Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.12.2013

06:29 Uhr

Machtkampf in Pjöngjang

Nordkorea bestätigt Hinrichtung von Kims Onkel

Vom Mentor zum Verräter: Jang Song Thaek, der entmachtete Onkel des nordkoreanischen Machthabers, ist hingerichtet worden. Kim Jong Un dürfte seine Position damit festigen.

Nordkorea

Kim Jong Uns Onkel wegen Landesverrats hingerichtet

Nordkorea: Kim Jong Uns Onkel wegen Landesverrats hingerichtet

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

PjöngjangMachtkampf in Pjöngjang: Der einst einflussreiche Onkel und Mentor des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben wegen eines Umsturzversuches hingerichtet worden. Ein Militärtribunal habe Jang Song Thaek am Donnerstag zum Tode verurteilt, berichteten die Staatsmedien am Freitag. Der 67-Jährige habe seine Taten gestanden. Es blieb zunächst unklar, ob Jang erschossen oder gehängt wurde.

Jang wurde vorgeworfen, bereits seit dem Tod des früheren Machthabers und Vaters von Kim Jong Un, Kim Jong Il, im Dezember 2011 auf die Machtübernahme hingearbeitet zu haben. Jang, der bis vor kurzem noch Vizevorsitzender der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission gewesen war, wurde in den nordkoreanischen Medien als „Verräter“ und „abscheulicher menschlicher Abschaum, der schlimmer als ein Hund war“, bezeichnet. Der Beschuldigte habe parteifeindliche, konterrevolutionäre Handlungen mit dem Ziel ausgeführt, „die Führung unserer Partei, des Staates und des sozialistischen Systems zu stürzen“.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA unterhielt Jang „unangemessene Beziehungen zu mehreren Frauen und ließ sich in den Hinterzimmern von Luxus-Restaurants verwöhnen". Der langjährige Führungskader sei „dem kapitalistischen Lebensstil verfallen“, „ideologisch verdorben und faul“, und habe „Drogen konsumiert und Devisen in Kasinos verzockt, während er auf Kosten der Partei zur medizinischen Behandlung im Ausland war“.

Eine unabhängige Bestätigung der Berichte über die Hinrichtung gibt es nicht. Nach Informationen des südkoreanischen Senders Free North Korea Radio (FNK), das von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird, ließ das kommunistische Regime den 67-jährigen Jang und einige seiner Gefolgsleute bereits in der vergangenen Woche hinrichten. Bilder des Staatsfernsehens, die die Festnahme Jangs am vergangenen Sonntag bei einer Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei zeigten, seien womöglich manipuliert gewesen, hatte FNK am Dienstag berichtet.

Nordkorea hatte erst am Montag die Entmachtung Jangs bestätigt, der lange Zeit als die graue Eminenz des Regimes gegolten hatte. Ihm seien alle Ämter und Titel entzogen worden. Der südkoreanische Geheimdienst NIS hatte schon wenige Tage zuvor Abgeordneten in Seoul von der Absetzung Jangs berichtet.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

gullemann

13.12.2013, 08:08 Uhr

Wenn bei uns gleich jeder hingerichtet werden würde der Gelder veruntreut, dann is ja bald keiner mehr im Bundetag ;))))))), sowas aber auch zzzzz.

Konstantinos

13.12.2013, 09:59 Uhr

In antiken und mittelalterlichen Despotien und Herrscherhäusern waren Verwandtschaftsmorde an der Tagesordung, um die eigene Machtposition zu stabilisieren.

Insofern nichts Neues unter der Sonne,also korrespondiert diese Hinrichtung auf der Zeitspirale mit "Stockwerken" aus vergangenen Epochen, die so vergangen nicht sind. "Vergangenheit" ist genau so präsent wie "Zukunft". lol

Schrecklich

13.12.2013, 10:50 Uhr

Na zumindest hatte er noch ein gerichtliches Verfahren und wurde nicht durch eine Drohne mit allen Beistehenden hingerichtet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×