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19.12.2011

07:05 Uhr

Machtwechsel

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il ist tot

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il ist tot: Nachfolger an der Spitze des kommunistischen Staates soll wie erwartet sein Sohn Kim Jong Un werden. Dennoch hat Südkorea seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt.

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Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il tot

Video: Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il tot

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Seoul/PjöngjangNordkoreas Machthaber Kim Jong Il ist tot. Der 69-Jährige habe bereits am Samstag während einer Zugfahrt einen schweren Herzinfarkt erlitten und sei um 08.30 Ortszeit gestorben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag. Ein in Trauer gekleideter Ansager des Staatsfernsehens sprach mit Tränen in den Augen von körperlicher und geistiger Überarbeitung des Machthabers. Auch das nordkoreanische Staatsfernsehen gab am Montag in einer Sondersendung aus der Hauptstadt Pjöngjang den Tod des Machthabers bekannt. Demnach starb Kim, als er im Rahmen einer „Feldinspektion“ in Nordkorea unterwegs war. Eine am Sonntag erfolgte Autopsie habe die Todesursache bestätigt. Kim wurde 69 Jahre alt.  

Nach dem Tod des nordkoreanischen Machthabers soll dessen Sohn Kim Jong Un laut KCNA seine Nachfolge antreten. Die amtliche Nachrichtenagentur bezeichnete am Montag Kim Jong Un als „großartigen Nachfolger“. „Es ist der größte Verlust für unserer Partei und der größte Trauerfall für unser Volk“, erklärte eine in schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin unter Tränen zum Tod von Kim Jong Il. Das Land müsse „unsere Traurigkeit nun in Stärke umwandeln und unsere Schwierigkeiten überwinden.“ In Nordkorea dürfte es zu riesigen Trauerbekundungen kommen. Die staatliche Propaganda bezeichnete Kim Jong Il, der die Macht 1994 von seinem Vater Kim Il Sung übernahm, stets als „geliebten Führer“ und machte ihn zu einem Halbgott.

Nachfolger Kim Jong Il's an der Spitze Nordkoreas soll wahrscheinlich sein jüngster Sohn Kim Jong Un werden. dpa

Nachfolger Kim Jong Il's an der Spitze Nordkoreas soll wahrscheinlich sein jüngster Sohn Kim Jong Un werden.

„Alle Parteimitglieder, Soldaten und die Öffentlichkeit sollten nun treu der Führerschaft von Kamerad Kim Jong Un folgen und die vereinigte Front der Partei, der Streitkräfte und der Öffentlichkeit schützen und weiter stärken“, hieß es in der KCNA-Meldung, die im Fernsehen von einem weinenden Sprecher vorgetragen wurde. Die Staatsspitze ordnete eine Trauerphase bis zum 29. Dezember an. Die Beisetzung soll am 28. Dezember in Pjöngjang stattfinden.

Im Jahr 2008 erlitt Kim vermutlich einen Schlaganfall, schien sich davon aber offenbar weitgehend wieder erholt zu haben. Zuletzt hatte er auf Fotos und Videoaufnahmen seiner jüngsten Reisen nach China und Russland sowie zahlreichen Inlandsreisen einen relativ rüstigen Eindruck hinterlassen. Allerdings soll Kim eine Vorliebe für Zigaretten, Cognac und gutes Essen gehabt und an Diabetes gelitten haben.       

Das international abgeschottete Land bereitete sich deshalb schon in jüngerer Vergangenheit auf die Übergabe der Macht an Kims Sohn, Kim Jong Un, vor. Diesen hatte Kim bereits im September 2010 zu seinem designierten Nachfolger erklärt und ihm ranghohe militärische und politische Ämter übertragen. Kim Jong Il selbst hatte nach dem Tod seines Vaters und Staatsgründers Kim Il Sung die Macht übernommen. Es sei ein Beisetzungskomitee gebildet worden mit Kim Jong Un an der Spitze, teilte KCNA mit.    

Angesichts der andauernden Spannungen mit dem Norden versetzte Südkorea seine Streitkräfte nach Bekanntgabe der Nachricht in „höchste Alarmbereitschaft“, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Präsident Lee Myung-Bak berief ein Treffen des nationalen Sicherheitsstabs ein. An der Börse in Seoul weitete der Aktienindex seine Verluste aus. Das japanische Kabinett sollte zu einer Krisensitzung zusammentreten. US-Präsident Barack Obama verfolge die Berichte vom Tod Kim Jong Ils, teilte das Weiße Haus am Montag in einer Stellungnahme mit.

Parade in Nordkorea zum 65. Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei im Oktober 2010. Reuters

Parade in Nordkorea zum 65. Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei im Oktober 2010.

Sorgen bereitet dem Westen seit Jahren das Atomprogramm des Landes. 2006 und 2009 testete das Land Atomwaffen. Zudem befinden sich Nord- und Südkorea seit Ende des Korea-Kriegs im Jahr 1953 formal noch immer im Kriegszustand. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten zu militärischen Zwischenfällen. Der Verdacht, dass  Nordkorea heimlich eine Atombombe baut, heizte die Spannungen in den vergangenen Jahren zusätzlich an. Pjöngjang stieg im April 2009 aus den Sechs-Nationen-Gesprächen über sein Atomprogramm aus, an denen die USA, Japan, Russland, China und Südkorea  beteiligt sind.

Während der Amtszeit von Kim Jong Il rutschte das Land in schwere Armut. Während Pjöngjang weiter in sein Atomprogramm investiert, leidet die Bevölkerung Nordkoreas immer wieder unter Lebensmittelmangel. Laut einer Schätzung der Vereinten Nationen sind ein Drittel der nordkoreanischen Kinder von  Mangelernährung betroffen.

Kommentare (12)

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Charlotte

19.12.2011, 04:29 Uhr

Das wäre eine Chance für das Land.

kat7

19.12.2011, 05:46 Uhr

SOlang nun der Sohn drankommt der noch verhaltengestörter als sein Vater ist sicher nicht...

Account gelöscht!

19.12.2011, 07:23 Uhr

@ aruba: ...das würde dann aber sicherlich wieder die Tierschützer auf den Plan rufen... ...verständlicherweise...

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