Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2016

19:31 Uhr

Madaja, Al-Foua und Kefraja

Hilfe für belagerte Orte in Syrien

Lastwagen mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern sind am Montag in den syrischen Orten Madaja, Al-Founa und Kefraja eingetroffen. Allein im eingekesselten Madaja sollen rund 40.000 Menschen hungern.

Im Oktober 2015 hatte es den letzten Hilfskonvoi ins syrische Madaja gegeben. dpa

Hilfskonvoi für Madaja

Im Oktober 2015 hatte es den letzten Hilfskonvoi ins syrische Madaja gegeben.

DamaskusDutzende Lastwagen mit Lebensmitteln und Hilfsgütern sind am Montag in drei belagerten syrischen Orten eingetroffen, wo Zehntausende Menschen vom Hungertod bedroht sind. Von Damaskus fuhren die Lastwagen in die von Rebellen kontrollierte Stadt Madaja an der Grenze zum Libanon.

Syrische Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz belagern die Stadt seit Monaten. Weitere Hilfskonvois fuhren gleichzeitig in die von Rebellen eingekesselten Schiitendörfer Al-Foua und Kefraja in der Provinz Idlib.

Allein in Madaja sollen nach Einschätzung von Hilfsorganisationen 40.000 Menschen hungern. Die letzte Lebensmittellieferung hatte die Stadt nach UN-Angaben im Oktober erreicht. Über die Lage in Madaja gibt es widersprüchliche Informationen. UN-Vertreter sagten, es gebe vertrauenswürdige Berichte, nach denen Menschen verhungerten. Oppositionsgruppen sprachen von Dutzenden Todesfällen. Die Hisbollah erklärte dazu, es sei noch niemand verhungert. Sie wirft den Rebellen vor, sie hinderten die Bewohner daran, die Stadt zu verlassen. Außerdem eigneten sie sich die Hilfsgüter an und verkauften sie. Die Bewohner Madajas würden zu Propagandazwecken missbraucht.

Die Belagerung von Städten und Dörfern ist in dem seit fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg ein weit verbreitetes Mittel, sowohl bei Regierungstruppen als auch bei den Rebellen. UN-Experten sagten, die Belagerungen würden „skrupellos koordiniert und geplant“. Eine ganze Bevölkerung werde damit gezwungen, kollektiv zu kapitulieren oder zu hungern. Bislang kamen in dem Krieg Schätzungen zufolge rund 250.000 Menschen ums Leben.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Für die syrische Opposition ist die Lage in Madaja ein zentraler Punkt. Sie hat Gespräche mit der syrischen Regierung so lange ausgeschlossen, wie die Belagerung anhält. Eine erste Verhandlungsrunde ist für den 25. Januar in Genf geplant.

Frankreichs Präsident Francois Hollande bekräftigte nach einem Gespräch mit dem syrischen Oppositionskoordinator Riad Hidschab, für Präsident Baschar al-Assad gebe es keine Zukunft. Der französische Außenminister Laurent Fabius forderte, Syriens Regierung müsse das Leiden von Madaja und anderer belagerter Orte beenden. An die syrische Armee und die mit ihr verbündeten russischen Streitkräfte appellierte Fabius, Militäroperationen gegen Zivilisten einzustellen.

Russlands Luftwaffe unterstützt die syrische Armee mit Angriffen auf Rebellen und die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Der Westen wirft Russland vor, dabei auch immer wieder Zivilisten zu treffen. Zuletzt sollen nach Informationen der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte in Indschara bei Aleppo zwölf Schüler bei einem Angriff vermutlich russischer Kampfflugzeuge getötet worden sein.

In anderen Berichten war von 35 getöteten Kindern die Rede. Der syrische Oppositionskoordinator Hidschab sprach von einem Massaker. All diese Informationen können allerdings von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Hidschab erklärte zudem, es könne keine Gespräche mit der syrischen Regierung geben, solange ausländische Kampfflugzeuge Zivilisten bombardierten. Neben der russischen Luftwaffe fliegen auch Kampfflugzeuge einer von den USA angeführten Allianz Angriffe, in erster Linie gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Auch dabei sollen Zivilisten getötet worden sein.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×