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13.07.2016

06:22 Uhr

Macron vs. Hollande in Frankreich

Der junge Wirtschaftsminister will mehr

VonThomas Hanke

François Hollande wollte sich mit Wirtschaftsminister Macron einen Reformer in die Regierung holen. Nun hat er einen möglichen Rivalen im Rennen um die Präsidentschaft – und eine Bewegung namens „En Marche“ am Hals.

Emmanuel Macron dreht auf: Der französische Wirtschaftsminister will mit seiner Bewegung "En Marche" in die ganz große Politik. AFP; Files; Francois Guillot

Emmanuel Macron

Emmanuel Macron dreht auf: Der französische Wirtschaftsminister will mit seiner Bewegung "En Marche" in die ganz große Politik.

ParisDer junge Wirtschaftsminister Emmanuel Macron wirbelt die politische Landschaft Frankreichs völlig durcheinander. Beim ersten großen Meeting seiner Bewegung „En Marche“ gab er zu erkennen, dass er zur Präsidentschaftswahl im Mai 2017 antreten wird. „Uns kann nichts mehr aufhalten, wir tragen diese Bewegung bis 2017, bis zum Sieg“, rief er in den Saal, aus dem immer wieder Sprechchöre laut wurden: „Macron, Präsident“.

Auch wenn Macron noch nicht ausdrücklich sagte, er sei Kandidat: Nach diesem Abend kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass er sich von seinem politischen Ziehvater François Hollande befreit, der 2017 wiedergewählt werden möchte – und selber kandidieren wird. „Völlig klar, dass er jetzt Kandidat ist,“ sagten ein sozialistischer Abgeordneter und ein Senator der „Linken Radikalen“ nach dem Meeting.

Im völlig überfüllten großen Saal der Pariser „Mutualité“, einem der klassischen Orte der französischen Politik nahe der Sorbonne, veranstaltete Macron ein Treffen, das an amerikanische Wahlveranstaltungen erinnerte. Es gab kein Podium und keine Tribüne mit Honoratioren, auf einer blau-weiß-rot eingefärbten, ansonsten schmucklosen Bühne saßen gut 100 meist jugendliche Anhänger seiner Bewegung.

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Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gründet eine neue politische Formation. Mit „En Marche!“ will er Blockaden im Land auflösen. Damit ist klar, dass er nach den höchsten Ämtern greift.

Bevor er selber auftrat, redeten Leute aus der Zivilgesellschaft und Vertreter unterschiedlicher Bürgerbewegungen. Alles sollte eine Botschaft ausstrahlen: Hier ist das Frankreich von unten, das sich von den konventionellen Parteien nicht mehr vertreten fühlt.

Ein an den Rollstuhl gefesselter 50-Jähriger aus dem armen Pariser Vorort Bobigny sagte, das in den Medien verbreitete Vorurteil, der Minister sei ein kalter Technokrat, könne nicht falscher sein: „Du bist ein Supertyp, du hast an der Sorbonne Handwerker ausgezeichnet, ich habe dich mit jungen Friseusen und Bäckerlehrlingen diskutieren gehört, wo andere Politiker sich nur gelangweilt abwenden.“

Macron werden eine angeblich elitäre und neoliberale Haltung und seine Karriere in der Investmentbank Rothschild von Gegnern in der Sozialistischen Partei vorgeworfen, der er selbst nicht angehört. Er könne zwar nicht mit Macron marschieren, „aber ich werde mit Dir rollen, und zwar sehr schnell“, versprach der Mann aus Bobigny.

Ein in Frankreich bekannter Organisator für die Alphabetisierung von benachteiligten Kindern reichte Macron die Hand „für eine Bewegung aller, die etwas machen wollen, um die Risse zu heilen, die unser Land zerreißen.“ Man müsse „die Macht der jakobinischen Parteien brechen“. In Anspielung auf die spanische Protestpartei Podemos rief er in den Saal: „Schaffen wir kein Podemos, sondern ein Hacemos (wir machen)“.

Ein sozialistischer Abgeordneter aus der Bretagne gab die Parole aus: „Die Welt hat sich geändert, nun muss die Politik sich ändern, wir müssen die Bank sprengen, und wer ist dafür besser geeignet als ein früherer Bankier.“ Damit erntete er große Heiterkeit.

Dann heizte er dem Saal mit der Bemerkung ein: „Dies ist ein historischer Moment, wir schreiben Geschichte, das Land muss wählen zwischen der Nostalgie und einer Bewegung, die jedem die Mittel zu seiner Freiheit gibt.“

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

13.07.2016, 10:07 Uhr

Kenn den Typen zwar nicht, aber es war eine freie Kommentarstelle.

Aus diesem Artikel lässt sich doch bestimmt was machen, viele Verschwörungen usw.
oder nicht :
Enrico, Marc, Rainer, Harald.......aug geht`s

und damit es lustig wird:
Ralph - hau einen raus aus Fantasia

Anno Nymicus

13.07.2016, 10:47 Uhr

Die Richtung: hin zu mehr Leistungserbringung.
"Er schreckt nicht vor Tabubrüchen zurück. So kritisierte er die 35-Stunden-Woche in Frankreich sowie die Beschäftigungsgarantie für Beamte. Unbeliebt im linken Lager machte er sich auch mit einem Gesetz zur Liberalisierung der Sonntagsarbeit."
http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-emmanuel-macron-gruendet-neue-partei-a-1085874.html

"Im Monat März 2016 sank die Zahl der saisonbereinigte registrierten Arbeitslosen um -60’000 zum Vormonat, auf 3,531000 Millionen registrierte Arbeitslose. Bei den unbereinigten Originaldaten wurden 3,552900 Millionen Arbeitslose registriert, ein Anstieg von nur noch +10’600 zum Vorjahresmonat. Aber seit nun schon 58 Monaten in Folge steigt schon die Arbeitslosigkeit, im Vergleich zum Vorjahresmonat!"
quelle: http://www.querschuesse.de/frankreich-registrierte-arbeitslosigkeit-maerz-2016/

Nachtigall, ick hör dir trapsen...
... dass Frankreich keine drakonischen, abschreckenden strafen für die Defizitsünder Spanien und Portugal wünscht, ist da nicht verwunderlich:
der ClubMed will die Finanzkraft und Bonität der Deutschen zur Staatsfinanzierung mittels Druckerpresse nutzen.

Die Deutschen sparen & buckeln - und investieren in "Flüchtlinge" anstatt in wettbewerbsrelevante Faktoren (Infrastruktur verrottet, Bildung wird immer drittklassiger)...
... und der ClubMed und Resteuropa werden aufgebaut.

Das ist kein Zufall.
Das ist das "Europa der einen Geschwindigkeit".

Den Deutschen die Knüppel zwischen die Beine - und die anderen unterstützen und aufbauen.
Die Etablierten in Deutschland verlieren nix - DIE haben ihre Lobby.
Aber das einfache deutsche Volk wird von dieser Europapolitik verraten und verkauft - ansonsten könnten wir hier einen Lebensstandart haben wie in der Schweiz, würden Gesamtdeutschland weiter aufbauen, so wie nach der Wende den Osten...
... aber stattdessen wurde der "Aufbau Ost" durch ein "Aufbau Gesamteuropa" ersetzt.

Wurden die Deutschen eigentlich gefragt?

Account gelöscht!

13.07.2016, 10:56 Uhr

Also mehr Verschwörung darf man von einem Kommentar nicht erwarten, auch nicht in dieser Länge!

BRAVO Anno

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