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05.12.2014

19:46 Uhr

Macht, Geld und Sex

Chinesischer Spitzenpolitiker wegen Korruption verhaftet

Zhou Yongkang ist ein „Tiger“, ein hoher Funktionär in Chinas Partei. Nun muss er sich wegen Korruption verantworten. Es geht um Milliarden, Mätressen, Verrat von Staatsgeheimnissen – und einen Machtkampf?

Als Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros der Partei war Zhou bis zu seiner Pensionierung 2012 Sicherheitschef. Reuters

Als Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros der Partei war Zhou bis zu seiner Pensionierung 2012 Sicherheitschef.

PekingAls bislang höchster chinesischer Politiker wird der einst mächtige Sicherheitschef Zhou Yongkang wegen Korruption und Geheimnisverrats vor Gericht gestellt. Das Politbüro schloss den 71-jährigen Spitzenpolitiker am Freitag überraschend aus der Kommunistischen Partei aus, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Er ist seit Ende der 70er Jahre das erste ehemalige Mitglied des mächtigen Ständigen Ausschusses des Politbüros, das sich wegen Korruptionsvorwürfen verantworten muss.

Das Politbüro nahm den Bericht über die vorausgegangenen parteiinternen Ermittlungen an und übergab Zhou Yongkang den Justizbehörden. Der Generalstaatsanwalt in Peking erließ sofort einen Haftbefehl und leitete Ermittlungen ein, wie die Staatsagentur um Mitternacht Ortszeit berichtete. Damit wurde der Weg für einen Prozess gegen Zhou Yongkang freigemacht, was für ein derart einflussreiches Mitglied der chinesischen Machtelite beispiellos ist.

Zhou Yongkang habe „seine Macht missbraucht, um seinen Verwandten, Geliebten und Freunden zu helfen, große Gewinne mit ihren Geschäften zu machen, was dem Staatsbesitz schwere Verluste zugefügt hat“, zitierte Xinhua aus dem Ermittlungsbericht. Der Spitzenpolitiker habe auch Staats- und Parteigeheimnisse verraten. Er habe „große Mengen“ Geld und Immobilien persönlich oder über seine Familie angenommen. „Er tauschte seine Macht gegen Sex und Geld“, zitierte die Staatsagentur aus dem Bericht.

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Es ist der größte Skandal seit dem Sturz des Spitzenfunktionärs Bo Xilai, der seit 2013 eine lebenslange Haftstrafe absitzt. Zhou Yongkang soll den ehrgeizigen Politiker bis zuletzt geschützt haben. Es gab sogar Gerüchte, dass beide einen Putsch gegen den neuen Staats- und Parteichef Xi Jinping geplant haben sollen. Als Chef der wichtigen Rechtskommission der Partei herrschte Zhou Yongkang bis 2012 über den kompletten Sicherheitsapparat mit Polizei und Staatssicherheit und galt als einer der wichtigsten Führer Chinas.

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