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06.08.2012

14:39 Uhr

Mali

Dem Ex-Vorzeigestaat droht die Spaltung

Mali galt lange als ein demokratischer Vorzeigestaat in Afrika. Doch nun droht eine Spaltung des Landes. Islamistische Rebellen kontrollieren den Norden, die Regierung im Süden kämpft bislang vergeblich um Einheit.

Eine malische Familie kommt von einer langen Reise von Timbuktu am Bus-Bahnhof in Bamako an. dpa

Eine malische Familie kommt von einer langen Reise von Timbuktu am Bus-Bahnhof in Bamako an.

BamakoMali gleitet ins Chaos ab. Im Norden des riesigen westafrikanischen Landes haben radikale Islamisten seit April etwa die Hälfte des Staatsgebietes unter ihre Kontrolle gebracht. Die Islamisten zwingen die Bevölkerung, nach ihren strikten Regeln zu leben. Die Menschen fürchten um ihre traditionell tolerante Lebensweise.

„Das Regime in Timbuktu ist zu streng“, sagt die Lehrerin Naimoye Alidji. Sie ist aus dem Norden in die Hauptstadt Bamako geflohen. „Ich bin von dort weg, ich hatte Angst vor den Kämpfen. Außerdem wollte ich nicht unter den Islamisten leben“, fügt die fünffache Mutter hinzu.

Wie konnte Mali so rasch vom stabilen, demokratisch regierten Staat zum Krisenfall werden? „Die Stabilität hat die Leute schläfrig gemacht“, sagt Kommunikationsminister Hamadoun Touré. „Wir haben es nicht kommen sehen.“ Korruption, Armut und auf sich selbst bezogene Politiker führten dazu, dass sich das Land über Jahre hinweg nicht weiterentwickelte.

Der erste Schlag gegen Malis nur auf den ersten Blick stabiles politisches System kam im März. In einem Coup wurde der damalige Präsident Amadou Toumani Touré abgesetzt. Der Umsturz brachte gärende Unzufriedenheit in der Armee ans Tageslicht.

Es folgte die Rebellion im Norden. Es war bereits der vierte Aufstand der Tuareg-Nomaden seit Malis Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960. Probleme wurden stets auf die lange Bank geschoben. Die Region wird von einer Dürre bedroht und Einflüsse der Nachbarn verschärfen den Konflikt: Mitglieder der radikalislamischen Boko-Haram-Sekte aus Nigeria, Salafisten aus Algerien und Kämpfer für den früheren libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi - sie alle haben ihre Finger im Spiel. Es droht eine Abspaltung des Nordens.

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