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20.12.2012

12:33 Uhr

Luxusgüterkonzernchef

Der reichste Franzose ist in Belgien nicht willkommen

VonThomas Hanke

Frankreichs Superreiche sind auf der Flucht vor dem Fiskus. Doch nicht immer läuft es so, wie die Vermögenden sich das vorgestellt haben. Das muss nun Bernard Arnault am eigenen Leib erleben.

Bernard Arnault ist der reichste Mann Frankreichs. AFP

Bernard Arnault ist der reichste Mann Frankreichs.

ParisEin kleiner Schock für alle superreichen Franzosen, die vom Steuerexil in Belgien träumen: Die Aufnahme im Nachbarland ist nicht so selbstverständlich, wie sie angenommen haben. Das erlebt jetzt Bernard Arnault, der Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH und reichste Mann Frankreichs, am eigenen Leib. Ihm wird voraussichtlich die belgische Staatsbürgerschaft verweigert.

Um keinen Ärger mehr mit dem französischen Fiskus zu haben, hat Arnault im Juli beantragt, als Belgier naturalisiert zu werden. Der Multimilliardär, der Nobelmarken wie Louis Vuitton und Bulgari sammelt, hat im Vollgefühl seiner Bedeutung aber wohl eine Kleinigkeit übersehen: Eine der Voraussetzungen ist, dass der Antragsteller seit mindestens drei Jahren seinen Hauptwohnsitz in Belgien hat. Wie die flämische Tageszeitung „De Morgen“ schreibt, ist das bei Arnault nicht der Fall. Deshalb habe die belgische Ausländerbehörde sich gegenüber dem zuständigen Parlamentsausschuss gegen die Naturalisierung Arnaults ausgesprochen. Theoretisch kann der Ausschuss sich darüber hinwegsetzen. Dafür wäre es aber erforderlich, dass Arnault „besonders enge Verbindungen“ mit Belgien nachweisen kann.

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Der Fall wirft ein bezeichnendes Licht auf die Auseinandersetzung um das Steuer-Exil von Frankreichs Superreichen in Belgien: Mit großer Selbstverständlichkeit gingen diese davon aus, dass der kleine Nachbar glücklich darüber sei, Endlagerstätte für Steuerasylanten zu werden. Dass die Belgier vielleicht selber entscheiden, wen sie unter welchen Bedingungen aufnehmen, kam ihnen wohl nicht in den Sinn. Dabei haben Flamen und Wallonen durchaus ihren eigenen Kopf - und reagieren empfindlich auf jeden Ausdruck von Überheblichkeit des großen Nachbarn.

Im Fall Arnault kommt hinzu, dass auch eine innenpolitische Auseinandersetzung entbrannt ist. Die belgischen Sozialisten verdächtigen Arnault, er könne sich der Steuerhinterziehung schuldig machen. Der Fiskus untersucht laut „De Morgen“ bereits das Firmengeflecht, dass der Multimilliardär in Belgien aufgebaut hat. Sein wichtigstes Ziel ist es, die hohe französische Erbschafts- und Schenkungssteuer zu umgehen. Die liegt rund 40 Prozentpunkte über der belgischen. Seit einiger Zeit ist Arnault dabei, die Voraussetzungen für eine Übertragung seiner Anteile nach Belgien zu schaffen.

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Sollte dem prominentesten Steuerexilanten Frankreichs tatsächlich die belgische Staatsangehörigkeit verwehrt werden, kann er es im nächsten Jahr noch einmal versuchen. Dann werden die rechtlichen Voraussetzungen neu geregelt. Einfacher wird es allerdings nicht: Statt drei Jahren muss der Antragsteller sogar fünf Jahre in Belgien ansässig sein. Einzige Ausnahme: Wenn er zur „Ausstrahlung Belgiens“ beiträgt, geht es auch schneller. Das gilt aber nur für kulturelle und sportliche Aktivitäten, nicht für das Anhäufen von Mammon. Nun baut Arnaults LVMH-Stiftung zwar gerade mit dem Stararchitekten Gehry ein protziges Museum mit erheblicher Strahlkraft - doch das ist fest betoniert am Bois de Boulogne und lässt sich nicht so schnell nach Belgien verlegen wie der private Wohnsitz.

Eine Ausweichlösung hat dagegen Filmstar Gérard Depardieu in der Hand, der auch Belgier werden möchte: Sollte ihm der neue Pass verweigert werden, kann er nach Russland ziehen: „Falls Gérard wirklich eine russische Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass will, so ist diese Frage bereits positiv entschieden“, sagte Russlands Präsident Putin am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa zufolge vor Journalisten in Moskau. Depardieu mache gerade harte Zeiten durch und sei ein enger Freund von ihm. Na sdarowje!

 

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

20.12.2012, 13:11 Uhr

Die Franzosen und Amerikaner machen es richtig. Wer Steuern durch Umzug ins Ausland vermeiden möchte, muss seine Staatsbürgerschaft abgeben.

Deutschland macht es den Steuervermeidern wie Kühne, Becker, Stich, Vettel, Schumacher etc. viel zu einfach. Die ziehen in die Schweiz oder nach Österreich, zahlen kaum noch Einkommenssteuer auf ihr Vermögen und gerieren sich erfolgreich als deutsche Wohltäter (Kühne, Stich) oder als Werbeträger (Schumacher, Becker).

Der Spuk hätte mit der amerikanischen / französischen Regelung schnell ein Ende.

Rene

20.12.2012, 13:27 Uhr

So verschwenderisch die Staaten mit dem Geld der Bürger umgehen unter dem Deckmantel der "sozialen Gerechtigkeit", kann ich die Steuerflucht verstehen. Die Politiker greifen immer gieriger nach dem Geld der anderen, Hauptsache ihre Pensionen und Diäten sind sicher und werden erhöhrt. Dem Bürger, ob reicht oder nicht, kann man ja immer tiefer in die Tasche greifen. Hoffentlich bleibt - wie Rußland - mindestens ein Land übrig, dass den Druck auf bspw. Frankreich aufrecht erhält, dass Enteignung der "Reichen", wie auch immer man sie definiert, nicht die Lösung ihrer Verteilungspolitik ist.

Ohne_Vermoegen

20.12.2012, 14:01 Uhr

Warum wird Bernard Arnault kein Grieche? Die würden sich über sein Vermögen freuen und bestimmt wären die auch mit einer relativ klein ausfallenden Vermögenssteuer einverstanden. - Besser als nix!

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