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14.10.2016

02:38 Uhr

Maha Vajiralongkorn

Thailands Thronfolger will Krönung verzögern

Die Thailänder trauern um ihren König Bhumibol, der in dem politisch tief zerstrittenen Land als Symbol der Einheit angesehen wurde. Der 64-Jährige Kronprinz will noch warten, bis er die Thronfolge antritt.

Thailand

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BangkokNach dem Tod von Thailands tief verehrtem König Bhumibol Adulyadej will Kronprinz Maha Vajiralongkorn (64) Berichten zufolge nicht sofort die Thronfolge antreten. Der Prinz wolle seine Krönung zum König etwas hinausschieben, um zunächst mit dem Land zu trauern, teilte Putschführer und Regierungschef Prayut Chan-o-Cha am Donnerstag nach Angaben des Nachrichtenportals „Khaosod“ mit.

„Er hat seine Ernennung als königlicher Erbe bereits angenommen, aber um Zeit gebeten, um mit seiner Trauer zurechtzukommen und seinen Kummer an der Seite des Volkes in dieser Zeit auszudrücken“, zitierte das Portal aus der Stellungnahme Prayuts. Der Kronprinz wolle einen „angemessenen Zeitpunkt“ für die Krönung abwarten.

Nach dem Tod des 88-jährigen Monarchen zeigte sich das südostasiatische Land am Donnerstag in beispielloser Trauer. Viele der Tausenden, die vor dem Siriraj-Krankenhaus und dem Königspalast ausgeharrt und für die Genesung des Königs gebetet hatten, fielen auf die Knie und brachen in Tränen aus. Die Menschenmenge stimmte buddhistische Gesänge und die Hymne des Königs an.

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Urlauber sind die wichtigste Stütze für die thailändische Wirtschaft. Nach den jüngsten Bombenanschlägen fürchtet die Reisebranche einen immensen Schaden – und hält mit ungewöhnlichen Ideen dagegen.

Auf Facebook machten Tausende Menschen ein Herz und den Spruch „Ich liebe den König“ zu ihrem Profilbild. Die „Bangkok Post“ hüllte ihr Online-Layout in Schwarz-Weiß. Die Militärregierung ordnete eine einjährige Staatstrauer an. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs kondolierten Thailand - darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama.

Nach jahrelangem Krankenhausaufenthalt war Bhumibol laut offiziellen Angaben am Donnerstagnachmittag „friedlich“ gestorben. Eine Todesursache nannte der Palast vorerst nicht. Zuletzt war der König wegen einer Lungenentzündung und Nierenversagens im Siriraj-Krankenhaus behandelt worden.

Mit 70 Jahren auf dem Thron war Bhumibol der am längsten regierende Monarch der Welt. Spekulationen über seine Nachfolge räumte die Regierung unmittelbar aus: „Der Erbe, der 1972 ernannt wurde“, werde König, sagte Prayut - und verwies damit auf den einzigen Sohn Bhumibols, Maha Vajiralongkorn. Mit seiner Frau Sirikit (84), die ebenfalls schwer krank im Siriraj-Krankenhaus liegt, hatte Bhumibol zudem noch eine ältere und zwei jüngere Töchter.

Bhumibol schlug in Thailand eine fast gottgleiche Verehrung vom Volk entgegen. Nun könnte das buddhistische Königreich mit fast 70 Millionen Einwohnern vor großen politischen Umwälzungen stehen - politische Beobachter hatten für den Fall von Bhumibols Tod gar vor einer schweren Staatskrise gewarnt.

Thailand und die Rolle des Militärs

Das Militär kontrolliert die Regierung

Seit Jahrzehnten spielt das Militär in Thailand eine besonders einflussreiche Rolle. Erschienen der Militärführung Parlament und politische Parteien als zu schwach oder zu korrupt oder galten die Einheit des Landes und die Monarchie als gefährdet, schritten die Militärs ein. Zuletzt putschte im Mai 2014 Armeechef Prayut Chan-o-cha nach monatelangen Straßenprotesten gegen die gewählte Regierung des politisch tief gespaltenen Landes.

(Quelle: dpa)

Die Konfliktlinien

Auf der einen Seite stehen die Anhänger des schon 2006 gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra. Mit populären Maßnahmen wie Kleinkrediten und bezahlbarer Krankenversicherung machte er die ärmere Stadt- und Landbevölkerung zu treuen Anhängern. Kritiker warfen ihm aber Korruption und Vetternwirtschaft vor. Auf der anderen Seite organisierte die kleine Elite, die die Politik bis dahin bestimmt hatte, Straßenproteste. Das Militär stürzte Thaksin, danach wechselten sich Pro- und Anti-Thaksin-Regierungen ab, jeweils verbunden mit blutigen Protesten des anderen Lagers.

Die jüngste Protestwelle

Zweieinhalb Jahre nach dem Amtsantritt von Thaksins Schwester Yingluck begann Ende 2013 eine neue Protestwelle. Gegner blockierten Straßen und stürmten Regierungseinrichtungen. Sie warfen ihr Korruption vor. Am 22. Mai 2014 schritt das Militär ein.

Neue Verfassung

Vor wenigen Tagen stimmte die Bevölkerung einer neuen Verfassung zu, die laut Militärregierung den Weg zu Wahlen 2017 ebnen soll. Aus Sicht von Kritikern zementiert die Verfassung aber ihre Macht des Militärs.

Die politischen Lager im Land sind verfeindet. Auf der einen Seite stehen die sogenannten Gelbhemden - sie geben sich als Monarchietreue, die die alte Ordnung, in der wenige einflussreiche Familien die Geschicke des Landes bestimmten, aufrecht erhalten wollen. Auf der anderen Seite stehen die Rothemden, unterstützt vor allem von der ärmeren Bevölkerung, die mehr Mitsprache und eine Politik zur Förderung der Armen fordern. Sie haben es stets von sich gewiesen, weniger königstreu zu sein als die Gelbhemden.

Beide Seiten werfen sich maßlose Korruption vor. Mit Demonstrationen und Blockadeaktionen haben beide Lager gegnerische Regierungen immer wieder unter Druck gesetzt und deren Sturz herbeigeführt.

Bhumibol hatte zwar auf dem Papier nur repräsentative Aufgaben, doch hat der Palast hinter den Kulissen enormen politischen Einfluss. Keine Regierung konnte sich ohne das Wohlwollen des Königs halten. Der jüngste Militärputsch fand im Mai 2014 statt. Während Bhumibol als Garant der Einheit in dem politisch tief gespaltenen Land galt, ist sein Sohn bei weitem nicht so beliebt wie sein Vater.

Von

dpa

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