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17.08.2012

12:33 Uhr

Lomin-Aktie bricht ein

Polizisten töten 30 streikende Minenarbeiter

Bei einem Streik von Minenarbeitern ist es in Südafrika offensichtlich zu einem heftigen Ausbruch von Polizeigewalt gekommen. 30 Menschen sollen getötet worden sein. Für Minenbetreiber Lomin bleibt das nicht folgenlos.

Polizisten umringen Tote und verletzte Minenarbeiter. dapd

Polizisten umringen Tote und verletzte Minenarbeiter.

JohannesburgBeim gewaltsamen Polizeieinsatz gegen streikende südafrikanische Bergleute sind mehr als 30 Menschen getötet worden. Polizeiminister Nathi Mthethwa bestätigte am Freitag nach mehr als zwölfstündigem offiziellem Schweigen den Tod von mindestens 30 Arbeitern in einer Platinzeche des Lonmin -Konzerns 100 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. Die Polizisten hatten am Vortag das Feuer auf etwa 3000 mit Macheten und Knüppeln bewaffnete Kumpel eröffnet, die sich weigerten auseinanderzugehen. Mthethwa verteidigte den Einsatz, der in seiner Härte an die Polizeibrutalität an das Apartheidsregime der weißen Minderheit erinnerte. Aus der Menge heraus sei auf die Beamten geschossen worden, die zurückgeschossen hätten.

Präsident Jacob Zuma äußerte sich entsetzt über den Polizeieinsatz. Hunderte schwer bewaffnete Polizisten sicherten am Freitag das Zechengelände ab. Zu ihrer Unterstützung waren gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz und kreisten Hubschrauber am Himmel. Mitarbeiter der Kriminalpolizei suchten am Tatort nach Beweismitteln und sammelten blutbeschmierte Macheten und Speere ein.

Der in London ansässige Lonmin-Konzern stellte in seinen Platinwerken, die zwölf Prozent zur weltweiten Förderung des Edelmetalls beitragen, die Produktion ein. Der Aktienkurs des Unternehmens stürzte seit der Eskalation eines Streits zweier rivalisierender Gewerkschaften um mehr als 13 Prozent ab. Die streikenden Arbeiter gehören einer neuen Gewerkschaft an, die gegen die Dominanz der mächtigen National Union of Mineworkers opponiert, die eng mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbündet ist. Bereits vor dem tödlichen Einsatz am Donnerstag waren bei Kämpfen zwischen den verfeindeten Arbeiterorganisationen zehn Menschen, darunter zwei Polizisten zu Tode gekommen.

Die Aktien des Minenbetreibers Lonmin schickten die Meldungen am Freitag erneut in den Keller. Die Titel brachen in der Spitze um 8,6 Prozent auf 592,5 Pence ein. Dies ist der niedrigste Stand seit knapp vier Jahren. Damit haben die Papiere binnen zwei Tagen knapp 15 Prozent an Wert verloren - so viel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte. Der Streik in der südafrikanischen Platin-Mine Marikana trieb unterdessen den Preis für Platin auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 1456,50 Dollar je Feinunze.

Von

rtr

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