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13.12.2013

10:54 Uhr

Luxemburgs Ex-Premierminister

Juncker erwägt Wechsel in EU-Spitzenamt

Er war dienstältester Regierungschef der EU. Und eigentlich wollte Jean-Claude Juncker in Luxemburg bleiben. Aber jetzt ringt er mit sich und kann sich einen Wechsel in ein EU-Spitzenamt vorstellen.

Mit 59 Jahren war Jean-Claude Juncker der älteste Regierungschef in der EU. Jetzt denkt er über den nächsten Schritt nach: Ein EU-Spitzenamt. Reuters

Mit 59 Jahren war Jean-Claude Juncker der älteste Regierungschef in der EU. Jetzt denkt er über den nächsten Schritt nach: Ein EU-Spitzenamt.

LuxemburgLuxemburgs Ex-Premierminister Jean-Claude Juncker denkt über einen Wechsel in ein EU-Spitzenamt im kommenden Jahr nach. „Ich befinde mich mit anderen in einem Denkprozess, von dem ich nicht weiß, wie lange er dauert“, sagte der 59-jährige in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa in Luxemburg. „Ich höre denen zu, die mit mir reden“, sagte Juncker weiter. Nach der Europawahl im Mai 2014 muss in Brüssel unter anderem über die Nachfolge von Ratspräsident Herman Van Rompuy und von Kommissionspräsident José Manuel Barroso entschieden werden.

Der fast 19 Jahre als Premierminister amtierende Juncker war Anfang Dezember in Luxemburg als Regierungschef vom Liberalen Xavier Bettel (40) abgelöst worden.

Juncker zeigte sich besorgt, dass eine schwache Wahlbeteiligung bei der Europawahl vom 22. bis 25. Mai die Legitimität des Parlaments „unterhöhlen“ könne. Seine „allergrößte Sorge“ sei, dass EU-Gegner einen erheblichen Einfluss im Europaparlament gewinnen könnten. „Die Gefahr, dass Populisten jedweder Provenienz in Europa den Durchmarsch schaffen könnten“, sei Teil seiner Überlegungen über die eigene Zukunftsplanung: „Ich werde mich jedenfalls aktiv daran beteiligen, dass die Populisten, die Vereinfacher, die Negationisten europäischer Geschichte ihr Ziel nicht erreichen werden.“

Juncker hatte vor der Parlamentswahl in Luxemburg vom 20. Oktober auf Fragen nach möglichen EU-Ambitionen gesagt, er werde entweder Premierminister oder Abgeordneter in Luxemburg. „Abgeordneter natürlich für den Fall, dass meine Partei die Wahl massiv verlieren würde. Wir haben sie aber nicht verloren. Wir wurden nicht vom Wähler in die Opposition geschickt, sondern von zwei kleinen Parteien und einer sehr kleinen Partei“, sagte Juncker jetzt.

Junckers Christlich-Soziale Volkspartei (CSV) war mit 34 Prozent der Stimmen stärkste politische Kraft geworden, hatte aber bei Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen keinen Koalitionspartner gefunden. „Das bleibt nicht ohne Einfluss auf meine Lebensplanung. Aber ich bin mit mir selbst und mit anderen noch nicht im Reinen und im Klaren.“ Er sei aber „nicht morgen früh sprungbereit“.

Sein Nachfolger Bettel stellt in Luxemburg die Regierung mit Sozialdemokraten und Grünen. Juncker beklagte, dass die drei Parteien die CSV als „eigentlichen Wahlsieger“ von der Macht fernhielten: „Das entspricht unserer Auffassung nach nicht dem Wählerwillen.“ Zudem seien viele Vorhaben der Regierung Bettel aus dem Wahlprogramm der CSV übernommen worden. Seine neue Rolle als Oppositionsführer in Luxemburg sei „gewöhnungsbedürftig“, sagte Juncker.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Ossi

13.12.2013, 11:19 Uhr

Herrn Juncker, der es mit der Wahrheit nie so genau nahm, sind die "Felle" davon geschwommen. Da hält er dann nichts mehr von Demokratie. Schnell zurück in ein Spitzenamt der EU. Dort kann er uns dann weiter belügen (Zitat Juncker)und seine ganz persönlichen Vostellungen von Europa durchsetzen. Glaubt er.

Account gelöscht!

13.12.2013, 11:45 Uhr

Meine „allergrößte Sorge“ ist vielmehr, dass Leute wie Juncker weiterhin ihren erheblichen Einfluss bei der EU behalten könnten.

Beim Lesen kam es mir fast so vor, wie wenn Juncker den Gefälligkeitsartikel der dpa höchstpersönlich diktiert hätte.

Uli

13.12.2013, 12:00 Uhr


Junker war der dienstälteste Regierungschef in Europa. Hallo Luxemburg hat 530.000 Einwohner. Da könnte der Stuttgarter Bürgermeister mit 100.000 Einwohnern mehr doch auch nach einem europäischen Spitzenamt streben und das wohl mit noch mehr Berechtigung. Nichts gegen Junker an sich, aber es ist schon eine Unverfrorenheit wie sehr diese Leute nach ein paar Jahren glauben sie hätten ein Anrecht auf einen dieser überbezahlten Europajobs. Es ist eine Frechheit, daß Luxemburg genau so stark in Brüssel vertreten ist wie das 160 mal größere Deutschland und daß sich diese Zwerge in Europa so aufspielen dürfen. Leute wie Barroso, Lady Asthon und Rampuy sind es doch, die die vereinigten Staaten von Europa schaffen wollen, statt des von der Bevölkerung gewünschten Europas der Nationen. Sorry Junker aber der Molloch von Brüssel und Straßburg sollte ausgemistet werden und dann sollen Steuern zahlende, ganz normal besoldete junge Europäer diesem Schrecken ein Ende bereiten und die Gigantomanie ein für alle mal beenden um endlich den Nationalstaaten wieder die ihnen gebührenden Rechte zurückzugeben, damit der Bürger sich nicht immer weiter von der Ursprungsidee entfernt ( ja der Bürger wird von diesen Akteuren doch geradezu vergrault und interessiert sich dann plötzlich gar nicht mehr für Europa ). Für solch ein Europa habe ich nicht vor 35 Jahren gekämpft und mich jahrelang engagiert, und sorry, aber Junker ist einer der absoluten hardcore Vertreter dieses Systems welches es nun zu überwinden gilt. Er ist reich geworden durch den gemeinen Steuerzahler und er sollte nun Angeln gehen oder Bücher schreiben oder Vorträge halten. Dieser ganzen Gurkentruppe von Kommissaren und Verwaltungsschranzen sollte bald der Garaus gemacht werden um den Rest der Idee Europa noch zu retten.

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