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03.11.2011

18:33 Uhr

Lucas Papademos

Wer ist der Hoffnungsträger Griechenlands?

VonAndreas Niesmann, Gerd Höhler, Marietta Kurm-Engels

Er hat sein Land schon mal in bessere Zeiten geführt. Jetzt gilt der frühere EZB-Vize als möglicher Chef einer Übergangsregierung – und als Retter für das am Abgrund stehende Athen.

Lucas Papademos war acht Jahre lang Vizepräsident der Europäischen Zentralbank. dpa

Lucas Papademos war acht Jahre lang Vizepräsident der Europäischen Zentralbank.

Düsseldorf/AthenEs war ein rauschendes Fest. Und Lucas Papademos strahlte. Denn es war keine normale Silvesterparty, die zum Jahresbeginn 2002 im Festsaal der Athener Notenbank gefeiert wurde. Für den Griechen, der seinem Land den Weg in den Euro-Olymp geebnet hatte, erfüllte sich ein Traum: Das arme Mittelmeerland wurde Mitglied der Euro-Zone.

Neun Jahre später herrscht Katerstimmung. Der Rauswurf Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft wird inzwischen offen diskutiert. Und wieder richten sich die Blicke auf Papademos. Griechischen Medien zufolge sondieren Abgeordnete bereits die Möglichkeit, dass der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank eine Koalitionsregierung der „Nationalen Einheit“ führen könnte. Er stünde dann vor der Herausforderung, den Sparkurs weiter fortzuführen und den Verbleib der Griechen in der Währungsgemeinschaft zu sichern.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Acht Jahre lang war der heute 64-Jährige als Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt tätig – und erwarb sich in dieser Zeit einen tadellosen Ruf. „Extrem klug“, „extrem angenehm“, „extrem respektvoll“ – so urteilte man in der EZB, als der grau melierte Grieche sich verabschiedete.

Darum blicken jetzt in der Stunde der größten Krise viele Griechen voller Hoffnung auf Papademos. Bereits mehrfach hätte Premier Giorgos Papandreou den ehemaligen Zentralbanker gern als Minister für Wirtschaft und Finanzen in seine Regierung geholt, und von dem ökonomischen Sachverstand und dem hohen Ansehen profitiert, das Papademos in  internationalen Finanzkreisen genießt. Aber der Umworbene wollte nicht.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

03.11.2011, 18:55 Uhr

"Hoffnungsträger Griechenlands?" Die EU stürzt eine Regierung und installiert EU freundliche Technokraten.

kleinerMann

03.11.2011, 18:55 Uhr

Wieder so einer, der die Banken bestens kennt!

http://de.wikipedia.org/wiki/Loukas_Papadimos

ikonaut

03.11.2011, 19:01 Uhr

ein zögling der FED

Papademos attended the Massachusetts Institute of Technology, gaining a degree in physics in 1970, a masters degree in electrical engineering in 1972, and a doctorate in economics, in 1978.

He followed an academic career at Columbia University, as well as serving as Senior Economist at the Federal Reserve Bank of Boston in 1980. He joined the Bank of Greece in 1985 as Chief Economist, rising to Deputy Governor in 1993 and Governor in 1994.

He was Vice President of the European Central Bank from 2002 to 2010.

He has been a member of the Trilateral Commission since 1998.

He is a member of the Academy of Athens, and a professor of the University of Athens.

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