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02.07.2017

23:25 Uhr

Luftangriffe auf Altstadt von Mossul

Reporter beobachten Hunderte teils schwer verletzte Zivilisten

Mossuls Altstadt liegt in Trümmern: Pro Tag vollziehen irakische Streitkräfte 20 Luftangriffe auf die letzten Gebiete der Terrormiliz IS. Menschenrechtler kritisieren, auf Zivilisten werde keine Rücksicht genommen.

Mossul: Fast befreite Stadt in Trümmern

Mossul

Fast befreite Stadt in Trümmern

Nach drei Jahren hat der Irak das bevorstehende Ende des IS-„Kalifats“ in Mossul verkündet. Doch die dreijährige Gewaltherrschaft der Terroristen hat in der Stadt tiefe Narben hinterlassen.

MossulDie irakischen Streitkräfte haben bei ihrer Offensive auf die letzten Gebiete der Terrormiliz Islamischer Staat in Mossul weite Teile der Altstadt in Trümmer gelegt. Seit Freitag hätten Flugzeuge jeden Tag 20 Luftangriffe auf das nur noch ein Quadratkilometer große Territorium der Extremisten geflogen, sagte Kommandeur Muhanad al-Timimi am Sonntag. Reporter der Nachrichtenagentur AP konnten sehen, wie Hunderte, teils schwer verletzte Zivilisten aus der dicht besiedelten Altstadt flohen.

Menschenrechtler werfen den irakischen Streitkräften und ihren Verbündeten vor, beim Kampf um die einstige IS-Hochburg Mossul keine Rücksicht auf die dort lebenden Menschen zu nehmen. Al-Timimi räumte ein, dass sehr viele Geschosse auf die Altstadt abgefeuert worden seien. „Das ist, weil wir dort sehr viele Feinde haben“, sagte er. Die Vereinten Nationen schätzen, dass noch Zehntausende Zivilisten in der Altstadt gefangen sind.

AP-Journalisten konnten neben einem Einschlagkrater die Gliedmaßen mehrerer Leichen unter den Trümmern eines Hauses sehen. Das seien zwei IS-Kämpfer gewesen, behauptete ein Leibwächter Al-Timimis. Eine Ecke weiter lag ein alter Mann in einer frischen Blutlache, zwei weitere Leichen in ziviler Kleidung und ohne Waffen in der Nähe.

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Nachdem irakische Streitkräfte die Große Moschee in Mossul zurückerobern konnten, erklärte ein Armeesprecher das von der Terrormiliz IS ausgerufene Kalifat für beendet. Rund 900.000 Menschen flohen zuvor aus der Stadt.

Beim Kampf gegen den IS haben die irakischen Streitkräfte stets durch Luftangriffe des von den USA angeführten Militärbündnisses an Boden gewonnen, in Mossul wurde aber die Bevölkerung nicht evakuiert. Soldaten beauftragten in Mossul zudem oft Luftunterstützung, nur um Gruppen von zwei bis drei Kämpfern mit leichten Waffen auszuschalten.

Viele der flüchtenden Zivilisten waren so schwer verwundet, dass sie über die Schutthaufen in der Altstadt getragen werden mussten. Manhal Munir sagte, er habe sich mit seiner Familie im Keller seines Hauses versteckt, als dieses am Sonntagmorgen von einem Luftangriff getroffen worden sei. Er habe seine Tochter herausziehen können, aber seine Mutter sei zwischen Mauerblöcken eingeklemmt worden und nach zwei Stunden gestorben.

Die Zivilisten in der dicht besiedelten Altstadt seien in großer Gefahr, weil Waffen mit einer solchen zerstörerischen Wirkung eingesetzt würden, sagte Lama Fakih von Human Rights Watch. Das US-Bündnis erklärte, es würde immer Waffen einsetzen, die dem Ziel angemessen seien und Kollateralschäden minimieren würden.

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Die in der belagerten Altstadt gefangenen Zivilisten leiden neben den Angriffen zudem seit Monaten unter Wasser- und Nahrungsmangel. Die Temperaturen haben hier 45 Grad Celsius erreicht und dürften in den kommenden Tagen weiter steigen.

Das irakische Militär hatte Mitte Juni eine Mission zur Rückeroberung der Altstadt begonnen. Das enge Viertel im Westen von Mossul ist die letzte Stellung des IS in der zweitgrößten Stadt des Irak. Ministerpräsident Haidar al-Abadi verkündete vor wenigen Tagen ein Ende des sogenannten Kalifats des IS.

Von

ap

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