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11.01.2014

18:21 Uhr

London

Sechs Flughäfen sind nicht genug

VonMatthias Thibaut

London hat das größte Flughafensystem der Welt – und platzt trotzdem aus allen Nähten. Der politische Streit um den Kapazitätsausbau tobt seit Jahrzehnten – und wird noch lange weitergehen.

Stau auf dem Flughafen Heathrow: Der Flughafen in London ist ausgelastet. dpa

Stau auf dem Flughafen Heathrow: Der Flughafen in London ist ausgelastet.

Flugkapitän William „Jock“ Lowe hatte seinen Geistesblitz vor 25 Jahren. Bei einem Dinner in Dubai zeichnete er neue Landebahnen für Heathrow auf eine Serviette. Könnte der Vorschlag des früheren Concorde Piloten nun die Karten in Londons seit Jahren heiß gefochtenen Flughafenstreit neu mischen und dem von vielen schon abgeschriebenen Flughafen London Heathrow eine glorreiche neue Zukunft bescheren?

Lowes unkonventioneller Gedanke: Aus eins mach zwei. Heathrows Landebahnen würden in der Länge verdoppelt und nach Westen vorangetrieben – über die berüchtigte Ringautobahn M25, über die Wasserreservoirs, die man beim Start in Heathrow überfliegt, Richtung Windsor Castle, den Landsitz der Queen. Auf den auf 7,5 Kilometer verlängerten Landebahnen könnten Flugzeuge gleichzeitig starten und landen – Einflug von Osten über London am einen Ende, Start von der Mitte der Landebahn aus nach Westen. Statt wie jetzt 70 Millionen könnte Heathrow 140 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen, statt 480.000 Flüge im Jahr könnte die Kapazität auf fast eine Million vergrößert werden. Und ein Gutteil des Fluglärms würde aus dem dicht besiedelten Flughafengebiet nach Westen verlagert. London Heathrow hätte de facto vier Landebahnen und das, was der Stadt fehlt: eine international wettbewerbsfähige Flugdrehscheibe.

Heathrow ist zu 98,5 Prozent ausgelastet – aber Londons gesamtes Airport-System platzt aus allen Nähten. Londons sechs Flughäfen – Heathrow, Gatwick, Stansted, City und Southend befördern jährlich 135 Millionen Passagiere – mehr als jedes andere „Flughafensystem“ der Welt. Aber wenn Schnee fällt, wenn, wie dieses Jahr, Regen die Felder überspült und der Strom ausfällt, wenn ein Vulkan ausbricht – die geringste Störung führt zu Chaos im Luftraum London mit Folgen für das ganze europäische Netz. Als dieses Jahr über Weihnachten Stromausfälle am Flughafen Gatwick für Chaos sorgten, sah man: Auch Gatwick ist de facto „voll“ – mit 85 Prozent Auslastung im Regelbetrieb.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Die von der britischen Regierung eingesetzte „Airports-Kommission“, die im Dezember einen Zwischenbericht vorlegte, glaubt, dass spätestens 2030 eine und bis 2050 wahrscheinlich eine zweite Startbahn notwendig sind. Aber wo? Die Planung müsste bald beginnen. Und geht es nur um neue Startbahnen, oder braucht London einen wirklichen Umsteiger Flughafen, der mit aufstrebenden Flugdrehscheiben in Amsterdam, Frankfurt, Paris oder Dubai konkurrieren kann? „Wir dürfen den Kopf nicht mehr länger in den Sand stecken“, warnen britische Unternehmer, die zu oft, wenn sie zum Beispiel nach China fliegen, an diesen neuen Flugnaben umsteigen müssen, weil London nicht mehr genug Flugziele direkt anfliegen kann.

Die Überraschung im Zwischenbericht der „Airport Kommission“ war, dass die Kommission Lowes inzwischen präzisierten und von seinem Privatunternehmen „Heathrow Hub“ mit einem Kostenvoranschlag von 7,5 Milliarden Pfund versehenen Plan in ihre erste Auswahl möglicher Lösungen für Londons vertracktestem Entwicklungsproblem aufnahm. Nicht nur das – auch eine dritte, unabhängige Nordwest Startbahn, wie sie vom Flughafenbetreiber Heathrow selbst vorgeschlagen wird, kam in die engere Wahl. Als dritte Option wurde die zweite Startbahn für Gatwick genannt. Für Heathrow war es wie ein Rettungsanker – denn viele haben Heathrow abgeschrieben – ein Flughafen, der, wie Londons Bürgermeister Boris Johnson immer wieder sagt, „ein Planungsfehler aus den fünfziger Jahren“ ist.

Kommentare (3)

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tomto

13.01.2014, 09:07 Uhr

Handelsblatt schreibt:
"Londons sechs Flughäfen – Heathrow, Gatwick, Stansted, City und Southend befördern jährlich 135 Millionen Passagiere..."

Heathrow, Gatwick, Stansted, City und Southend - das sind fünf Flughäfen. Welches ist der sechste?

ChristianBergius

13.01.2014, 09:26 Uhr

Luton ist der sechste

tomto

13.01.2014, 12:58 Uhr

Ahhh! Danke. :)

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