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13.10.2012

08:56 Uhr

Luftwaffe im Einsatz

Türkei verschärft Drohgebärden Richtung Syrien

Die Lage im Streit zwischen der Türkei und Syrien wird immer angespannter. Die Regierung in Ankara bezieht nun auch Kampfflugzeuge in die Auseinandersetzungen mit ein. In Deutschland warnt die CDU vor Alleingängen.

Gespannte Lage an türkisch-syrischer Grenze

Video: Gespannte Lage an türkisch-syrischer Grenze

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Istanbul/AnkaraDie türkische Luftwaffe hat sich nach Berichten türkischer Medien erstmals in die Kämpfe zwischen Regimesoldaten und der oppositionellen Freien Syrischen Armee eingemischt.

Der türkische Fernsehsender ntvmsnbc meldete am Freitagabend, die türkische Luftwaffe habe mit Kampfjets Bombardements der syrischen Luftwaffe auf die syrische Grenzstadt Asmarin flankiert. Zwei F-16 Jets der türkischen Luftwaffe flogen nach Angaben des Fernsehsenders Warnmanöver an der Grenze. Die türkische Luftwaffe setzte nach Angaben eines Offiziellen ein Kampfflugzeug ein, um einen syrischen Hubschrauber abzudrängen. Der syrische Hubschrauber habe sich der Grenze genähert, um die von Rebellen kontrollierte syrische Stadt Asmarin zu bombardieren, sagte der türkische Offizielle AFP in Ankara.

In der vergangenen Woche war der Grenzkonflikt eskaliert, nachdem syrische Artilleriegeschosse im türkischen Ort Akcakale einschlugen und fünf Zivilisten töteten.

Ankara hatte daraufhin grundsätzlich grünes Licht für einen Militäreinsatz im Nachbarland gegeben. Laut der türkischen Zeitung "Hürriyet", die sich auf Militärkreise beruft, laufen die Planungen für eine mögliche Intervention auf Hochtouren.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), hat die Türkei vor Alleingängen im Konflikt mit Syrien gewarnt. "Die Türkei sollte sich bei allem, was sie tut, sehr eng mit der NATO abstimmen und Alleingänge unterlassen", sagte Polenz der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom Samstag. Besonnenheit sei "oberstes Gebot", denn eine weitere Eskalation könne "leicht außer Kontrolle geraten und einen Flächenbrand entfachen", sagte Polenz.

Türkische Panzer beziehen an der syrischen Grenze bei Suruc Stellung. AFP

Türkische Panzer beziehen an der syrischen Grenze bei Suruc Stellung.

In der vergangenen Woche war der Konflikt zwischen der Türkei und Syrien eskaliert, nachdem syrische Artilleriegeschosse in einem türkischen Grenzort geschlagen waren und fünf Zivilisten getötet hatten. Am Freitag drängte die türkische Luftwaffe mit einem Kampfflugzeug einen syrischen Hubschrauber im Grenzgebiet ab. Am Mittwoch hatte die Türkei zudem ein aus Moskau kommendes syrisches Passagierflugzeug mit Kampfjets zur Landung in Ankara gezwungen und einen Teil der Ladung beschlagnahmt.

Vor dem Hintergrund der Spannungen trifft am Samstag der internationale Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi den türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu in Istanbul. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) ist am Samstag in Istanbul, um Davutoglu zu treffen.

Die Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei sind seit der erzwungenen Landung eines syrischen Passagierflugzeugs in Ankara am vergangenen Mittwoch höchst angespannt. Der Streit weitet sich zudem zu neuem Ärger zwischen Russland und den USA aus.

In Äußerungen aus Washington und Moskau ging es am Freitag nicht mehr nur um die Frage, ob an Bord des Flugzeugs militärische Ausrüstung und Munition gewesen waren, sondern auch um die fortdauernde Unterstützung Russlands für das Regime von Präsident Baschar Assad. Das US-Außenministerium warf Russland vor, eine "moralisch bankrotte" Strategie in Syrien zu verfolgen.

"Kein verantwortungsvolles Land sollte die Kriegsmaschine des Assad-Regimes unterstützen", sagte die Ministeriumssprecherin Victoria Nuland in Washington. "Insbesondere sollten es aber die Länder nicht tun, die als Mitglied des UN-Sicherheitsrates Verantwortung für Frieden und Sicherheit in der Welt tragen." Die USA hätten "ernste Sorge", dass Russland Syrien weiterhin militärisch unterstütze.

Zuvor hatte die russische Seite erklärt, dass der Airbus der Syrian Air ausschließlich legale Fracht transportiert habe. An Bord hätten sich elektronische Komponenten für ein Radar befunden, sagte Außenminister Sergej Lawrow. "Das ist durch internationale Regelungen nicht verboten." Das russische Unternehmen, das die Radarteile mit der syrischen Maschine nach Damaskus geschickt habe, werde deren Rückgabe von der Türkei verlangen, kündigte Lawrow an.

Kommentare (18)

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leser

13.10.2012, 02:49 Uhr

"Die türkische Luftwaffe hat sich nach Berichten türkischer Medien erstmals in die Kämpfe zwischen Regimesoldaten und der oppositionellen Freien Syrischen Armee eingemischt."
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Neuigkeiten: bislang hatte die Türkei vollkommen neutral operiert.
Das ist schön, weil der von der syrischen Administration abgeschossene türkische Flieger gar keine Einmischung gewesen sein soll.
Und so haben wir es mit einer weiteren ganz grundsätzlichen Einhaltung der Nichteinmischung völkerrechtlicher Natur zu tun.
Und das ist gut, dass die Türkei stets als friedfertig gilt, zum Beispiel bei Waffenlieferungen via Türkei an Syrien an die Freie syrische Armee.
Und das wird alles noch viel feiner, wenn man bedenkt, wie die türkische Administration gegen die Kurden im eigenen Land vorgeht.

Ja, da macht türkische Demokratie mit eingekerkerten türkischen Journalisten doch gleich noch etwas mehr Spaß.

kritikimauge

13.10.2012, 02:50 Uhr

Und wieso wird nicht über ein Waffenembargo für die Terroristen, ich meine Rebellen, verhandelt? Stimmt, die Weltpolizei, die USA, dürfen das natürlich weiterhin tun, alles im Rahmen der Sicherheit. Genauso wie in Libyen. Schade nur, wenn die Pläne schiefgehen und nicht alles so läuft wie man will. Die Amerikaner lernen nie etwas aus der Geschichten. Genauso wie alle Diktatoren - Glaubensführer von den Amerikanern hochgeschoben wurden, so versuchen sie das auch jetzt wieder. Doch genauso wie Taliban, die einst Seite an Seite mit den USA gegen die Sowjet Union gekämpft hatte, so passiert selbiges in Libyen und wird es auch in Ägypten, Syrien etc.. (Libyen; Bezug auf Chris Stevens, den US amerikanischen Botschafter, sowie seine drei Mitarbeiter)

Politik und Waffenlobbyismus sind ein dreckiges Geschäft an dessen Händen das Blut Unbeteiligter hängt und hängen wird!

leser

13.10.2012, 03:00 Uhr

... ein dreckiges Geschäft, das sich als gewählt noch gleich viel feiner Empfinden möchte und dies den Wahlvölkern nach der Wahl stets umgehend mitzuteilen gedenkt, wg. Volksverantwortung.

Geh mir wech mit diesem Dreck, sagte der Großvater, Gott hab ihn selig, eines Freundes dazu einmal.

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