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17.01.2005

19:23 Uhr

Magazinbericht wird ernst genommen - Pakistan dementiert

Angeblich US-Pläne für Krieg gegen Iran

Geheime Kommandos des US-Verteidigungsministerium sollen im Iran mögliche Ziele für Angriffe gegen die Atomanlagen des Landes auskundschaften. Das berichtet die Zeitschrift „New Yorker“. Mit der Ansiedlung beim Militär wolle die Bush-Administration die für den CIA vorgeschriebenen Parlaments-Kontrollen umgehen.

George W. Bush steht drei Tage vor den Feiern zur erneuten Amtseinführung. Foto: dpa

George W. Bush steht drei Tage vor den Feiern zur erneuten Amtseinführung. Foto: dpa

HB NEW YORK/ISLAMABAD. Niemand in Washington macht sich über angebliche Pläne für einen Krieg gegen Iran schon in diesem Sommer lustig. „Ich denke, sie werden es tun. Ich bin skeptisch, ob Diplomatie erfolgreich sein kann“, meinte der Verteidigungsexperte und Direktor des Instituts „Globalsecurity.org“, John Pike. Selbst Dan Bartlett, enger Berater von US-Präsident George W. Bush, rang sich nur zu einem ziemlich nebulösen Dementi durch.

Der Report im "New Yorker" wurde ernst genommen, weil der Autor ein angesehener Journalist ist, der auch den Abu-Ghoreib-Skandal mit aufdeckte - und weil Bush in den jüngsten Interviews immer wieder seine politische „Mission“ betont: Der Welt, und vor allem den islamischen Staaten, „Freiheit und Demokratie“ zu bringen.

Pentagon zieht Iran-Vorwürfe in Zweifel

Das US-Verteidigungsministerium hat den Bericht als insgesamt „erfundene Behauptungen“ zurück gewiesen. Der Beitrag in der Zeitschrift „New Yorker“ gründe sich auf „Gerüchte und Unterstellungen“, erklärte Pentagon-Sprecher Lawrence Dirita. Ein klares Dementi zu der Behauptung, US-Kommandos hätten in Iran operiert, gab es allerdings nicht.

„Bush tut, was er tun will“, meinte Hersh, der ein scharfer Bush-Kritiker ist. Nicht nur der Pulitzer-Preisträger glaubt, dass nach dem republikanischen Wahlsieg die Neokonservativen nun daran gehen, konsequent „die Welt nach ihren Vorstellungen zu verändern. Diese Jungs sind wild entschlossen“, so der Pulitzerpreisträger in einem CNN-Interview. Die Bush-Berater seien „zwanghaft optimistisch über die brüchige Machtbasis der Mullahs, und sie sind sich sicher, dass sie bald zuschlagen sollten“, sagte John Pike der „Daily News“.

Regimewechsel scheint geplant

Bush selbst hatte in einem Interview der „Washington Post“ darauf verwiesen, dass die Menschen in manchen Teilen der islamischen Welt, wie Afghanistan, „wirklich glücklich“ über die Interventionen der USA seien. Auch „die Reformwilligen in Iran hoffen sehr auf die Standfestigkeit der USA in ihrer Überzeugung, dass Demokratie sich verbreiten solle“.

Zwar nahm Bush das Wort nicht in den Mund: aber ein „Regimewechsel“ wie in Bagdad scheint auch für Teheran geplant. Schließlich gelten die herrschenden Mullahs seit Jahrzehnten zu den erbittertsten Gegnern der USA und Israels. Washington wirft Teheran vor, radikale Palästinenserorganisationen und andere Terror-Gruppen zu unterstützen. Noch 2002 zählte Bush Iran - neben dem Irak und Nordkorea - zu der „Achse des Bösen“.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und sein Vize Paul Wolfowitz glauben den Hersh-Informationen zufolge, dass es in Iran - wie früher in den kommunistischen Diktaturen - gelingen könne, „die Aura der Unbesiegbarkeit der Mullahs“ zu erschüttern. Dann werde das Regime zusammenbrechen. Und für einen Krieg oder zumindest militärische Schläge könnten die USA nun von zwei Seiten, dem Irak und Afghanistan, Iran angreifen.

Militärexperten verwiesen allerdings bisher darauf, dass die US-Streitkräfte mit dem Engagement im Irak schon gebunden seien und ein Waffengang in Iran deshalb undenkbar sei. Zudem berge ein Krieg in Iran - wo 68 Millionen Menschen leben - noch mehr Unwägbarkeiten und Gefahren als das Irak-Abenteuer. Auch wenn manches für die Richtigkeit des Hersh-Berichts spricht - denkbar ist auch, dass Washington gezielt falsche Informationen lanciert, um den Druck auf die Mullahs wegen ihres Atom-Programms zu erhöhen.

Die weltweite Verbreitung der Demokratie - auch zum Schutz der USA vor dem Terrorismus - bleibt aber zentral im Programm der zweiten Amtszeit von Bush. Er ist trotz des Chaos im Irak unbeirrt. Seine Zuversicht bezieht er neokonservativer Ideologie gemäß aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts: Die Demokratisierung nach dem Zusammenbruch der Diktaturen in Deutschland und Japan sowie die Auflösung des Sowjet-Imperiums seien Belege, dass militärische Stärke und demokratisches Sendungsbewusstsein der USA der ganzen Welt Freiheit, Frieden und Wohlstand bescherten.

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