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20.09.2012

16:09 Uhr

Luftangriff

Explosion in Syrien tötet angeblich dutzende Menschen

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind bei einem Luftangriff in einer nördlichen Provinz mehrere Menschen getötet worden. Die andauernden Kämpfe beschäftigen auch die UN-Vollversammlung.

Aleppo am 19. September nach einem heftigen Luftangriff. Reuters

Aleppo am 19. September nach einem heftigen Luftangriff.

Beirut/IstanbulBei einer Explosion nach einem Luftangriff in der nordsyrischen Provinz Raka sind nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation dutzende Menschen getötet oder verletzt worden. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet unter Berufung auf Anwälte und Kämpfer vor Ort 110 Getötete oder Verletzte. Einer anderen Quelle zufolge wurden bei der Explosion 30 Menschen getötet und 25 weitere zum Teil schwer verletzt.

Regierungsgegner meldeten, ein Militärhubschrauber habe über der Tankstelle in dem Dorf Ain Issa nahe der türkischen Grenze eine Bombe abgeworfen. Die Zahl der Opfer sei so hoch gewesen, weil dies die einzige Tankstelle in dem Gebiet gewesen sei, in der noch Benzin zu haben war, berichteten Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Die Tankstelle liegt in der Nähe eines Grenzpostens, der diese Woche von den Aufständischen überrannt worden war.

Auch in der Hauptstadt Damaskus gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Syrische Oppositionelle haben Teile der Hauptstadt zum „Katastrophengebiet“ erklärt. Der Außenbezirk Al Hadschar al-Aswad und ein Lager palästinensischer Flüchtlinge stünden unter Dauerbeschuss, sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Seit Wochenbeginn fielen nach Oppositionsangaben Hunderte Menschen dem Konflikt zum Opfer.

Der UN-Syrienvermittler Lakhdar Brahimi, der am Wochenende Damaskus besucht hatte, bezeichnete die Situation als „vollwertigen Bürgerkrieg“. In einem Interview mit dem englischsprachigen Dienst des Nachrichtensenders Al-Dschasira sagte er, er glaube nicht daran, dass eine Seite gewinnen werde. Die Vereinten Nationen wollen bei ihrer anstehenden Vollversammlung in New York über die Krise und mögliche Lösungswege beraten.

Das Blutvergießen dauerte derweil weiter an. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Regierungstruppen hätten in der Provinz Aleppo rund 100 „Terroristen“ getötet. Ein Angestellter des Al-Muwasat-Krankenhauses in Damaskus sagte der Oppositionswebsite All4Syria, nach den Kämpfen im Süden der Hauptstadt seien binnen zwei Tagen etwa 300 tote Soldaten und Milizionäre sowie mehr als 150 getötete Zivilisten in die Klinik gebracht worden. Am Donnerstag starben nach Angaben von Oppositionellen landesweit 60 Menschen.

In der Nähe der Hauptstadt Damaskus stürzte ein Hubschrauber der Regierungstruppen ab, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete. Nach Angaben von Rebellen wurde der Helikopter abgeschossen, wie auch ein weiterer in der nördlichen Stadt Aleppo. Berichte aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

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Die Lage spitzt sich weiter zu, das Blutvergießen treibt Tausende Syrer in den benachbarten Libanon. Wer Geld und Kontakte hat, reist nach Europa weiter. Viele andere stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Im Irak wurden derweil Vorwürfe aus den USA zurückgewiesen, wonach der Iran Waffen unkontrolliert über den irakischen Luftraum nach Syrien transportiere. Diese Informationen seien falsch, sagte ein Parlamentarier der Nachrichtenagentur dpa in Bagdad.

Der frühere syrische Ministerpräsident Riad Hidschab spielte den Einfluss militanter Islamistengruppen in dem Konflikt herunter. „Ihre Bedeutung für das Geschehen vor Ort wird übertrieben dargestellt“, sagte er am Mittwochabend nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius in Paris. Der Ex-Regierungschef hatte sich Anfang August von Präsident Baschar al-Assad losgesagt.

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