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12.04.2013

15:09 Uhr

Maduro & Capriles

Venezuelas Kandidaten im Vergleich

Der eine ist Ex-Busfahrer nimmt Kurs auf Präsidentenpalast, der andere kämpft für den Kurswechsel. Nicolás Maduro und Henrique Capriles wollen beide Venezuelas Ex-Präsidenten Hugo Chávez beerben.

Nicolás Maduro. dpa

Nicolás Maduro.

CaracasNicolás Maduro will in die Fußstapfen seines Idols und „Vaters“ Hugo Chávez treten. Genug Zeit und Posten zum Üben hatte der 50-Jährige: Außenminister, Vize-Präsident, Interimsstaatschef und Präsidentschaftskandidat. Nun greift der Sozialist mit dem markanten Schnauzbart nach dem höchsten Amt in Venezuela. Umfragen attestieren dem engen Weggefährten des an Krebs gestorbenen Hugo Chávez gute Chancen, am Sonntag endgültig in den Präsidentenpalast einzuziehen.

Der Ex-Gewerkschafter hat sich viel von seinem Lehrmeister abgeschaut, verfügt aber bei weitem nicht über dessen Charisma. Doch auf Wahlkampfveranstaltungen schlug er vor Zehntausenden Anhängern ganz wie Chávez wortgewaltig auf die Opposition ein. Der Applaus war ihm sicher. Seine Bastionen hat er in den armen Bevölkerungsschichten, deren Sprache er spricht.

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Hugo Chávez war ein Held der Linken – und das nicht nur in Südamerika. Das kriselnde Venezuela wählt am Sonntag seinen Nachfolger. Doch Kronprinz Maduro steht noch im Schatten von Chávez: Hat er das Zeug zum neuen Idol?

Maduro besuchte die Schule bis zur mittleren Reife, spielte in einer Rockband, engagierte sich früh in sozialistischen Jugendgruppen. Später arbeitete er als Busfahrer und stritt als Gewerkschafter für die Rechte der U-Bahn-Mitarbeiter. 1999 wurde er ins Parlament gewählt, wo er 2005 den Aufstieg zum Parlamentspräsidenten schaffte.

Erstmals trat der meist ernste Politiker mit der großen, kräftigen Statur 1992 auf die nationale politische Bühne, als er zu Protesten für Chávez' Freilassung aufrief. Dieser saß damals wegen eines Umsturzversuchs gegen den Präsidenten Carlos Andrés Pérez im Gefängnis. Diese Loyalität vergaß Chávez ihm nie. Beide Männer waren lange Weggefährten, und Maduro wurde zu einem der engsten Vertrauten von Chávez.

Vor seiner Ernennung zum Vizepräsidenten im Oktober 2012 war Maduro sechs Jahre lang Außenminister. „Seht, was Nicolás der Busfahrer alles schafft“, pries ihn Chávez damals öffentlich. Und Maduro ist sich sicher, dass es noch weiter geht und die nächste Haltestelle in seiner politischen Karriere der Präsidentenpalast Miraflores ist, wo er derzeit nur Interims-Hausherr ist.

Henrique Capriles Radonski. dpa

Henrique Capriles Radonski.

Auch wenn die Umfragen gegen ihn sprechen: Henrique Capriles Radonski will im zweiten Anlauf den Sprung in Venezuelas Präsidentenpalast schaffen. Gegen Staatschef Hugo Chávez verlor der Jurist im Oktober 2012 klar die Wahl. Nach dem Tod des „Comandante“ will er am Sonntag (14. April) an den Urnen den Chávez-Ziehsohn und Interimspräsidenten Nicolás Maduro besiegen.

Der 40-Jährige ist locker im Umgang, leger im Auftritt, aber hart in der Sache und gilt trotz seiner verhältnismäßig jungen Jahre als alter Hase im Politikgeschäft. 2012 lautete sein offizielles Motto: „Hay un camino“ - „Es gibt einen Weg“, und der soll ihn nun in den Präsidentenpalast Miraflores in Caracas führen.

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Der Jurist begann seine Karriere 1998 als Abgeordneter. Er wurde jüngster Präsident der Abgeordnetenkammer, dann Bürgermeister in Baruta, einer Ortschaft im Großraum Caracas. 2008 eroberte Capriles den Posten des Gouverneurs im Bundesstaat Miranda, den er im Dezember 2012 klar verteidigte. Der Single und praktizierende Katholik ist Nachkomme jüdischer Holocaust-Überlebender.

Capriles, der Fußball mag, Baseball und Basketball aber vorzieht, musste sich in beiden Wahlkämpfen 2012 und 2013 wüste Beschimpfungen aus dem gegnerischen Lager gefallen lassen. „Bourgeois“, „Faschist“, „Handlanger des Yankee-Imperiums“ (USA) und „Mittelmäßiger“, waren einige der Titel, die ihm die Chavistas verpassten.

Die umstrittenste Episode seiner Karriere war während des Putsches gegen Chávez im April 2002. Damals wollte sich Capriles als Bürgermeister Zutritt zur kubanischen Botschaft verschaffen, wo sich Gerüchten zufolge ein hohes Regierungsmitglied verschanzt haben sollte. Er wurde abgewiesen, woraufhin Oppositionsgruppen die Botschaft belagerten. Capriles wurde später vorgeworfen, er habe internationale Verträge missachtet. Ein Gericht sprach ihn aber frei.

Von

dpa

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