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24.07.2014

07:19 Uhr

Luftfahrtbehörde FAA

USA heben Flugverbot für Tel Aviv auf

Die Lage sei „sehr wechselhaft“, doch offenbar sicher genug: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat das Landeverbot für US-Airlines am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv aufgehoben. Zuvor war sie heftig kritisiert worden.

„Canceled“, gestrichen: Anzeigetafel am Flughafen von Tel Aviv. ap

„Canceled“, gestrichen: Anzeigetafel am Flughafen von Tel Aviv.

DüsseldorfDie US-Luftfahrtbehörde FAA hat das Landeverbot für den israelischen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv wieder aufgehoben. Das am Mittwoch um 24 Stunden verlängerte Landeverbot für US-Fluggesellschaften sei annulliert worden, teilte die FAA mit, warnte aber vor einer „sehr wechselhaften Situation“ und anhaltenden Kämpfen im nahegelegenen Gazastreifen. Die Lufthansa hatte am Mittwochabend verkündet, auch am Donnerstag Tel Aviv nicht anzufliegen.

Die Sperre war am Dienstag aus Sicherheitsgründen verhängt worden, nachdem eine Rakete aus dem Gazastreifen nahe dem Flughafen zwischen Jerusalem und Tel Aviv eingeschlagen war. Israel hatte den Bann der FAA, dem weitere Fluggesellschaften wie die Lufthansa und Air Berlin gefolgt waren, heftig kritisiert.

Noch am Mittwochabend war der frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, demonstrativ in die israelische Metropole gereist. Geflogen war der 72-Jährige mit der israelischen Fluggesellschaft El Al. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nahm Bloomberg in Empfang. Mit der Reise habe er zeigen wollen, dass Flüge nach Israel sicher seien, sagte Bloomberg und forderte eine Rücknahme des Verbots.

Der einflussreiche US-Republikaner Ted Cruz warf Präsident Barack Obama vor, mit dem Flugverbot einen „Wirtschaftsboykott Israels“ zu starten. Das US-Außenministerium bezeichnete dies als „lächerlich und beleidigend“. Es war das erste Mal seit 1991, dass ausländische Fluggesellschaften in größerer Zahl den Betrieb nach Israel einstellen. Damals hatte der irakische Diktator Saddam Hussein im Golfkrieg Scud-Raketen auf Israel abschießen lassen.

Streitpunkte zwischen Israel und Hamas

Ende der Feindseligkeiten nicht in Sicht

Sowohl Israel als auch die Palästinenser verlangen ein Ende des Beschusses. Jedoch befeuern sich Hamas und Israel beständig gegenseitig, so dass ein Ende der Gewalt nicht in Sicht ist.

Grenzübergänge

Die Hamas will in Gaza vor allem den Güter- und Personenverkehr über die Grenze wieder in Gang setzen. Israel blockiert die Grenzübergänge im Osten und Norden sowie von der Seeseite, Ägypten führt im Süden ein strenges Grenzregime. Der gescheiterte ägyptische Vorschlag sah vor, Übergänge im Süden zu öffnen, wenn sich die Lage beruhigt habe.

Der Hamas geht es vor allem um den Übergang in Rafah. Es ist der wichtigste Zugang der Menschen von Gaza zur Außenwelt. Ägypten hat dort den Personenverkehr im vergangenen Jahr stark eingeschränkt. Dies hängt mit der engen Verbindung der Hamas zur in Ägypten verfolgten islamistischen Muslimbruderschaft zusammen, der der gestürzte Präsident Mohammed Mursi angehört. Die Hamas will nun vor allem von Ägypten Garantien für den Übergang in Rafah, denn frühere Versprechungen waren nicht eingehalten worden.

Gefangene

Bei der Suche nach drei entführten und letztlich getöteten israelischen Religionsschülern im Westjordanland haben israelische Sicherheitskräfte Hunderte Hamas-Angehörige festgenommen. Dutzende der Männer waren bereits früher in Haft und wurden bei einem Gefangenenaustausch 2011 freigelassen. Israel argumentiert, die nun wieder Festgenommenen hätten gegen ihre Entlassungsbedingungen verstoßen. Die Hamas will sie mit ihrem ununterbrochenen Raketenbeschuss freipressen. Beobachter rechnen nicht damit, dass sich Israel darauf einlassen könnte.

Entmilitarisierung

Israel würde eine Waffenruhe mit der Hamas akzeptieren, wenn sie für eine Entmilitarisierung des Gazastreifens genutzt würde. Raketen und von der Hamas genutzte Tunnel will Israel beseitigen.

Die Hamas hat ihr Raketenarsenal in den vergangenen Jahren erweitert. Inzwischen kann sie auch weiter entfernte Ziele in Israel angreifen. Raketen flogen bereits auf Tel Aviv und bis zur mehr als 160 Kilometer entfernten Stadt Haifa. Für die Hamas kommt eine Entwaffnung nicht infrage.

Aussicht auf eine längere Kampfpause?

Zuletzt hatten sich Hamas und Israel 2012 einen mehrere Tage dauernden bewaffneten Konflikt geliefert. Danach war für mehrere Monate weitgehend Ruhe. Israel hofft, mit seinen massiven Angriffen diesmal die Hamas einzuschüchtern und sie so auf längere Zeit von Raketenbeschuss abzuhalten.


Unterdessen haben die israelischen Streitkräfte in der Nacht auf Donnerstag ihre Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Augenzeugen zufolge fiel der Strom aus, nachdem das wichtigste Kraftwerk des Küstengebiets getroffen wurde. Menschen gerieten in Panik. Trotz internationaler Vermittlungsbemühungen stieg die Zahl der Toten weiter.

Wie der Leiter der Rettungskräfte im Gazastreifen, Aschraf al-Kidra, sagte, kletterte die Zahl der Opfer in dem Gebiet auf 707. Mehr als 4500 Menschen seien verletzt worden. Auf israelischer Seite kamen bislang mindestens 32 Soldaten und zwei Zivilisten ums Leben.

In Paris demonstrierten am Mittwochabend viele Tausend Menschen gegen die Gaza-Gewalt. Nach Übergriffen auf jüdische Einrichtungen am Wochenende sicherten mehr als Tausend Polizisten den Protestzug. Im österreichischen Bischofshofen wurde ein Testspiel des israelischen Fußballclubs Maccabi Haifa am Mittwochabend nach pro-palästinensischen Demonstrationen abgebrochen. Israels Militäroffensive im Gazastreifen geht in die dritte Woche. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

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