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17.03.2014

19:15 Uhr

Luftverschmutzung

Zweiter Fahrverbotstag abgesagt

Erstmals seit Jahrzehnten verhängt Paris teilweise Fahrverbote, um der Luftverschmutzung in der französischen Hauptstadt entgegen zu wirken. Das Ergebnis ist überzeugend, der zweite Fahrverbotstag wurde abgesagt.

Hunderte Auto-Kontrollen

Paris kämpft gegen den Smog

Hunderte Auto-Kontrollen: Paris kämpft gegen den Smog

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ParisEin Tag Fahrverbot im Kampf gegen den Pariser Smog hat trotzigen Autofahrern 4000 Strafzettel eingebrockt. Diese bekamen sie am Montag von mehr als 700 Polizisten aufgebrummt, die die drakonischste Maßnahme für reinere Luft in der französischen Hauptstadt seit 1997 überwachten. Auf die Straßen durften nur Fahrzeuge mit einer ungeraden Autonummer, um so die notorischen Staus zu lindern und die in den vergangenen Tagen dichte Dunstglocke über Paris zu lockern. Die Regierung zog ein positives Fazit: Die Verkehrsadern seien entlastet worden, die Luftverschmutzung habe sich verringert. Den ursprünglich geplanten zweiten Tag mit Fahrerlaubnis nur für Autos mit geraden Zahlen auf den Kennzeichen wurde abgesagt.

Für Entlastung sorgte aber auch das zuletzt wieder kühlere Wetter. Zuvor hatten Wärme und Windstille in Paris, wo wie in ganz Frankreich überdurchschnittlich viele Diesel-Fahrzeuge unterwegs sind, zu einer besonders hohen Luftverschmutzung geführt. Diese war zwar noch weit von Zuständen entfernt, wie sie aus Peking und anderen asiatischen Städten bekannt sind. Es wurden aber laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) fast doppelt so hohe Belastungen gemessen wie in Berlin oder London.

Smog-Alarm in Deutschland

Wintersmog

Smog-Alarm war in Deutschland vor allem in den 1980er Jahren ein Thema. Damals war von Wintersmog die Rede: Vor allem bei Inversionswetterlagen, wenn wärmere Luftmassen in der Höhe das Entweichen von Kaltluft am Boden verhindern, entstehen solche Dunstglocken. Dann können sich Schadstoffe von Heizungen, Fahrzeugen und Kraftwerken anreichern.

Alarm

Der letzte Smogalarm sei in Westdeutschland 1987 ausgerufen worden, in Ostdeutschland im Jahr 1993, teilte das Umweltbundesamtes (UBA) am Montag in Dessau-Roßlau mit. Im Februar 1987 waren große Teile Norddeutschlands betroffen. In Berlin und Hamburg wurden Fahrverbote verhängt.

Besonders betroffen

1985 hatte in weiten Teilen der damaligen Bundesrepublik Smog-Alarm oder Smog-Gefahr geherrscht. Betroffen war vor allem Nordrhein-Westfalen, wo für das westliche Ruhrgebiet Smog-Alarm der Stufe III ausgerufen wurde, verbunden mit Fahrverboten und Einschränkungen für die Industrie.

Maßnahmen

Die Luftqualität besserte sich vor allem mit dem Niedergang der DDR-Industrie und der Einführung besserer Schadstofffilter für Kraftwerke und Motorfahrzeuge. Nach Angaben des UBA besteht in Deutschland nicht mehr die Gefahr eines Wintersmog-Alarms.

Sommersmog

Problematisch ist inzwischen eher der Sommersmog, der mit der Ozonkonzentration zusammenhängt. Er entsteht unter intensiver Sonnenstrahlung vor allem aus Stickoxiden, die aus Autoabgasen stammen. Dabei bildet sich das Reizgas Ozon (O3).

„Das ist ein Problem der Volksgesundheit, sagte Verkehrsminister Frederic Cuvillier. „Wir danken allen, die mitgemacht haben. In der Hauptstadt waren Busse und Metros bereits seit vergangener Woche kostenlos. Doch das Teil-Fahrverbot machte die Pariser auch erfinderisch. So meldete die Car-Sharing-Internetseite e-loue.com Hunderte von Anfragen, Autos mit ungeraden Nummern zu mieten. Ohnehin gab es zahlreiche Ausnahmen: für Lieferwagen, Taxis und sämtliche Fahrzeuge mit mehr als drei Insassen.

Wer aber am Montag an den Kontrollpunkten der Polizei mit dem falschen Nummernschild erwischt wurde, musste den Beamten direkt 22 Euro Bußgeld bezahlen und auf der Stelle kehrtmachen. Die meisten Verkehrssünder hätten gelassen reagiert, sagten Polizisten. In 27 Fällen wurden die Fahrzeuge jedoch beschlagnahmt, weil die Fahrer eine Umkehr verweigerten.

Von

dpa

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