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27.08.2012

11:23 Uhr

Luxemburg

Reich, sozial – und bald überschuldet?

VonDiana Fröhlich

Die Heimat von Euro-Gruppenchef Juncker gilt als Wohlstands- und Sozialstaatsparadies. Die Renten sind hoch, der Mindestlohn funktioniert. Doch Luxemburgs ausufernde Fürsorgepolitik droht bald den Staat zu ersticken.

Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker ist als Eurogruppen-Chef Ratgeber für die gesamte Euro-Zone. Reuters

Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker ist als Eurogruppen-Chef Ratgeber für die gesamte Euro-Zone.

Luxemburg-StadtRobert Kieffer will heute nicht versprechen, was er in Zukunft nicht halten kann - und doch tut er genau das jeden Tag. Kieffer ist Chef der Luxemburger Pensionskasse, seiner Behörde geht es derzeit noch sehr gut, elf Milliarden Euro Rentenreserven haben sich dort angehäuft. Eine stattliche Summe für ein Land, in dem nur 500.000 Menschen leben, davon zwölf Prozent Rentner. Doch der Versicherungsmathematiker weiß auch, dass dieses Geld innerhalb weniger Jahre aufgebraucht sein wird, wenn das Großherzogtum nicht bald eine grundlegende Rentenreform beschließt.

"Wir haben zu lange im Überfluss gelebt", sagt Kieffer. „In der Boomzeit wurden die Rentenversprechen an unsere Bürger derart erhöht, dass mit deren Ende diese nicht mehr eingehalten werden können." Er fordert, dass die gesetzlichen Leistungen entweder gekürzt oder aber die Beiträge gesteigert werden müssen. Sonst, so sein wenig erbauliches Szenario, droht einem der wichtigsten Finanzplätze Europas der Bankrott.

Es ist eine bizarre Situation. Während Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker als Vorsitzender der Euro-Gruppe seit Jahren den anderen EU-Partnern Ratschläge erteilt, mit welcher Finanz- und Reformpolitik sie die Euro-Krise beenden könnten, nimmt er es im eigenen Land nicht so genau.

Zwar geht es dem Großherzogtum auf den ersten Blick wie dem Schlaraffenland: Wer hier arbeitet, kann im Bestfall schon mit 57 Jahren in den Ruhestand gehen, Rentner bekommen gerne mal rund 7 000 Euro monatlich, zudem eine 13. Monatsrente. Der Mindestlohn beträgt 1 800 Euro pro Monat, schwangere Berufstätige bekommen eine Prämie für ihr Baby von insgesamt rund 1 700 Euro.

Unzählige Fonds, die Luxemburg nach New York zum wichtigsten Standort der Fondsindustrie mit mehr als zwei Billionen Euro Anlagevermögen gemacht haben, haben eben auch Wohlstand in das Großherzogtum gebracht. Ein Wohlstand, der zur Fassade zu werden droht.

Denn das Wachstum betrug 2011 gerade noch 1,6 Prozent, die Arbeitslosigkeit ist auf mehr als sechs Prozent angestiegen. Vor allem aber ist es eine Zahl, die beunruhigt: 1 100 Prozent. So hoch soll der sogenannte implizite Schuldenberg Luxemburgs sein, hat die "Stiftung Marktwirtschaft" ausgerechnet. Ähnlich schlecht schneiden bei diesem Wert, der alle jährlichen Zahlungsverpflichtungen eines Staates - also etwa Renten, Pflegekosten und Rückstellungen - mitbilanziert, in der Euro-Zone nur noch Irland und Griechenland ab.

Kommentare (40)

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MikeM

26.08.2012, 14:33 Uhr

Egal, wozu haben wir bald den ESM, da kann Luxemburg drunterschlüpfen und sich weiter wie die Made im Speck durchfressen.

Account gelöscht!

26.08.2012, 14:36 Uhr

Na da haben wir wohl mal wieder den Bock zum Gärtner gemacht.

Genius

26.08.2012, 14:56 Uhr

Nun, hier drängt sich analog Deutschland auf: Das Land ist reich, die Wirtschaft floriert selbst in Krisenzeiten und die Verschuldung ist dennoch enorm. Und die Dilletanten in Berlin treiben die Neuverschuldung trotz voller Kassen weiter.

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