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07.11.2016

09:40 Uhr

Machtgerangel um die kleine Insel

Wer von Zyperns Wiedervereinigung profitiert

VonGerd Höhler

Zyperns Politiker verhandeln ab heute über die Wiedervereinigung. Ein Ende des Konflikts würde nicht nur die Insel verändern, sondern auch Perspektiven für die Nahost-Konflikte eröffnen. Doch Erdogan hat andere Pläne.

Der Blick vom griechischen Teil Nikosias auf den türkischen Teil der Zyperns. Eine Wiedervereinigung der Insel hätte weitreichenden politische Konsequenzen. dpa

Die geteilte Hauptstadt

Der Blick vom griechischen Teil Nikosias auf den türkischen Teil der Zyperns. Eine Wiedervereinigung der Insel hätte weitreichenden politische Konsequenzen.

AthenNikosia auf Zypern ist nicht nur die einzige geteilte Hauptstadt der Welt. Seit einer Woche hat die kleine Inselmetropole eine weitere zweifelhafte Errungenschaft zu bieten: Sie ist die einzige Stadt mit zwei Zeitzonen. Während im griechischen Süden die Uhren am vergangenen Wochenende um eine Stunde zurückgestellt wurden, bleibt der türkisch kontrollierte Norden, wie die Türkei, bei der Sommerzeit.

Für Leute wie Cem Eksi ist das ein Problem. Er ist einer von Tausenden türkischen Zyprern, die jeden Tag die Demarkationslinie überqueren, um im griechischen Süden der Insel zu arbeiten. „Ich kann jetzt zwar eine Stunde länger schlafen, komme aber auch erst eine Stunde später wieder nach Hause“, sagt der 45-jährige Angestellte. „Praktisch ist das Leben in zwei Zeitzonen nicht“, findet der Zyperntürke.

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Nicos Anastasiades appelliert an die EU, Griechenland in der Flüchtlingskrise beizustehen. Im Interview spricht Zyperns Staatspräsident zudem über seine Reformagenda und einen Zeitplan für die mögliche Wiedervereinigung.

Dass diesseits und jenseits der „Green Line“ nun auch noch die Uhren unterschiedlich gehen, werten manche als böses Omen. Denn gerade jetzt machen die Führer der beiden Volksgruppen einen neuen, vielversprechenden Anlauf zur Überwindung der Teilung. Der griechische Inselpräsident Nikos Anastasiades und der türkische Volksgruppenchef Mustafa Akinci gehen am Montag im Ferienort Mont Pèlerin am Genfer See in eine fünftägige Klausur. Damit erreichen die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung der Insel die entscheidende Phase – was auch daran abzulesen ist, dass Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon persönlich die Konferenz eröffnen wird.

Zypern ist seit dem Sommer 1974 geteilt. Damals besetzte die Türkei den Norden der Insel, um die geplante Annektierung Zyperns durch die Athener Obristenjunta und die befürchtete Vertreibung der türkischen Volksgruppe, die etwa ein Fünftel der Inselbevölkerung ausmacht, zu verhindern. International anerkannt ist die (griechische) Republik Zypern im Süden, die 2004 der Europäischen Union beitrat. Die „Türkische Republik Nordzypern“ wird dagegen nur von Ankara anerkannt. Bisher verliefen alle Einigungsversuche im Sande.

Nikos Anastasiadis

Der Politiker

Der 69-jährige Nikos Anastasiadis schlug nach dem Jurastudium in Athen und London zunächst eine Anwaltslaufbahn ein, bevor er 1981 für die konservative Demokratische Sammlungsbewegung ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Seit 1997 ist er Parteichef. Ende Februar 2013, auf dem Höhepunkt der zyprischen Finanz- und Bankenkrise, wurde er zum Staatspräsidenten gewählt.

Der Krisenmanager

Er habe es vorgezogen, sich für sein „Land nützlich zu machen, statt beliebt zu sein“. So rechtfertigte Anastasiadis seine Zustimmung zu den harten Auflagen des 2013 geschnürten Rettungspakets, das Zypern vor dem drohenden Bankrott bewahrte. Der Jurist und Politiker aus der zyprischen Stadt Limassol gilt als kühler Analytiker. Populistische Anwandlungen sind ihm fremd.

Seit Mai 2015 verhandeln Anastasiades und Akinci über eine politische Lösung des Konflikts. Mit dem 70-jährigen konservativen Anastasiades und dem zwei Jahre jüngeren Sozialdemokraten Akinci sprechen zwei erfahrene Polit-Veteranen miteinander. Wichtiger noch: Erstmals sitzen sich jetzt zwei engagierte Einigungsbefürworter gegenüber. Anastasiades und Akinci achten und vertrauen einander. Diese günstige Konstellation hat es seit 1974 noch nie gegeben.

Ziel der Verhandlungen ist eine Föderation aus zwei Bundestaaten mit weitgehender Selbstverwaltung der beiden Volksgruppen – also keine „Wiedervereinigung“ im echten Sinne des Wortes. In den bisherigen Verhandlungen sei man „weiter gekommen als je zuvor“, sagt der Zypern-Sonderbeauftragte der Uno, Espen Barth Eide.

Bei den Gesprächen in der Schweiz geht es vor allem um den Verlauf der künftigen innerzyprischen Grenze. Die Inselgriechen hoffen auf Rückgabe einiger von den Türken besetzter Gebiete. Anastasiades forderte in einer Pressekonferenz am Freitag, mindestens 100.000 griechische Zyprer, die während der türkischen Invasion 1974 aus dem Inselnorden vertrieben wurden, müssten die Möglichkeit zur Rückkehr erhalten.

Kommentare (4)

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Frau Lana Ebsel

07.11.2016, 11:21 Uhr

Eigentlich ist das wie mit der Krim. ... Nur Rußland wird von uns deswegen boykottiert, den Türken bieten wir Beitrittsverhandlungen. Wir werden immer mehr zur Lachnummer des Planeten.

Herr Heinz Keizer

07.11.2016, 11:29 Uhr

es gibt ja noch Hoffnung, dass die Griechen dem nicht zustimmen, obwohl es rein wirtschaftlich sinnvoll wäre. Aber Erdogan darf nicht noch mehr Einfluß in der EU bekommen.

Herr Ulrich Groeschel

07.11.2016, 11:32 Uhr

Auch eine kleine Lösung ist für den Anfang besser als Keine. ´Wenn die Bevölkerung nach einiger Zeit die Vorteile sieht kann man weiter verhandeln.

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