga.

Dieser Anruf ist wohl erfolgt.
Auf der Bundespressekonferenz in Berlin bestätigte das Auswärtige Amt, dass der Krisenbeauftragte Rüdiger König vor Ort sei. Er hat das Lösegeld dabei.

Frau Ute Umlauf

17.10.2014, 16:19 Uhr

Dieses Geld ist gut angelegt.

Herr Robert Tichauer

17.10.2014, 16:41 Uhr

Ich denke, dieses Geld ist gar nicht "gut angelegt", Frau Popova. Ermuntert es doch Nachahmer und bringt andere Deutsche in zusätzliche Gefahr.
Winston Churchill hat über seine Maxime bei Verhandlungen mit Nazi Deutschland gesagt: "Never, never, never give in!" - gebe niemals nach! Dies sollten auch die deutschen Unterhändler beherzigen, so schmerzlich es in Einzelfällen auch sein würde.

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