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16.10.2014

19:59 Uhr

Luftschläge zeigen Wirkung

Kurden drängen IS in Kobane zurück

Die verstärkten Luftangriffe der USA zeigen Wirkung. Kurdische Kämpfer zwingen die IS-Terrormiliz zum Rückzug aus einigen Teilen der umkämpften Stadt Kobane. Im Irak dagegen rücken IS-Dschihadisten immer weiter vor.

IS-Terror

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IS-Terror: Mehr als 400 Deutsche im Heiligen Krieg

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Berlin/KobaneUnterstützt von US-Luftangriffen haben kurdische Einheiten die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei erbitterten Gefechten in der nordsyrischen Enklave Kobane zurückgedrängt. Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberten die sogenannten Volksschutzeinheiten (YPG) am Donnerstag weitere Straßen im Westen des an der Grenze zur Türkei gelegenen Ortes zurück. Rund ein Drittel Kobanes soll sich noch unter IS-Kontrolle befinden, vor einer Woche war von etwa 40 Prozent die Rede.

Im Irak hingegen setzten die sunnitischen Extremisten nach Angaben aus den USA trotz immer heftigerer Luftangriffe der internationalen Koalition ihren Eroberungsfeldzug fort. Der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur dpa, kurdische Kämpfer hätten im Südwesten Kobanes eine Offensive gestartet, um IS aus dem Gebiet zu vertreiben.

Auch weiter östlich, in der Region der ebenfalls syrisch-türkischen Grenzstadt Ras al-Ain, mussten die Dschihadisten Verluste hinnehmen. Bei einem kurdischen Angriff wurden laut Abdel Rahman 20 Extremisten getötet. Allerdings kamen bei einem Luftschlag laut Aktivisten und lokalen Medien versehentlich auch Kurden ums Leben.

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Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

Nach Angaben der irakisch-kurdischen Nachrichtenseite Rudaw starben mindestens sechs kurdische Kämpfer. Idris Nassan, ein Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane, bestätigte dies der dpa. Auch eine Zivilistin sei umgekommen, fügte er hinzu. „Die alliierten Flugzeuge hatten auf IS-Kämpfer gezielt“, sagte Nassan. Die Dschihadisten hätten in der Nacht zum Donnerstag in einem Gebäude Unterschlupf gesucht. Doch in dem Haus hätten sich bereits mehrere ältere kurdische Frauen versteckt.

Das Pentagon bestätigte die Berichte über getötete Kurden zunächst nicht. „Wir haben keine Hinweise, dass kurdische Kämpfer in einem Luftangriff des Bündnisses getötet wurden“, sagte ein Sprecher des Zentralkommandos in Tampa (Florida) der Nachrichtenagentur dpa. Die Berichte würden aber sehr ernst genommen und gründlich geprüft.

Insgesamt sind nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Kampf um Kobane im vergangenen Monat mehr als 600 Menschen ums Leben gekommen. Aufseiten der kurdischen YPG seien 258 Kämpfer und in den Reihen des IS 374 Dschihadisten getötet worden. Die IS-Miliz hatte Anfang September ihren Vormarsch auf Kobane (arabisch: Ain al-Arab) gestartet.

Kommentare (3)

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Herr Ragin Allraun

16.10.2014, 15:53 Uhr

Keine Waffen für die Kurden, (kostet nur unser schönes Steuergeld)- die sollen hier nicht demonstrieren und rumheulen, sondern die Koffer packen und in den Krieg ziehen um ihre Heimat zu verteidigen, (...)


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Paul Kersey

16.10.2014, 17:49 Uhr

@Ragin
Gute Idee hast Du da.
Und nach dem sie militärisch ausgebildet worden sind, ihre Kampferfahrung gemacht haben und entsprechend abgestumpft sind, kommen sie wieder zurück und Bomben die Salafisten aus ihren Koranschulen hier in Deutschland. Ganz schlaue Idee, die Du hast. Kannste einreichen beim Guiness Buch der Rekorde für die blödeste Idee des Tages!

Herr Ragin Allraun

16.10.2014, 19:59 Uhr

Nennt doch eine Bessere Herr Schlaumeier. Und warum sollte auch nur ein Türke, oder Deutscher sein Leben ins Risiko bringen ?

Das wäre an Idiotie nicht zu stoppen. Die Leute sind es einfach nicht wert, klar.

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